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FRAUENFELD: Ingenieur muss in die Lehre

Farhad Ali ist im zweiten Lehrjahr zum Montage-Elektriker. Dass seine Mitschüler viel jünger sind, stört den syrischen Flüchtling nicht, denn er will arbeiten. Sein Chef ist zufrieden mit dem 33-Jährigen.
Larissa Flammer
Lehrling Farhad Ali und sein Chef Stefan Habersaat, Geschäftsführer und Inhaber der Habersaat AG in Frauenfeld. (Bilder: Andrea Stalder)

Lehrling Farhad Ali und sein Chef Stefan Habersaat, Geschäftsführer und Inhaber der Habersaat AG in Frauenfeld. (Bilder: Andrea Stalder)

Farhad Ali ist studierter Elektro-Ingenieur – und doch drückt der 33-Jährige zusammen mit viel jüngeren Lehrlingen die Schulbank. Ali kommt aus Syrien. Dort hat er die Universität abgeschlossen und dort musste er weg. Der Kurde floh vor dem Krieg. Vor fast fünf Jahren kam er in die Schweiz. «Ich wollte hier auf dem gleichen Beruf weiterarbeiten», erzählt er. Die Peregrina-Stiftung, die im Thurgau für die Flüchtlingsbegleitung zuständig ist, musste ihm sagen, dass seine Ausbildung hier nichts zählt. Man hat versucht, den Abschluss anerkennen zu lassen. Es hat nicht geklappt.

Ali ist trotzdem auf gutem Weg, sich beruflich zu integrieren. Bei der Habersaat AG in Frauenfeld macht er eine Lehre als Montage-Elektriker. Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr. Sein Chef, Geschäftsführer Stefan Habersaat, sagt: «Ali ist ein anständiger Typ. Er hilft, wo er kann, und ist schaffig.» Habersaat hofft, dass Ali die Lehre packt. Er sagt auch: «Zusammen mit der Peregrina wird es klappen.»

Der Kontakt mit Leuten von hier half mit der Sprache

Ein Selbstläufer ist die Lehre für Farhad Ali nicht. Als er in die Schweiz kam, musste er Deutsch lernen. «Ich habe drei Kurse besucht: A1, A2 und B1.» In Syrien sprach Ali kurdisch und in der Schule lernte er Arabisch. Er sagt: «Deutsch zu lernen war nicht so schwierig. Ich hatte viel Kontakt mit Leuten von hier.» Auch sein Chef ist überzeugt, dass Ali mehr versteht, als er sich selber zugesteht: «Im Team sprechen alle schweizerdeutsch mit ihm.»

Beim Frauenfelder Familienunternehmen, das auf Elektro, Telecom und Multimedia spezialisiert ist, durfte Ali einen Tag schnuppern und danach ein einjähriges Praktikum mit der Aussicht auf einen Lehrvertrag beginnen. «Wir haben ewig nach einem Betrieb gesucht. Fast ein Jahr», erzählt Ali. Die Firma Habersaat arbeitet das erste Mal mit der Peregrina-Stiftung zusammen. «Das funktioniert reibungslos», sagt Habersaat. Die Stiftung ist Ansprechpartner bei allen Problemen und Fragen. Einmal pro Woche erhält Ali dort Hausaufgabenhilfe. Vor allem im Fach Allgemeinbildung sei die Sprache ein Hindernis. Die arbeitsspezifischen Begriffe kennt Ali. Er sagt: «Die Theorie hatte ich an der Uni. Das praktische Arbeiten ist aber neu.»

Der Chef wünscht sich mehr Hilfe von Kanton und Stadt

Der 33-Jährige ist für die Hilfe der Peregrina sehr dankbar. Die Stiftung hat ihm den Sprachkurs bezahlt und hilft auch finanziell mit der Krankenkasse und der Wohnung. Auch seinem Chef will Ali danken. «Er hat mir eine Chance gegeben.» Genau darum ging es Stefan Habersaat: «Wenn der Wille da ist und es für beide stimmt, ist es wichtig, dass man den Menschen diese Chance gibt.» Der Geschäftsführer muss aber auch sagen, dass er sich von Kanton und Stadt mehr Unterstützung gewünscht hätte: «Man versucht jemanden zu integrieren und dann gibt es so viele Formulare und Kosten.» Das sei eine hohe Hürde. Bis jetzt hat er mit Flüchtlingen immer gute Erfahrungen gemacht und sagt: «Ich würde jederzeit wieder Klienten der Peregrina-Stiftung bei mir schnuppern lassen.»

Ali will jetzt als erstes die Lehre abschliessen. «Vielleicht werde ich, wenn ich Lust habe, mal noch Projektleiter.» Er hat den Vorteil, dass er sich gut anpassen kann. Der Lehrling ist überlegt und ruhig. «Es hilft natürlich sehr, dass er nicht aufbrausend ist», sagt sein Chef. Auf der Baustelle sei die Integration vielleicht nicht so schwierig wie in einem anderen Job. «Ali ist auf jeden Fall von den anderen akzeptiert.»

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