FRAUENFELD: Kunst kommt nicht vom Klettern

Nach zehn Tagen Schwitzen durften die sechs Teilnehmer der Frauenfelder Bildhauer-Woche gestern im Murg-Auen-Park mit vielen Gästen die Vernissage feiern. Die Werke sind noch bis Ende Oktober ausgestellt.

Stefan Hilzinger
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Vernissage-Gäste schauen sich im Murg-Auen-Park die fertigen Kunstwerke der Bildhauer-Woche an. (Bild: Reto Martin)

Vernissage-Gäste schauen sich im Murg-Auen-Park die fertigen Kunstwerke der Bildhauer-Woche an. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. «Hesch no Platz im Garte?» Diese Frage war gestern oft zu hören an der Vernissage der Frauenfelder Bildhauer-Woche. Der Anlass fand seit 2012 nun zum drittenmal statt, zum erstenmal im Murg-Auen-Park. Die neue Location hat nicht nur die sechs Künstler überzeugt, die seit zehn Tagen an ihren Werken arbeiteten, sondern auch das zahlreiche Publikum an der Vernissage und die mehr als tausend Besucher und Zaungäste, die den Bildhauerinnen und Bildhauern seit dem 22. August beim Schaffen zusahen.

Nun sind die fertigen Werke von Adrian Küenzi, Werner Neuhaus, Brigitte Schneider, Susann Kopp, Markus Graf und Gabriel Mazenauer bis zum 31. Oktober im Park ausgestellt. Stadtpräsident Anders Stokholm zeigte sich glücklich, dass die Kunst in der Stadt ihren Platz hat.

Sich bewegen lassen

«Ohne Kunst sind wir keine Menschen», sagte der Stadtpräsident. Dank der Kunst kletterten wir nicht mehr auf Bäumen herum, sondern seien heruntergestiegen, um auf zwei Beinen zu gehen. Die Künstler formten ihre Werke aus der Natur, aus Holz, Stein und Eisen. Kunst schaffe uns Menschen ein Gegenüber und versetze uns in Bewegung. Wie das auch bei Musik geschieht, konnten die Vernissage-Gäste beim einleitenden Spiel des Frauenfelder Stadtorchesters beobachten, als ein Mädchen unbeschwert zu tanzen anfing.

Die Ziele der städtischen Kulturpolitik seien es einerseits, Initiativen von Kunstschaffenden zu fördern ohne zu zensieren und andererseits keine elitären Insiderveranstaltungen durchzuführen, führte der städtische Kulturchef Christof Stillhard aus. «Beides ist uns hier gelungen», lautet sein Fazit.

Das Nashorn in der Wiese

Während dann die einen sich beim Buffet mit Weisswein und Brötchen versorgten, sahen die anderen Vernissagegäste unter der noch heissen Abendsonne die Werke genauer an. Sie stellten dann etwa fest, dass schon irgend ein «Rhinozeros» über das auf der Wiese liegende Nashorn-Relief von Susann Kopp marschiert ist. Sie fragten sich aber auch, wie viele Millimeter dick denn nun die Eisenplatten sind, die Markus Graf zu seiner fünfteiligen Plastik «Gezeiten» verbogen und zusammengeschweisst hat, und sie werweissten, wie lange die weiss getünchten, hölzernen Himmelsschiffe von Adrian Küenzi der Witterung standhalten werden. Es war dann auch die Erkenntnis zu vernehmen, dass es nicht nur genügend Platz im Garten braucht, um eines der Werke bei sich zu Hause aufzustellen, sondern mit Vorteil auch das Einverständnis des Partners und genügend Spielraum im Familienbudget.

Nebst den sechs Werken der Teilnehmer der Bildhauer-Woche sind bis Ende Oktober die Skulpturen und Plastiken von 15 weiteren Kunstschaffenden ausgestellt.

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