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FRAUENFELD: Homo-Segnung ist kaum gefragt

Die Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau muss sich an der kommenden Synode mit dem Thema Homosexualität beschäftigen. Das letzte Mal, als dies notwendig wurde, ging es darum, ob man Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglichen soll oder nicht.
Michèle Vaterlaus
Nur ein gleichgeschlechtliches Paar hat sich bisher in einer evangelischen Kirche im Thurgau segnen lassen. (Bild: fotolia)

Nur ein gleichgeschlechtliches Paar hat sich bisher in einer evangelischen Kirche im Thurgau segnen lassen. (Bild: fotolia)

FRAUENFELD. Die Synode der Evangelischen Landeskirche Thurgau wird sich am 27. Juni mit dem Thema Homosexualität in der Kirche auseinandersetzen. Anlass dafür ist eine Interpellation des Synodalen Peter Kuster. Der ehemalige Spitalpfarrer hat diese eingereicht, weil es in der Kirchgemeinde Bichelsee rund um die Wahl eines schwulen Pfarrers zum Eclat kam (Tagblatt berichtete).

Ein Medienevent

Der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm kritisiert die anonymen E-Mails, die im Vorfeld der Versammlung verschickt wurden. Er findet jedoch gut, dass Homosexualität in der Kirche wieder diskutiert werden soll. "Man wird auch dieses Mal nicht abschliessend bereden können. Das muss man auch nicht. Aber das Thema sollte immer wieder besprochen werden." Stokholm steht dem Thema offen gegenüber. Er war einst als Pfarrer tätig und führte im Jahr 1998 in Stein am Rhein eine medienwirksame Segnung eines schwulen Paares durch. Er würde es wieder tun – auch wenn die Segnung für Aufregung sorgte.

Im Thurgau sind Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren seit Dezember 2014 möglich. Damals ist die neue Kirchenordnung in Kraft getreten. Die Synode diskutierte den entsprechenden Artikel emotional. Die Synodalin Irene Felix fragte, ob eine homosexuelle Partnerschaft gesegnet werden kann. "Steht die Thurgauer Landeskirche dahinter? Oder ist das jeder einzelnen Pfarrperson überlassen?"

Erst eine Segnung

Eine klare Antwort bekam sie nicht. Kirchenratspräsident Wilfried Bührer erklärte, dass der Kirchenrat als Fünfergremium nicht eine Meinung zum Thema Homosexualität oder kirchliche Handlungen an Homosexuellen definiert hat. Er sagte aber, dass er persönlich Mühe hätte, ein schwules Paar zu trauen. Die Synode einigte sich schliesslich darauf, dass es in der neuen Kirchenordnung heissen soll, dass aus "Anlass bedeutender lebensgeschichtlicher Ereignisse" auf Wunsch von Betroffenen gottesdienstliche Handlungen oder Segensfeiern durchgeführt werden können. Diese Formulierung ermöglicht es gleichgeschlechtlichen Paaren, ihre Partnerschaft segnen zu lassen. Oft kommt eine solche Segnung im Thurgau aber nicht vor, wie ein kleine, nicht repräsentative Umfrage in den Kirchgemeinden zeigt.

Seit Dezember 2014 gab es wohl nur eine Segnungsfeier für ein gleichgeschlechtliches Paar – eine Statistik wird darüber nicht geführt. Die Feier fand in Romanshorn statt und wurde von Pfarrerin Martina Brendler durchgeführt. Seither habe sie keine Anfrage mehr bekommen, sagt sie. Samuel Kienast, evangelischer Pfarrer in Frauenfeld, wurde noch nie mit einer Anfrage konfrontiert. "Ich kann aus dem Bauch heraus nicht sagen, ob und wie ich eine solche Segnung durchführen würde", sagt er. "Ich kann den Wunsch nachvollziehen, dass ein Paar die Beziehung segnen lassen will und freue mich grundsätzlich darüber." Das Thema sei aber brisant, weil es in der Kirchgemeinde auch Menschen gebe, die grosse Schwierigkeiten mit Homosexualität hätten. "Ich schätze als Pfarrer die Menschen mit ihren unterschiedlichen Ansichten." Für ihn wäre es daher entscheidend, in welchem Rahmen die Feier stattfinden würde. Eine Feier, die derart öffentliches Interesse weckt, wie jene, die Anders Stokholm 1998 durchführte, käme für ihn nicht in Frage. Gunnar Brendler, evangelischer Pfarrer in Kreuzlingen, wäre zwar offen für eine solche Segnung, aber auch er wurde noch nie angefragt. Er erklärt, dass es zwischen der Segnungsfeier und der Trauung theologisch betrachtet keinen Unterschied gibt. "Beides sind Segnungsfeiern." In der evangelischen Kirche sei eine Hochzeit auch kein Sakrament, wie es die Taufe oder das Abendmahl sind. "Luther sagte bereits, die Hochzeit sei ein "weltlich Ding"."

Homo-Ehe gibt es nicht

Die Trauung von homosexuellen Paaren war an der besagten Synode ebenfalls ein Thema. Ein Antrag verlangte, dass der Ehebund explizit zwischen Mann und Frau geschlossen wird. Der Antrag wurde abgelehnt. Theoretisch dürften gleichgeschlechtliche Paare also vor den Altar treten. Nur verlangt die Kirchenordnung, dass dafür ein zivilrechtlicher Eheschein vorliegt. Nach Zivilrecht ist aber eine homosexuelle Ehe nicht möglich – darum ist die Homo-Ehe kein Thema für die Evangelische Landeskirche.

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