FRAUENFELD: Kino verschwindet, Mosaik bleibt

Das einstige Cinema Scala an der Grabenstrasse wird dieser Tage abgerissen. Doch der Wandschmuck des Künstlers Werner Eberli aus den 1950er-Jahren entkommt dem Abbruchhammer.

Stefan Hilzinger
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Maurer Filipe Rodrigues und Restaurator Rolf Zurfluh besprechen die fachgerechte Demontage des Mosaiks am einstigen Cinema Scala. (Bild: Andrea Stalder)

Maurer Filipe Rodrigues und Restaurator Rolf Zurfluh besprechen die fachgerechte Demontage des Mosaiks am einstigen Cinema Scala. (Bild: Andrea Stalder)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Vorsichtig führt Maurer Felipe Rodrigues den Winkelschleifer dem Mosaik entlang. Das Kunstwerk an der schmalen Seite des ehemaligen Cinema Scala soll bloss nicht beschädigt werden. Restaurator Rolf Zurfluh aus Helsighausen nickt zufrieden. Der Handwerker tastet sich vorsichtig ans Werk des Gottlieber Künstlers Werner Eberli (1930–2013) heran. Das Mosaik besteht aus fünf Teilen. Der Künstler hatte die Motive aus farbigen Keramikstücken auf vorgefertigte Zementplatten angebracht. Anschliessend wurden die Platten an der Fassade zusammengefügt.

Restaurator Zurfluh hatte vor der Demontage am Donnerstagmorgen Sondierschlitze in den Putz gehauen und mit einem Endoskop quasi in die Wand hineingeblickt. «Ich stellte fest, dass die Platten mit etwas Abstand zur Wand montiert wurden.» Das Knifflige werde es sein, allfällige Befestigungen zu lösen, ohne die Mosaikplatten zu beschädigen. Doch es zeigte sich, dass die Platten gar nicht besonders verankert waren. So konnten die Arbeiter das Mosaik wohlbehalten abnehmen. Es ist nun bei einer Bau­firma zwischengelagert, denn es soll am Neubau an gleicher Stelle wieder angebracht werden. Das hat Bauherr Josef Räschle nach Intervention der Denkmalpflege veranlasst.

In zwei Jahren soll der Neubau stehen

Die Abbrucharbeiten für die Erweiterung des Einkaufszentrums Passage sind seit einiger Zeit im Gange. Die Grabenstrasse ist für den Autoverkehr gesperrt. Die einstige Liegenschaft Hefti ist bereits abgerissen, nun ist der Kinobau an der Reihe – wobei hier schon seit mehr als 25 Jahren ­keine Filme mehr liefen. Letzter Nutzer war die Frauenfelder Pfingstgemeinde, die im August 2014 auszog. Nun entsteht an der Stelle ein Geschäftshaus mit Büros und Läden. Die schwedische Kleiderkette Hennes & Mauritz eröffnete eine Filiale, und wo die Kinoräumlichkeiten waren, bezieht die Berufs- und Studien­beratung des Kantons Thurgau neue Büros. Das dürfte in rund zwei Jahren der Fall sein.

Vorerst Carl Roesch als Urheber vermutet

Die Motive des Mosaiks weisen auf die ursprüngliche Nutzung des Baus als Kino- und Veranstaltungsraum hin. Ein stilisierter Filmstreifen schlängelt sich um eine Filmcrew, eine Gruppe Turner und um ein tanzendes Paar. Die Tatsache, dass das Mosaik nun erhalten bleibt, ist auch dem früheren Thurgauer Denkmalpfleger Jürg Ganz zu verdanken. Er hatte vermutet, das Werk könnte gar vom bekannten Diessenhofer Künstler Carl Roesch (1884–1979) stammen. Maler ­Roesch ist auch für seine Mosaike bekannt. Doch dann erwies sich das Mosaik als ein Werk ­Erberlis, der viel Kunst am Bau geschaffen hatte.

Nun bleibt ein Zeugnis der Frauenfelder Kinokultur erhalten. Als letztes der drei traditionellen Lichtspielhäuser ist nur noch das Schlosskino in Betrieb (siehe unten). Das allererste Frauenfelder Kino allerdings war in der Vorstadt, weiss der Frauenfelder Lokalhistoriker Angelus Hux. Dort, wo später die Papeterie Brand war, ratterten schon zu Stummfilmzeiten vor hundert Jahren die Projektoren.