FRAUENFELD: Mäuse, Hähne, Schmetterlinge

Regula Raas aus Dettighofen hat im Alterszentrum Stadtgarten einen Kunstgarten erschaffen, der sich laufend verändert. Im Zentrum stehen Glasmosaiktiere und Pflanzen.

Evi Biedermann
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Eine Grossmutter zeigt ihrem Enkel die Mosaiktiere im Park des Alterszentrums. (Bild: Evi Biedermann)

Eine Grossmutter zeigt ihrem Enkel die Mosaiktiere im Park des Alterszentrums. (Bild: Evi Biedermann)

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Die einen sieht man auf Anhieb, andere rücken zufällig ins Blickfeld. Etwa die drei Käfer, die sich unweit des stolzen Pfaus und des eleganten Schwans am Boden tummeln. Dabei haben eben diese ein besonders schönes Körperkleid aus bunten Glasmosaiksteinen. Aus demselben Material sind auch die anderen Tiere, die im Garten und Innenhof des Alterszentrums Stadtgarten weilen: drollige Mäuse, schimpfende Hähne oder prächtige Schmetterlinge. «Lueg emol, de schöni Summervogel», sagt eine Passantin, die mit Kleinkind und Leiterwagen unterwegs ist und stehen bleibt. Sie nehme oft den Weg durch diesen Garten, erzählt die Seniorin. «Mit und ohne Enkel.» Acht Grosskinder habe sie, erklärt sie lachend. «Und jetzt kann ich ihnen hier sogar noch etwas Neues zeigen.» Der Bub hat schon das nächste Tier im Visier: eine Katze mit spitzen Öhrchen und lustigen Kulleraugen. Kopf und Körper bilden zwei Buchskugeln, Augen, Ohren und Schwanz sind aus Glas­mosaik.

Pflanzen inspirieren zu Tierfiguren

Die Gartentiere sind eine Kombination von bestehenden Pflanzen und künstlerischem Handwerk. «Ich ergänze die Pflanzen mit Kunst», sagt Regula Raas, die Erschafferin der Tiere. Oder umgekehrt: zuerst die Idee zu einem Tier, dann die Suche nach der passenden Pflanze. Zweck und Sinn ihrer Arbeit sieht die Künstlerin aus Dettighofen darin, dem Betrachter ein Schmunzeln zu entlocken. Und zu beobachten, wie sich die Komposition verändert. Das passiert mit Sicherheit, denn Pflanzen wachsen, sind der Witterung ausgesetzt und verändern sich im Lauf der Jahreszeiten. All dies formt oder verformt allmählich das ursprüngliche Werk. Manchmal verändere sich auch die Farbe. «Etwa beim Hahn, dessen Ahornschwanz im Herbst von Grün auf Gelb-Orange wechselt», erklärt Regula Raas, die mit ihren Gartentieren im Alterszentrum Stadtgarten ihre erste externe Ausstellung realisiert. Jahrelang hat sie das für andere gemacht, indem sie im Kantonsspital Frauenfeld anderen Künstlern Ausstellungen ermöglichte. Nun zeigt die gelernte Primarlehrerin, Violinistin und Musikpädagogin ihr eigenes ­gestalterische Talent. Ihre Gartentiere symbolisieren zudem menschliche Verhaltensweisen, Charaktere und Attribute: Der Pfau spiegelt Imponiergehabe, die Schnecken mit ihren zueinander gestreckten Fühlern die Kommunikation.

Ein Schmetterling darf bleiben, wo es ist

Demnächst erhält jedes Tier eine kleine Tafel mit dem Aufdruck der Symbolik, die es verkörpert. Zu sehen sind die Kunstwerke auch noch im nächsten Jahr, danach zieht die Ausstellung weiter. Allerdings mit einem Tier weniger, denn einer der Schmetterlinge hat vom Alterszentrum eine definitive Bleibe erhalten, wie Bernhard Grill verrät. «Die Tiere kommen gut an, ich habe sehr schöne Rückmeldungen erhalten», sagt der stellvertretende Geschäftsleiter. Nicht nur von Bewohnern und Besuchern, sondern auch von Passanten und ­regelmässigen Gästen wie etwa den Kindern der seit Frühjahr ­benachbarten Kita Bärenhöhle. «Die Kinder haben die neuen Parkbewohner schnell bemerkt und freuen sich an ihnen.» Möglicherweise dauert die kindliche Freude gar länger als die Ausstellungszeit, denn gemäss Grill können die Gartentiere gesponsert werden. Auch sind sie bei der Künstlerin käuflich.

Die Mosaiktiere bleiben bis im kommenden März im Park des Stadtgartens.