FRAUENFELD: Jeder Zweite unterschrieb

53 von 114 Synodalen der Evangelischen Landeskirche Thurgau haben einen Brief an den unerwünschten schwulen Pfarrer unterzeichnet.

Michèle Vaterlaus
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Bei plötzlichem Anstieg von Asylgesuchen müssen in Zivilschutzanlagen Unterkünfte bereitgestellt werden. (Bild: Urs Bucher)

Bei plötzlichem Anstieg von Asylgesuchen müssen in Zivilschutzanlagen Unterkünfte bereitgestellt werden. (Bild: Urs Bucher)

FRAUENFELD. Der ehemalige Spitalpfarrer und Synodale Peter Kuster hat einen Entschuldigungsbrief verfasst, den er an den schwulen Pfarrer, der wegen seiner Homosexualität als Pfarrer in der Gemeinde Bichelsee unerwünscht war, schicken wird. Den Brief hat er am Montag, nachdem das evangelische Kirchenparlament getagt hatte, aufgelegt. Alle, die wollten, konnten unterschreiben. «Ich habe 53 Unterschriften gezählt», sagt Peter Kuster. 114 Mitglieder des Kirchenparlaments haben an der Synode teilgenommen. Knapp die Hälfte hat also unterschrieben.

Kuster ist zufrieden

«Ich bin zufrieden mit der Anzahl Unterschriften», sagte Kuster gestern auf Anfrage. Einige hätten den Brief auch mitgenommen. «Vielleicht verfassen sie selber noch etwas oder schicken ihn selbst.» Im Brief steht: «Es tut uns leid, dass Sie im Zusammenhang mit Ihrer Wahl in Bichelsee und Dussnang in einer für uns nicht akzeptablen Weise verletzt worden sind.» Und: «Wir distanzieren uns von jeder selbstherrlichen und aus unserer Sicht missbräuchlichen Bibelauslegung.»

In Bichelsee kam es im Frühling zum Eclat bei der Wahl eines neuen Pfarrers. Der Kandidat war ein homosexueller Pfarrer. Daran störten sich einige Kirchbürger. Im Vorfeld der Versammlung kursierten anonyme Mails, in welchen Paulus' Römerbrief zitiert wurde. Demnach hätten Männer, die mit Männern «Schande trieben», nach Gottes Recht den Tod verdient. Kuster ist der Meinung, dass die Bibel missbraucht wurde, um Menschen auszugrenzen. Deshalb reichte er eine Interpellation ein. Darin forderte er den Kirchenrat auf, Stellung zu beziehen. Zudem erhofft er sich eine Diskussion zum «Landeskirchlichen Bibelverständnis im Umgang mit Fundamentalismus und Homosexualität».

Arbeitsgruppe als Ziel

Doch an der Synode selbst, stellte Kuster keinen Antrag, die Interpellation zu diskutieren. Die Synode sei nicht der richtige Ort dafür, begründete er. Konstruktiver sei, die Themen in einer Arbeitsgruppe zu behandeln. Nun will er eine solche ins Leben rufen. Er klärt ab, was alles nötig ist, damit diese Gruppe parlamentarisch legitimiert ist. «Das kann dauern», sagte er. Denn die nächste Synode der evangelischen Landeskirche findet erst im November 2016 statt.

Peter Kuster Synodale der Evangelischen Landeskirche Thurgau (Bild: Michèle Vaterlaus)

Peter Kuster Synodale der Evangelischen Landeskirche Thurgau (Bild: Michèle Vaterlaus)