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FRAUENFELD: Im Auftrag des Prager Erzbischofs

Google Translate sei Dank: Holzbildhauer Markus Frei hat für Tschechiens höchsten katholischen Geistlichen einen neuen Bischofsstab gefertigt. Am 19. Mai findet die Weihe der Insignie statt.
Mathias Frei
Holzbildhauer Markus Frei poliert den zukünftigen Bischofsstab. (Bild: Reto Martin)

Holzbildhauer Markus Frei poliert den zukünftigen Bischofsstab. (Bild: Reto Martin)

Mit «Vaše Excelence» müsste Markus Frei den Prager Erzbischof Dominik Jaroslav Kardinal Duka begrüssen – «Eure Exzellenz». So will es das Protokoll. Lange stand nämlich nicht fest, wie der neue Bischofsstab, den Erzbischof Dominik in Auftrag gegeben hatte, bis zum 19. Mai nach Prag kommt. Denn dann wird die Frauenfelder Qualitäts-Holzarbeit aus den Händen von Markus Frei geweiht. «Ich hätte den Bischofsstab schon persönlich überreicht», sagt der Holzbildhauer. Denn mittlerweile kam vom Bistum die Anweisung zum Postversand – und das in einem neutralen Paket. Frei hat den Bischofsstab natürlich nicht in einem ausgemusterten Gewehrkoffer verstaut. Das hätte nur wieder Probleme gegeben – wie anno 1993, als der Bischof aus dem tschechischen Königgrätz einen Frei’schen Stab bekam.

Damals war Bischof Karel Otcenášek der Begünstigte. Der katholische Kirchenrat Thurgau hatte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den Aufbau des Königgrätzer Pastoralzentrums mit Geld- und Materialspenden im Wert von 2,5 Millionen Franken unterstützt. So kam der erste Bischofsstab von Frauenfeld nach Tschechien. Im Jahr 1998 übernahm Dominik Duka die Dözese von Otcenášek – und liess sich ebenfalls ein Amtszeichen aus Freis Atelier an der Mühletobel-
strasse anfertigen. Jener Dominik Duka, der heute Prager Erzbischof ist und Präsident der tschechischen Bischofskonferenz, also höchster Geistlicher des Landes.

Gleich hoch wie die Mitra

Später konnte Frei auch für Bischöfe in Albanien und in Jackson im US-Bundesstaat Mississippi Insignien anfertigen. Der Bischofsstab, den der Prager Erzbischof nun für einen neuen Weihbischof bestellt hat, ist aus Neunforner Nussbaumholz und 2,05 Meter lang. Denn der zukünftige Besitzer des Stabs ist 1,90 Meter gross – und wenn er die Mitra, also die bischöfliche Kopfbedeckung, trägt, muss der Stab eben so hoch sein.

1998 bekam Frei noch keine Vorgaben von Dominik Duka. Diesmal sollte es ein stilisierter Jesus Christus in der Krümmung sein. Diese ist übrigens fünffach verleimt, damit der Stab auch etwas aushält. Der Holzbildhauer erhielt per Mail Bilder aus Prag und arbeitete so zwölf gezeichnete Entwürfe aus. Während die Bischofssekretärin in den E-Mails der deutschen Sprache mächtig war, musste Frei sich der einem Online-Übersetzungsprogramm behelfen, um die tschechischen Notizen auf den Bildern zu verstehen. Nach 40 Arbeitsstunden, davon 30 für die Entwürfe, war das Werk getan. Er gehe jeden Auftrag mit Leidenschaft an, sagt Markus Frei. Aber natürlich sei eine solche sakrale und zugleich persönliche Arbeit eine spezielle Ehre. Deshalb lässt sich Frei auch nicht lumpen: So gibt es zum Bischofsstab noch gratis ein Fläschli Holzöl dazu. «Falls der Bischof nicht zu sehr schwitzt an den Händen, reicht eine Behandlung jährlich.»

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