FRAUENFELD: «In mir stecken noch viel zu viel Kraft und Ideen»

Seit 2003 präsidiert Andreas Wirth die Primar- und Sekundarschulgemeinde. Bei einer Wiederwahl stehen ihm noch einige Herausforderungen bevor, auch wegen der Digitalisierung und weil die Stadt so rasch wächst.

Samuel Koch
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Welche Lektüre liegt zurzeit auf Ihrem Nachttisch?

«Die Nähe ist ganz nah» von Uri Weinblatt. Es handelt davon, wie wir Scham und Verletzungen in Beziehungen überwinden und regulieren können. Das ist beim jetzigen Diskurs um Sitzstreiks in Schulen sehr passend. Den Schulen Frauenfeld ist eine gute Wertekultur wichtig.

Sie kandidieren für eine vierte Legislatur. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Schulen Frauenfeld?

Wir sind gut aufgestellt mit motivierten Lehrpersonen, anderen Mitarbeitenden und Behördenmitgliedern. Dieses Zeugnis hat uns auch die kantonale Schulevaluation vom vergangenen Jahr ausgestellt. Zudem sind wir zuletzt auch finanziell gesundet.

Mit dem Baukredit für die Sanierung der Schulanlage Auen und dem Projektierungskredit für die Schulanlage Schollenholz haben die Schulen wichtige Vorlagen durchgebracht.

Das ist richtig, und die beiden deutlichen Zustimmungen sind ein grosser Vertrauensbeweis für unsere Arbeit. Die Bevölkerung sieht die Investitionen als notwendig an, die uns über die nächsten Jahre bis 2020 respektive 2021 noch begleiten werden.

Ende einer weiteren Legislatur 2021 wären Sie 58-jährig. Das ideale Alter, um in Frührente zu gehen?

Definitiv nicht. Mein Beruf macht mir noch viel Spass. Ich kann etwas bewegen, und in mir stecken noch viel zu viel Kraft und Ideen.

Wie würden Sie sich in drei Attributen beschreiben?

Zielstrebig, humorvoll und manchmal ungeduldig.

Was sind weitere Aufgaben, welche auf Sie zukommen?

Die Stadt Frauenfeld wächst und wächst, erst kürzlich wurde die Marke von 25000 Einwohnern übertroffen. Das erfordert eine gute und vorsichtige Schulraumplanung. In den Quartierschulen sind wir teils grossen Schwankungen an Schülern ausgesetzt, was die Planung der Infrastruktur ­erschwert. Mit den Grenzen der Einzugsgebiete der Schulen haben wir aber eine Chance, dieses Problem auszugleichen. Wichtig ist, dass möglichst alle Schüler zu Fuss zur Schule gehen können.

Was sind weitere Ziele?

Das Wichtigste ist die Umsetzung des Lehrplans, worauf wir gut vorbereitet sind. Erst kürzlich sind unsere Lehrpersonen diesbezüglich weitergebildet worden. Die Digitalisierung wird auch die Schulen weiter beschäftigen, weshalb wir unseren Gerätepark mit Tablets und Computern wieder anpassen. Unsere Vision lautet: «Schule als Lern- und Lebensort». So sollen Schüler ihre Hausaufgaben zukünftig vermehrt in der Schule lösen können, selbstverständlich mit einer geeigneten Betreuung. Mit der Sanierung im Schollenholz werden wir dort das nächste Tagesschulangebot eröffnen. Weiter wird die frühkindliche Bildung einen hohen Stellenwert erhalten, und die Kinder sollen dem Unterricht in deutscher Sprache folgen können, wenn sie in den Kindergarten eintreten. In der Oberstufe legen wir ein grosses Augenmerk auf den Berufswahlprozess und die Zusammenarbeit mit Gewerbe und Industrie.

Was müssen die Schulen noch verbessern?

Wir sind stets bestrebt, besser zu werden. Für die Anregungen sind wir stets dankbar. Die Behörde möchte in den kommenden Jahren darum der Kommunikation vermehrt Beachtung schenken. Ein erster Schritt wird mit der Neugestaltung der Homepage gemacht. Der Prozess steht kurz vor dem Abschluss. Damit verbunden möchten wir über schulische Themen und Entscheide transparenter informieren.

Seit 2008 sitzen Sie auch im Grossen Rat. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Schule und Politik?

Ich nenne es keinen Spagat, sondern eine Ergänzung. So kann ich die Interessen der Schulen Frauenfeld, der grössten im Kanton, optimal vertreten. Gerade beim Finanzausgleich ist eine starke Interessenvertretung für Frauenfeld wesentlich. Zuletzt waren Bildungsthemen im Kantonsrat en vogue, da ist es wesentlich, dass Frauenfeld vertreten ist.

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch