FRAUENFELD: Hundert noch im Ungewissen

Die geplante Verlagerung der Sia nach Osteuropa und Deutschland verzögert sich. 150 der 250 vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter kennen mittlerweile ihre Zukunft. Bislang gab es 70 Kündigungen.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Pausenraum als Jobcenter: Sia-Personalchefin Anja Grünberg und Hansruedi Neukomm, Präsident der Sia Angestelltenkommission, schauen den Stelleninserate-Aushang durch. (Bild: Donato Caspari)

Pausenraum als Jobcenter: Sia-Personalchefin Anja Grünberg und Hansruedi Neukomm, Präsident der Sia Angestelltenkommission, schauen den Stelleninserate-Aushang durch. (Bild: Donato Caspari)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Da hängt sie an der weissen Stellwand, die Zukunft. In Form von über 50 ausgedruckten Stelleninseraten in der Region Ostschweiz. Von Gartenbau bis zu Betriebsmitarbeiter, von Maschinist über Lagerist bis zu Sicherheitsdienst: Die Bandbreite an Jobangeboten ist gross. RAV-Broschüren liegen auf und der Sozialplan für den im November 2015 beschlossenen Stellenabbau bei der Sia (siehe Kasten). Vor knapp zwei Jahren gab Bosch seine Pläne für die Sia bekannt: Verlagerung nach Osteuropa, Massenentlassung!

Hinter Stellwänden sind fünf Computerarbeitsplätze eingerichtet: um die Bewerbungsunterlagen à jour zu halten oder für die Stellensuche im Internet. Bei Bedarf könne man schnell fünf zusätzliche Arbeitsplätze einrichten, sagt Anja Grünberg. Sie ist Personalchefin des Sia-Standorts Frauenfeld. Das Jobcenter ist vergangenes Jahr in einem Pausenraum der Konfektionshalle eingerichtet worden. Der ganze Bereich der Konfektion, also der Weiterverarbeitung der riesigen Rollen Schleifmittel, kommt weg. Wer hier arbeitet, weiss, was es geschlagen hat. «Dieser Prozess ist schwierig für unsere Mitarbeiter», sagt Anja Grünberg. Neben ihr: Arbeitnehmervertreter Hansruedi Neukomm, Präsident der Sia-Angestelltenkommission.

30 Betroffene entschieden sich für Frühpensionierung

Wie Personalchefin Grünberg sagt, erfolgt die Verlagerung der betroffenen Bereiche gestaffelt. Sie rechnet damit, dass der ganze Prozess bis Mitte 2018 abgeschlossen sein wird. Gegenüber der Pläne von November 2015 eine Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Eine wichtige Massnahme im Sozialplan, der im Sommer 2016 beschlossen wurde, war die lange Kündigungsfrist bis 31. Januar 2017. So haben sich auch die Entlassungen verzögert. «So haben wir mehr Zeit, um jeden betroffenen Mitarbeiter eng zu begleiten.» Erste Kündigungen im grösseren Ausmass wurden vergangenen April ausgesprochen. Mittlerweile mussten 70 Angestellte die Sia verlassen oder haben die Kündigung erhalten. Über 30 Mitarbeiter haben sich frühzeitig pensionieren lassen. Möglich ist das im Rahmen des Sozialplans ab 58 Jahren. Die Sia zahlt eine Übergangsrente, bis die AHV übernimmt. Die effektive Einbusse sei klein, sagt Grünberg. Für weitere zwei Dutzend Mitarbeiter fanden sich intern neue Aufgaben, unter anderem in der neu aufgebauten Muster- und Kleinstkonfektion. Zudem reichten einige Betroffene selber die Kündigung ein. Aktuell sind also noch rund 100 Mitarbeiter im Ungewissen. Wie für sie prozentuale Aufteilung in Kündigung, Frühpensionierung und interner Wechsel aussieht, darüber will Personalchefin Grünberg nicht spekulieren.

Der bisherige Verlauf dieses Prozesses sei «mehr als zufriedenstellend» gewesen, sagt Angestelltenkommissionspräsident Neukomm. Verschiedene Betroffene hätten sich bedankt für die Unterstützung. Wie viel Geld die Sia für die Umsetzung des Sozialplans aufwirft, kann Anja Grünberg nicht sagen. «Die betroffenen Mitarbeiter sollen spüren, dass wir uns um sie kümmern», sagt sie.

Seit Sommer 2016 und bis auf Weiteres tagt die paritätisch besetzte interne Sozialplankommission. Die betroffenen Mitarbeiter können verschiedene Informatikkurse machen oder Gabelstapler-Fahren lernen. Deutschkurse bietet die Sia laut der Personalchefin schon seit vielen Jahren an. Es werden zudem Kurse angeboten, in denen man sich fit machen kann für die Stellensuche, mit Hilfen für die Bewerbungsunterlagen und Testinterviews für das Bewerbungsgespräch. Auch Einzelberatung ist möglich. Zudem wirkt eine externe Stellenvermittlungsfirma mit. All diese Angebote sind gratis. «Das Feedback auf die Kurse ist sehr gut», sagt Hansruedi Neukomm.