FRAUENFELD: Im Thurgau ist der Dichtestress stressfrei

Kulturland muss geschützt werden. Deshalb sollen Dörfer und Städte nicht mehr an ihren Rändern, sondern nach innen wachsen. Diese Verdichtung nach innen bedeutet aber nicht, dass der Thurgau ein Kanton voller Hochhäuser sein wird.

Michèle Vaterlaus
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Andrea Näf-Clasen, Simone Hicks, Kreisplanerin, und Matthias Gredig, Ortsplaner, im Hof der neuen Überbauung in Frauenfeld an der Kesselstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Andrea Näf-Clasen, Simone Hicks, Kreisplanerin, und Matthias Gredig, Ortsplaner, im Hof der neuen Überbauung in Frauenfeld an der Kesselstrasse. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Thurgauer Bevölkerung muss zusammenrücken. Denn im Thurgau wird ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet. Die Gemeinden und der Kanton müssen die Bautätigkeit in geregelte Bahnen lenken, damit nicht noch mehr Kulturland verbaut wird. Das Schlüsselwort heisst «Verdichtung nach innen». Was das bedeutet, erläuterte Andrea Näf-Clasen, Leiterin des Amtes für Raumentwicklung, gestern an einer Medienkonferenz. Diese fand unter anderem draussen statt. Am Beispiel einer Überbauung an der Kesselstrasse in Frauenfeld und einer Reihenhaus-Siedlung in Kefikon wurde gezeigt, wie die Verdichtung nach innen funktioniert.

Dichter bauen ist das Ziel

«Hier, an dieser Stelle wurde «Tabularasa gemacht», sagte Matthias Gredig, Leiter der Ortsplanung beim Kanton. Hier wurden einzelne Häuser abgerissen und eine Überbauung erstellt. Diese umfasst fünf Häuser mit teils bis zu fünf Stockwerken. «Das ist natürlich nicht überall möglich», räumte er ein.

Hochgerechnet wohnen hier pro Hektare 150 bis 155 Personen, im Fachjargon sind das 150 bis 155 Raumnutzer pro Hektare (RN/ha). Diese Dichtezahl ist ein wichtiger Wert im kantonalen Richtplan, den die Regierung letzte Woche vorgestellt hat. Der Richtplan musste an die neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst werden. Das heisst, die Zersiedelung muss gestoppt werden. Dörfer und Städte sollen nicht mehr an ihren Rändern wachsen, sondern sich innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes weiterentwickeln. Das bedeutet auch, dass Baulandreserven besser genutzt werden müssen. Um das zu erreichen, muss die Zahl der RN/ha erhöht werden. «Doch nicht überall sind die hohen Raumnutzerdichten sinnvoll», sagte Andrea Näf-Clasen.

Drei verschiedene Raumtypen

Darum hat der Kanton drei Raumtypen definiert. «Je nach Typ ist die geforderte Dichte eine andere.» Der urbane Raum, der städtisch geprägt ist, fordert 86 RN/ha. Das Saurer-Hochhaus in Arbon beispielsweise weist eine Dichte von 75 RN/ha aus. Der kompakte Siedlungsraum, der überwiegend ländlichen Charakter hat, fordert eine Dichte von 60 RN/ha. Ein Beispiel ist die Diessenhofer Altstadt, die eine Dichte von 125 RN/ha aufweist. Und schliesslich der Raum der Kulturlandschaft, der so typisch ist für den Thurgau: Dieser Raum verlangt 32 RN/ha. Ein Beispiel dafür ist der Weiler Chatzerüti in Hefenhofen, der 29 RN/ha aufweist.

Es funktioniert

«Wichtig ist, dass bei der Verdichtung nach innen nicht nur an die Bauten gedacht wird, sondern vor allem auch Freiräume geschaffen werden», sagte Andrea Näf-Clasen. Diese würden nämlich Lebensqualität schaffen. Das sei beim Beispiel in Frauenfeld gelungen. Zwischen den Häusern wurde nämlich auch Grünfläche geschaffen. Ein weiteres Beispiel zeigte sie in Kefikon: Dort wurde bereits vor 21 Jahren verdichtet gebaut. Es ist eine Siedlung aus Reihenhäusern entstanden. Zwei Reihen stehen v-förmig zueinander. Dadurch ist ein Hof entstanden. «Es gibt vielleicht privat etwas weniger Garten. Aber dafür mehr gemeinschaftliche Fläche», erklärte die Kantonsplanerin. Der Innenhof sei autofrei und natürlich angenehm für Familien mit Kindern. «Die Leute fühlen sich hier offenbar wohl. Das haben sie uns einen Tag vor dieser Medienkonferenz verraten.»