FRAUENFELD: Mafia-Zelle: Bald sind alle wieder frei

Im Thurgau sitzen nur noch zwei mutmassliche 'Ndrangheta-Mitglieder in Auslieferungshaft. «Auch sie werden bald freigelassen», sagt Folco Galli, Informationschef des Bundesamtes für Justiz. Die Männer hätten die nötigen Vereinbarungen schon unterzeichnet.

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Diese Aufnahmen eines geheimen Treffens der sogenannten Frauenfelder Mafiazelle sorgten bereits vor einigen Monaten für grossen Wirbel. (Bild: CARABINIERI DI REGGIO CALABRIA)

Diese Aufnahmen eines geheimen Treffens der sogenannten Frauenfelder Mafiazelle sorgten bereits vor einigen Monaten für grossen Wirbel. (Bild: CARABINIERI DI REGGIO CALABRIA)

FRAUENFELD. Dabei geht es um die Kaution, die Abgabe von Ausweisen und die Meldepflicht bei der Polizei. Am Montag hatte das Bundesamt für Justiz fünf Verhaftete auf freien Fuss gesetzt. Sechs weitere sind bereits am Freitag aus der Auslieferungshaft freigelassen worden. Damit dürfen alle 13 mutmasslichen Mitglieder der Frauenfelder Mafia-Zelle daheim auf ihre Auslieferung nach Italien warten.

Keine weiteren Straftaten

Die Männer sind vor einer Woche frühmorgens verhaftet worden. Zwölf wurden im Thurgau festgenommen, einer im Kanton Zürich. Sie sollen zum Thurgauer Ableger der 'Ndrangheta gehören. Die 'Ndrangheta ist eine der einflussreichsten Mafia-Organisationen in Italien. Die italienischen Justizbehörden haben Gesuche auf Auslieferung gestellt. Sie werfen den Männern vor, einer kriminellen Vereinigung anzugehören. In der Schweiz seien keine weiteren derartigen Straftaten bekannt, sagt Galli.

Aufwendiger Punkt: Die Kaution

Dass die Verhafteten nicht gleichzeitig freigelassen wurden, hänge vor allem mit der Kaution zusammen. «Es hat unterschiedlich lange gedauert, bis ein Kautionsbetrag ausgehandelt und dieser dann auch einbezahlt war», erklärt Galli. Die Kaution wurde nach den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen festgelegt. Das sei zwar kein schwieriger, aber doch ein aufwendiger Punkt gewesen. Über die Höhe der Kaution macht das Bundesamt für Justiz keine Angaben.

Monate bis ein halbes Jahr

Da die Verdächtigen mit ihrer Auslieferung nach Italien nicht einverstanden sind, muss das Bundesamt für Justiz über die Auslieferung entscheiden. Wenn sie sich weiter widersetzen, werde es ein paar Monate dauern, bis ein Entscheid gefällt ist. Falls die Männer sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen – das heisst den Entscheid weiter ans Bundesstrafgericht ziehen, eventuell sogar ans Bundesgericht – wird sich die Sache noch länger hinziehen. Galli sagt: «Erfahrungsgemäss dauert das Ganze in einem solchen Fall mindestens ein halbes Jahr.» Die Betroffenen könnten aber jederzeit in ein vereinfachtes Verfahren einwilligen. Dann würden sie umgehend den italienischen Behörden übergeben. (san)