FRAUENFELD: Hunger auf Gemüsesamen

Das ist Selbstversorgung vom Samen bis auf den Teller: Im Klösterligarten zieht der Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» im Rahmen einer nationalen Studie eigenes Saatgut heran.

Mathias Frei
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Im Klösterligarten: die Freizeitgärtnerinnen und -gärtner vom Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» mit den abgetragenen Rasenrollen. (Bild: Mathias Frei)

Im Klösterligarten: die Freizeitgärtnerinnen und -gärtner vom Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» mit den abgetragenen Rasenrollen. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Dass die Milch nicht aus dem Supermarkt, sondern aus der Kuh kommt, wussten Fiona Käppelis Primarschüler. Dass Rüebli und Salat blühen, war hingegen kaum bekannt. Milch und Rüebli waren der Anfang. Mittlerweile ist der Rasen im Klösterligarten rollenweise abgetragen. Bald wird das Gemüse blühen. Denn der Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (OGiF), bei dem Fiona Käppeli eine treibende Kraft ist, hat das Projekt Sagezu in Angriff genommen. Sagezu heisst so viel wie Samengemeinschaftszucht. Für einmal steht nicht die Ernte im Vordergrund. Vielmehr geht es um das Heranziehen von hochwertigem und eigenständigem Saatgut.

Die Sagezu im Klösterligarten ist Teil einer nationaler Studie des Bundesamts für Landwirtschaft (siehe Kasten). Projektleiter ist die Schweizer Saatgut-Koryphäe Robert Zollinger. Er hat private Verbindungen in den Thurgau und wirkt auch bei OGiF in beratender Funktion mit.

Rasen herausfräsen, Boden umgraben, düngen

Die katholische Kirchgemeinde FrauenfeldPlus hat OGiF zwei Rasenflächen – insgesamt 240 Quadratmeter – für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung gestellt. So haben sich kürzlich urbane Gärtner mit Unterstützung von Asylsuchenden des Solinetzes Frauenfeld im Klösterligarten an die Arbeit gemacht. Mit einer Fräse wurde der Rasen herausgehoben und aufgerollt. Das Rasengut konnten die Freizeitgärtner der Stadtgärtnerei zur Kompostierung bringen. Danach galt es, den Boden maschinell umzugraben. Denn er war ausserordentlich dicht. Zudem musste noch biologisch gedüngt werden.

Nun geht’s an die Aussaat. Fiona Käppeli und Judith Degen, die andere treibende Kraft bei OGiF, arbeiten mit hochwertigen Samen für je drei Sorten Rüebli, Knackerbsen und Physalis (Andenbeeren). Nach dem ersten Jahr wird auf eine Sorte pro Pflanzenart reduziert: auf die stärkste und vitalste. Es werden nur noch die Samen der jeweiligen Art ausgesät. Dann gibt es also noch je eine Sorte Rüebli, Knackerbsen und Physalis. Nach dem zweiten Jahr fokussiert man dann nur noch auf ein einziges Gemüse.

Bei den Physalis und den Knackerbsen ist die Sache mit der Samenauslese einfach. Sie befinden sich in den gelben Früchten respektive in den Erbsenschoten. Bei den Rüebli dagegen befinden sich die Samen in den weissen Blütendolden. Wie Judith Degen erklärt, kann man ein Rüebli zur Kontrolle von Grösse und Vitalität aus der Erde ziehen, um es danach wieder einzugraben. Es wächst nämlich weiter.

Je mehr Pflanzen von einer Art an einem Ort wachsen, desto grösser ist die genetische Vielfalt, die daraus resultiert. «Wir haben jetzt 240 Quadratmeter Fläche, besser wären natürlich 500 Quadratmeter», sagt Degen. Sie hat aber die Hoffnung, dass bis in zwei Jahren mehr Anbaufläche beim OGiF-Gemeinschaftsgarten Pa-Radiesli am Kanalweg zur Verfügung steht. Dann könnte die Sagezu dort weitergeführt werden. Und wer weiss: Vielleicht sei man dann schon auf gutem Weg zur neuen Sorte Frauenfelder Knackerbse, sagt Käppeli.

Mehr Infos auf www.offenesgaertnerninfrauenfeld.com