FRAUENFELD: Hörbare Stiche ins Herz

Klangschön und knifflig: So könnte man zusammenfassen, was den Oratorienchor zurzeit beschäftigt. Die Jahreskonzerte, bei denen Werke der Komponisten Puccini und Rutter zu hören sind, gehen diesen und nächsten Sonntag über die Bühne.

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Christian Dillig, Dirigent des Oratorienchors. (Bild: Christof Lampart)

Christian Dillig, Dirigent des Oratorienchors. (Bild: Christof Lampart)

Es ist bereits das achte Konzertprojekt, das Dirigent Christian Dillig mit dem ambitiösen Laienchor einübt. Gerade als er fürs Interview das Café betritt, fängt es heftig an zu regnen, was ihm ein leichtes Stirnrunzeln entlockt: «Wenn ein Tief ist, gehen die Proben oft nicht so leicht vonstatten», erläutert er ernsthaft. Ein Dirigent muss nun mal auch auf das kleinste Detail achten. Und nun setzt auch noch der Regen ein – knapp zwei Stunden vor der nächsten der nur noch wenigen Übungseinheiten, bis es dann an den Sonntagen vom 19. und 26. März, jeweils um 17 Uhr, in der evangelischen Stadtkirche ernst gilt.

Zwar kennt Christian Dillig seinen über 80 Frauen- und Männerstimmen umfassenden Chor nach sieben Jahren Probenarbeit mittlerweile bestens, aber die Stadtkirche macht es mit ihren vertrackten akustischen Bedingungen für die Sängerinnen und Sänger, aber auch für die Instrumentalisten nicht gerade einfach. Hier zum Wohlgefallen aller zu singen und sich dabei noch von Orchester und Orgel begleiten zu lassen, stellt jedes Mal eine Herausforderung dar, doch «wir haben gelernt, damit umzugehen», sagt Christian Dillig.

Zumal der Chor Giacomo Puccinis Jugendwerk «Messa di Gloria» und das «Magnificat» John Rutters wenige Tage vor dem grossen Auftritt schon ziemlich gut draufhat. «Die letzten Proben waren klanglich sehr vielversprechend», ist der Maestro zufrieden. Das Auditorium wird, wenn der Oratorienchor sein Können zur Gänze abruft, zwei Werke zu hören bekommen, die kontrastreich und vom Ausdruck her sehr emotional sind. «Das sind dann wie hörbare Stiche ins Herz», versucht Dirigent Dillig die angestrebte Wirkung des Vortrages beim Publikum in Worte zu fassen.

Die Vertonung des «Magnificat» durch Rutter ist von jubilierender Natur. Publikum und Ausführende werden vom ersten Takt an von der Musik mitgerissen. Vom Grundton her ein fröhliches Stück, ist es jedoch für die Sängerinnen und Sänger keine einfache Aufgabe, denn das Werk ist sehr klang- und rhythmusorientiert. «Hier das Leichte leicht klingen zu lassen, ist das Schwierige», weiss Dillig.

Einiges geläufiger dürfte für viele Puccinis «Messa di Gloria» sein: ein Werk voller Inbrunst, Empathie, Spiritualität und von opernhafter Schönheit. Begleitet wird der Oratorienchor durch die vier Gesangssolistinnen und -solisten Carmela Konrad (Sopran), Anja Powischer (Alt), Dieter Wagner (Tenor) und Niklaus Kost (Bariton) sowie dem Orchester der Camerata Schweiz.

Christof Lampart

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Jahreskonzerte: Sonntag, 19., und Sonntag, 26. März, 17 Uhr, evangelische Stadtkirche.