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FRAUENFELD: Leuchtende Augen in der Finsternis

Insgesamt 45 Vogelfreunde machten sich während einer Nachtwanderung auf die Suche nach jagenden und balzenden Eulen. Höhepunkt für die Teilnehmer war der kurze Anblick einer Schleiereule.
Christine Luley
Der Vollmond über dem Unterthurgau. (Bild: Sandra Schweizer/PD)

Der Vollmond über dem Unterthurgau. (Bild: Sandra Schweizer/PD)

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Samstagabend gegen 19 Uhr auf dem Parkplatz der Kartause Ittingen. Verhaltenes Händeschütteln, man muss erst schauen, wen man vor sich hat. Es ist bereits dunkel und die Herumstehenden sind in Mützen, Schals und dicke Jacken gehüllt.

45 Personen hören den Ausführungen eines gross gewachsenen jungen Mannes zu. Der Natur- und Vogelschutzverein Frauenfeld (NVV) hat zu einem Vollmondspaziergang durch den Kartäuserwald eingeladen. Der Weg führt an der Ochsenstall-Bar vorbei. Aber es bleibt keine Zeit für ein Bier oder ein Glas Père Chartreux.

Eine Vogelexkursion bei null Grad und Mondschein

Die Wandergruppe folgt Christian Beerli Richtung Gutshof. Der 33-jährige Elektroingenieur ist in Warth aufgewachsen, engagiert sich im Vorstand des NVV und ist für die Vogelwarte aktiv. Der Himmel ist leicht bewölkt, die Temperatur beträgt null Grad. Vollmond war vor drei Tagen, der Mondaufgang ist um 22.48 Uhr vorgesehen.

Meist finden Vogelexkursionen am frühen Morgen und in wärmeren Jahreszeiten statt. Christian Beerli stellt Balzrufe einheimischer Eulen in Aussicht, denn die beginnen früher als andere Vogelarten bereits im März mit der Brut. In der Nähe der Stallungen bleibt die Schar stehen. Beerli leuchtet mit seiner Taschenlampe auf das Dach. «Seht ihr die leuchtenden Augenpunkte», fragt er leise. Ein weisses, wegfliegendes Flügelpaar ist zu sehen und ein heiseres Kreischen ertönt. Alle sind beeindruckt. Schleiereulen sind nur selten zu sehen. Dazu braucht es etwas Glück, denn die Vögel werden erst in der Dämmerung aktiv. Eine Karte mit dem Bild einer Schleiereule macht die Runde. Charakteristisch ist das herzförmige, weisse Gesicht, das auch als Schleier bezeichnet wird und das hellbraune Gefieder.

Beerli reicht ein Schächteli mit Gewölle herum, unverdauliche Reste erbeuteter Tiere, Knochen und Fell von Mäusen. Er hat sie unter den Bruthilfen der Schleiereulen gefunden. Die Zuhörer erfahren mehr über diese selten gewordenen Vögel. Wie sie mit ihren scharfen Augen und Ohren lautlos auf die Jagd nach Mäusen gehen. Aber auch, dass die Schleiereule auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten der Schweiz steht. Paul Engeler, der beim Monitoring der Turmfalken und Schleiereulen im Kanton Thurgau mitarbeitet, sagt: «Im vergangenen Jahr hatte es im Thurgau 13 Brutpaare.»

Balzrufe ertönen aus dem Handy des Ornithologen

Es gibt Leute, die bei Vollmond schlechter schlafen. «Wie ist das nun mit den Tieren», will eine Frau wissen, «beeinflusst der Mondzyklus das Verhalten der nachtaktiven Vögel?» Sie erfährt, dass deren vermehrte Aktivität bei Vollmond nicht wissenschaftlich belegt ist. Vielleicht sei es eher so, dass die Menschen das nächtliche Umfeld bewusster wahrnähmen. In der Dunkelheit, wenn das Auge kaum mehr Umrisse erkennt, werden die anderen Sinnesorgane geschärft. Beim Köhlerplatz steigt noch der Geruch des Meilers in die Nase. Am Waldrand lauscht die Gruppe dem Lockruf des Waldkauzes. Schaurig ertönen die heulenden Balzrufe des Männchens und die gellende Antwort des Weibchens aus dem Handy des Ornithologen. Die Vögel fühlen sich von der technischen Wiedergabe aber nicht inspiriert.

Die Ruhe der dunklen Jahreszeit hat etwas für sich. Es ist fast finster, die Bäume stehen dicht. Es herrscht Stille. Beim Lauschen in die Nacht hinein kommt eine mystische Stimmung auf. Bis das Dröhnen eines grossen blechernen Vogels auf dem Weg zum Flughafen Zürich den magischen Moment zerreisst.

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