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FRAUENFELD: Konstabler gibt es auch auf dem Land

Jeweils am Bechtelistag lebt die alte Ordnung auf, wie sie bis zur Eingemeindung im Jahr 1919 bestanden hat. Während das Rathaus vor lauter Stadtkonstablern aus allen Nähten platzt, trifft sich das letzte Dutzend Konstabler aus Herten im «Landhaus».
Stefan Hilzinger
Die Aufnahme aus dem Jahr 1905 zeigt einen Hof des Weilers Herten-Ergeten samt Bewohnern. (Bild: PD/Sammlung Hansulrich Guhl, Frauenfeld)

Die Aufnahme aus dem Jahr 1905 zeigt einen Hof des Weilers Herten-Ergeten samt Bewohnern. (Bild: PD/Sammlung Hansulrich Guhl, Frauenfeld)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Das Buch erschien grad zur rechten Zeit. «Es hat uns angespornt, unsere Tradition wieder vermehrt zu pflegen», sagt Hansruedi Baumer. Der Landwirt aus Unterherten ist seit 2013 Präsident der Konstablergesellschaft Herten. Mit dem Buch ist Angelus Hux’ Publikation «Die Bürgergemeinde Frauenfeld» aus dem Jahr 2015 gemeint, welche die Geschichte und Geschicke der fünf Bürgergesellschaften beschreibt, die jeweils am Frauenfelder Bechtelistag kurz ins Licht der Öffentlichkeit treten.

Relikte der patriarchalischen Ordnung

Die Bürgergesellschaften sind Relikte aus vergangener Zeit, als die alteingesessenen Bürger noch mehr Rechte hatten als die zugezogenen Hintersassen. In Frauenfeld gibt es diese letzten Horte der patriarchalischen Ordnung nicht nur in der Altstadt oder im Lang- und im Kurzdorf, sondern auch in den Aussenwachten Herten und Huben. In Huben sind es noch sieben Altbürger (siehe Kasten), in Herten immerhin gut ein Dutzend. Sie heissen Meier, Baumer, Wegmann, Wellauer, Gubler oder Vetterli und gehören meist dem Bauernstand an. «Wir Hertemer Konstabler treffen uns nach der Versammlung der Frauenfelder Bürgergemeinde jeweils im ‹Landhaus› zur Jahresversammlung», sagt Baumer. Das Bürgermahl mit Salzisse, Brot und zwei halben Iselisberger findet daselbst am Abend statt. Die Hertemer geniessen die gleiche Salzisse wie die Langdörfler. «Diese bestimmen ihre Bürgerwurst jedes Jahr mit einer Blinddegustation. Wir verlassen uns auf sie», sagt Baumer. Wie die anderen Bürgergesellschaften laden auch die Konstabler aus Herten regelmässig Gäste ein. Stadtförster Robert Zahnd ist Stammgast, zum Kreis gehörten etwa auch Tierarzt Walter Fürer oder der mittlerweile pensionierte Quartier-Pöstler Hermann Bigler.

Zuerst Einfluss, dann Selbstständigkeit verloren

Zwei grosse Brüche gab es in der Geschichte Hertens. 1871 ging die politische Gewalt von der Bürger- auf die Einwohnergemeinde über. Einzige Ausnahme blieben die Einbürgerungen. Bauernschlau machten die Hertemer daraus ein Geschäft und alimentierten mit Einbürgerungsgebühren von Auswärtigen ihre Kasse. Eigenes Bürgergut wie Wald oder Land besassen die Hertemer nur wenig. Der zweite Bruch war die Eingemeindung von Mitte 1919. Vor bald hundert Jahren gingen die Bürger- und Ortsgemeinden in der Bürger- respektive der Einwohnergemeinde Frauenfeld auf. Geblieben sind die Konstablergesellschaften.

Hinweis

Weitere Hintergründe zu den Frauenfelder Konstabler- und Bürgergesellschaften gibt es im Buch «Die Bürgergemeinde Frauenfeld» von Angelus Hux (2015). Erhältlich bei der Bürgergemeinde Frauenfeld. Infos unter www.buergergemeinde-frauenfeld.ch

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