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FRAUENFELD: Landlust auch im Thurgau

Die Thurgauer Landfrauen spüren den Trend zu Einfachem und Bodenständigem. Ihre Kurse sind sehr gut besucht. Dass immer mehr Menschen natürlich leben wollen, bestätigt auch ein Biogärtner aus Erlen. Er wird vermehrt beauftragt, Rasen in Gemüsebeete zu verwandeln.
Inge Staub
Biogärtnerin Madlen Neubauer (rechts) berät in ihrer Gärtnerei in Erlen zwei Kunden, die Freude daran haben, Kräuter selbst anzupflanzen. (Bild: Reto Martin)

Biogärtnerin Madlen Neubauer (rechts) berät in ihrer Gärtnerei in Erlen zwei Kunden, die Freude daran haben, Kräuter selbst anzupflanzen. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Sie hobeln Kraut, backen Brot, dekorieren ihre Wohnung im Landhausstil. Sie ziehen auf dem Fenstersims Kräuter oder nähen Tischläufer, in Farben, die zur Jahreszeit passen. Selber machen verbunden mit Landleben ist in. Die Renaissance des Landlebens, die Zeitschriften wie «Landliebe» oder «Landlust» lancierten, ist auch im Thurgau sichtbar. Obwohl der Thurgau ein ländlicher Kanton ist, macht sich auch hier eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit bemerkbar.

Kurse gut besucht

Diese Sehnsucht zeigt sich darin, dass Kreativ- und Gartenkurse boomen. Zum Beispiel jene der Thurgauer Landfrauen. «Wir spüren den Trend hin zum Natürlichen, Einfachen und Bodenständigen», sagt Landfrauen-Präsidentin Regula Böhi-Zbinden. Neben dem regen Interesse an den Kursen der Landfrauen-Vereine registriert Regula Böhi-Zbinden, dass Konsumenten vermehrt daran interessiert sind, Produkte wie Eier, Käse oder Fleisch direkt beim Bauern zu kaufen. «Wir erhalten viele Anfragen mit der Bitte, Adressen von Direktvermarktern zu vermitteln.»

Regula Böhi-Zbinden Präsidentin Landfrauen Thurgau (Bild: Nana do Carmo)

Regula Böhi-Zbinden Präsidentin Landfrauen Thurgau (Bild: Nana do Carmo)

Regula Böhi-Zbinden erklärt diese Nachfrage damit, dass in der Bevölkerung die Verbundenheit mit der Natur zunehme. «Viele besinnen sich auf ihre Wurzeln zurück.» Die Landfrau kann verstehen, dass sich immer mehr Menschen vom Natürlichen und Bodenständigen angezogen fühlen. «Die meisten finden darin Ausgleich zum hektischen Job und der komplizierten IT-Welt.»

Der Anteil der Bäuerinnen bei den Landfrauen ist, wie die Präsidentin sagt, rückläufig. Den 56 Thurgauer Vereinen gehören Frauen an, die auf dem Land leben und dies schätzen. «Ich bin eine typische Landfrau», sagt Regula Böhi-Zbinden. «Ich lebe in einem kleinen Dorf, beziehe meine Produkte im Hofladen und Pflege den Kontakt zur ländlichen Bevölkerung.» Die 42-Jährige baut in ihrem Garten in Friltschen auch selbst Gemüse an. Die Landwirtschaft kennt sie aus eigener Erfahrung. Der elterliche Hof existiert nicht mehr.

Natur erleben, im eigenen Garten arbeiten, entschleunigen: Auch Markus Neubauer von der Biogärtnerei Neubauer in Erlen bestätigt, dass mehr Menschen natürlich leben wollen. «Wir stellen fest, dass der Wunsch, wieder selbst zu gärtnern zunimmt.» Habe er früher oftmals Gemüsebeete einsäen müssen, so sei jetzt das Gegenteil der Fall. «Wir werden vermehrt beauftragt, Rasen aufzubrechen und Beete anzulegen.» Gefragt sind bei seiner Kundschaft auch Hochbeete und Kräuterrasen.

Der Sinn fürs Natürliche zeigt sich auch in anderen Bereichen: Weil immer mehr Männer und Frauen wieder selbst backen und ursprüngliche Getreidesorten schätzen, baut Landwirtin Simona Frei oberhalb von Steckborn Urdinkel an. Zum Krauthobeln der Landi Bischofszell kommen 200 Personen. Lisa Galli aus Matzingen gefällt es, kreativ mit Rohstoffen zu arbeiten. Sie stellt handgemachte Naturseifen, «Mona Lisa Soaps», her.

Rekordumsatz in Steckborn

Auch der Nähmaschinenhersteller Bernina spürt den anhaltenden Do-it-yourself-Faible, bei dem Kreativität verbunden wird mit einem nachhaltigen Lebensstil. «Der Trend zum Selbernähen hat sich in den letzten Jahren verstärkt», sagt Mediensprecher Matthias Fluri. Das Bernina Creative Center in Steckborn, das Näh-, Stick- und Patchwork-Kurse anbietet, erzielte letztes Jahr einen Rekordumsatz.

Das zunehmende Interesse am Nähen stellt Bernina auch in der wachsenden Anzahl von Zugriffen auf die Online-Nähanleitungen fest. «Über unseren deutschsprachigen Blog erreichen wir knapp 200 000 Personen im Monat», sagt Matthias Fluri. Wer selber nähe, habe volle Kontrolle über die Produktionsbedingungen und setze ein Zeichen gegen die teilweise undurchsichtigen Praktiken grosser Modeketten.

Idylle wieder attraktiv

Der Soziologe Felix Keller von der HSG St. Gallen erklärt den Trend zur Landliebe mit «unserer durchwegs urbanisierten Gesellschaft». Angesichts dessen würden Bilder von klarer Unterscheidung wie das idyllische autonome Landleben, das hippe Leben in der Stadt, wieder an Attraktivität gewinnen.

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