FRAUENFELD: Keine Woche wie jede andere

Der Sportkommentator Dani Kern sitzt seit 18 Jahren hinter dem SRF-Mikrofon. In seiner ereignisreichen Karriere jagt ein Highlight das nächste.

Florian Beer
Merken
Drucken
Teilen
Der SRF-Sportkommentator Dani Kern ist seiner Heimatstadt Frauenfeld treu geblieben. (Bild: Reto Martin)

Der SRF-Sportkommentator Dani Kern ist seiner Heimatstadt Frauenfeld treu geblieben. (Bild: Reto Martin)

Florian Beer

florian.beer@thurgauerzeitung.ch

«Ich möchte einmal Journalist werden.» Vor 33 Jahren informierte sich der 15-jährige Sekschüler Daniel Kern über Zeitungsberufe bei der Thurgauer Zeitung, wie wir damals in einem kleinen Artikel berichtet hatten. Besonders imponiert habe Kern dabei der Telexraum, in dem damals Nachrichten und Bilder aus aller Welt eintrafen. «An Talent scheint es Daniel Kern kaum zu fehlen», hiess es im Bericht weiter. Die ehemaligen Verantwortlichen der TZ hatten seine Begabung für den Journalismus richtig erkannt, denn aus dem ehrzeigen Frauenfelder ist ein schweizweit bekannter Sportkommentator geworden, der seit über einem Jahrzehnt an den wichtigsten Sportereignissen der Welt dabei ist und für die Zuschauer das Geschehen kommentiert.

Dani Kern ist Frauenfelder durch und durch. In der Kantonshauptstadt geboren, schloss er hier die Sek ab und lernte beim FC Frauenfeld ab den F-Junioren das Fussballspielen. «Mein erstes Geld habe ich mir mit dem Austragen der Thurgauer Zeitung verdient», sagt Kern. Heute lebt er mit einer Familie in Gerlikon, also auf Frauenfelder Gemeindegebiet, spielt beim FC Frauenfeld in der Seniorenmannschaft als Rechtsverteidiger und Hockey bei den Womenfield-Flyers. «Mein Lebensmittelpunkt ist noch immer der Thurgau.»

Nach abgeschlossener KV-Lehre geleistetem Militärdienst arbeitete er ein Jahr lang als Sachbearbeiter bei der Invalidenversicherung, bevor er mit 24 Jahren bei Radio Thurgau seine ersten journalistischen Schritte machte. «Ich habe mich ohne grosse Hoffnungen dort beworben und wurde genommen», sagt Kern.

Danach wechselte er zu Radio Wil, arbeitete dort als stellvertretender Chefredaktor und ging dann zum frisch gegründeten Radio Top als Sportchef. In dieser Zeit sei bei ihm immer mehr der Wunsch aufgekommen, in Richtung Fernsehen zu gehen. «Also habe ich mich mehrfach beim SRF beworben und wurde im Sommer 1999 nach einer Art Casting beim Schweizer Fernsehen schliesslich als Redaktor angestellt.»

Aus einer 20-Prozent-Stelle wurde eine 80-Prozent-Anstellung bis er nach einigen Monaten zu 100 Prozent arbeiten konnte. «Zuerst habe ich Nachrichten redigiert, bevor ich kleinere Beiträge und dann Zusammenfassungen von Fussballspielen machen durfte», erinnert sich Kern. Im Jahr 2005 kam dann die Anfrage, ob er Fussball kommentieren möchte. FC Liverpool gegen den FC Chelsea war seine erste Live-Partie. «Das Spiel ging zwar nur 0:0 aus, es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis.» Er habe vor dem Spiel nächtelang vor lauter Aufregung nicht schlafen können. «Mittlerweile klappt das mit dem Schlafen aber ganz gut», sagt Kern lachend.

Das Kommentieren sei schon immer das Ziel von ihm gewesen. Er sei viel lieber im stimmungsvollen Stadion anstatt im Studio. «Als Kommentator kann ich relativ unbekannt durchs Leben gehen. Das ist sehr angenehm.» Das Schöne an seinem Beruf sei, dass keine Woche wie die andere sei. Meistens sei allerdings Fussball angesagt, beispielsweise die Champions- oder die Europa League. Am Wochenende ist die Super League an der Reihe sowie manchmal die Auftritte der Schweizer Nati.

Im Winter kommentiert Kern Skirennen. «Es kann aber sein, dass mir der Produzent den Auftrag gibt, in St. Moritz einen Beitrag über einen Mountainbiker zu machen.» Für gewöhnlich sei der Donnerstag sein freier Tag, am Wochenende arbeite er fast durchwegs immer.

Den grössten Spass bereite ihm das Kommentieren von Fussballspielen aufgrund seiner Leidenschaft für den Ballsport. «Ich spiele Fussball seit ich laufen kann und interessiere mich sehr dafür.»

«Emotionen vom 13. Mai sind bisher unerreicht»

Ein einziges Highlight kann er in seiner ereignisreichen Karriere schwer finden. Im Jahr 2000 durfte er an die Europameisterschaft in Holland und Belgien als Journalist reisen, 2004 arbeitete er an der EM in Portugal als Interviewer, bevor er ab 2006 an jeder EM sowie WM als Kommentator im Einsatz war. Dazu kommen seit 2001 alle Weltmeisterschaften im Skifahren, die Olympischen Winterspiele in den Jahren 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin, 2010 in Vancouver sowie 2014 in Sotschi und viele internationale Topspiele.

Am 3. Juni wird Kern den Final der Champions League in Cardiff zwischen Juventus Turin und Real Madrid kommentieren. An ein Erlebnis kann er sich aber noch sehr gut erinnern. «Als der FC Zürich am 13. Mai 2006 in Basel dem FCB in der letzten Minute den sicher geglaubten Meistertitel wegschnappte, habe ich Emotionen erlebt, die bis jetzt unerreicht sind.»

Ob man auch in Zukunft weitere solcher Emotionen bei SRF sehen wird, weiss Dani Kern nicht genau. «Wir berichten momentan regelmässig über rund 100 Sportarten – und das ohne Zusatzkosten fürs Publikum. Wie lange SRF und die SRG dieses Angebot noch aufrechterhalten können, ist offen.» Neben der politischen Diskussion habe auch die neue Situation im TV-Markt einen Einfluss. «Es gibt neue TV-Anbieter, die verfügen über mehr Mittel als die SRG, um TV-Rechte zu kaufen.» Verlierer ist das Publikum, das wohl für einzelne Sportarten zusätzlich bezahlen muss. «Es bleibt auf jeden Fall spannend.»