Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FRAUENFELD: Hochzeit der Bücher

Nur noch knapp zwei Wochen hat die Bibliothek der Kulturen im Quartiertreff Talbach offen. Dann erfolgt der Umzug des Medienbestands und die Integration in die Kantonsbibliothek. Von der Zusammenarbeit erhoffen sich beide Institutionen Vorteile.
Mathias Frei
Die Büchergestell-Landschaft der Bibliothek der Kulturen am noch bis 20. Januar aktuellen Standort im Quartiertreffpunkt Talbach. (Bild: PD)

Die Büchergestell-Landschaft der Bibliothek der Kulturen am noch bis 20. Januar aktuellen Standort im Quartiertreffpunkt Talbach. (Bild: PD)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Auf einen Schlag multikulturell. Bislang waren in der Kantonsbibliothek Medien zu finden in den vier Landessprachen sowie Englisch und Spanisch. Nun heiratet die kleine, aber vielsprachige Bibliothek der Kulturen (BdK) ein und bringt mehr als zehn neue Fremdsprachen in die Verbindung. Es ist zwar ein ungleiches Paar – die Kantonsbibliothek mit 320000 Medien, die Bibliothek der Kulturen mit 4000. Aber die Verbindung ist harmonisch, die Heirat von langer Hand geplant. «Es ist ein grosser Lupf», sagt Lukas Hefti. Er spricht im Namen beider Institutionen. Beim Verein Bibliothek der Kulturen ist im Vorstand, bei der Kantonsbibliothek leitet er die Zentralen Dienste und die Öffentlichkeitsarbeit. Im Herbst 2016 fand die erste Kontaktaufnahme seitens Verein statt. Im vergangenen Jahr tagte eine Arbeitsgruppe beider 15-mal, um die Zusammenarbeit aufzugleisen und die Voraussetzungen für eine bezahlte 30-Prozent-Stelle zu schaffen. Diese ist vorerst auf vier Jahre ausgelegt. Pro Jahr sind Kosten von 71200 Franken budgetiert. Ein grosser Teil kommt aus dem kantonalen Integrationsprogramm. Der städtische Beitrag über 18000 Franken war an der Budgetsitzung des Gemeinderats zwar ein Thema, blieb aber letztlich unangetastet. Und auch die Schulen Frauenfeld leisten eine finanzielle Unterstützung.

Ehrenamtliche Arbeit hat irgendwo Grenzen

Im Verein wurde und wird viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Fünf Bibliothekarinnen führen die BdK mit die sechs Stunden Öffnungszeit pro Woche. Rund 25 Personen führen jährlich gegen hundert Veranstaltungen durch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (siehe Kasten). Die gesamte Koordination und die Betreuung der freiwilligen Mitarbeiterinnen liegt beim Präsidium, aktuell Yvonne Heuscher – ein Arbeitspensum von 30 bis 40 Prozent. Ehrenamtliche Arbeit hat aber irgendwo Grenzen.

Deshalb gibt der Verein den kompletten BdK-Bestand in die Hände der Kantonsbibliothek. Der Bibliotheksstandort im Quartiertreffpunkt Talbach wird aufgegeben. Weiter schafft der Verein eine bezahlte 30-Prozent-Stelle für die Koordination der Veranstaltungen und die Betreuung der freiwilligen Mitarbeiterinnen. Diese Arbeitsstelle wird sich in der Kantonsbibliothek befinden. Gefühlt werde diese Stelle Teil des Kantonsbibliotheksteams sein, sagt Hefti. Für den bisherigen BdK-Bestand wird in Zukunft die Kantonsbibliothek zuständig sein, bei der Ausleihe steht Kantonsbibliothekspersonal. Der Verein konzentriert sich fortan auf Sprachencafés sowie Kinder- und Jugendveranstaltungen. Wie Hefti sagt, prüfte der Verein bereits bei seiner Gründung im Jahr 2008 den Aufbau einer interkulturellen Abteilung in Kooperation mit der Kantonsbibliothek. Nun also wird daraus Realität.

Letzter Ausleihtag im Talbach ist am Samstag, 20. Januar. Danach beginnt der Umzug, und die BdK-Bibliothekarinnen bereinigen ihren Bestand, sagt Hefti. Denn ein bibliothekarischer Leitsatz im Freihandbereich gehe von einer jährlichen Erneuerung von zehn Prozent aus. Herausforderungen für die Kantonsbibliothek werden der Platzbedarf sein sowie das Katalogisieren und Ausrüsten dieser grossen Anzahl Bücher in relativ kurzer Zeit. Ab Dienstag nach Ostern soll dann der neue fremdsprachige Bestand ausleihbar sein. Der Fokus werde weiterhin auf Kinder- und Jugendliteratur liegen, sagt Hefti. Diese wird im Freihandbereich verfügbar sein. Der Bereich der Erwachsenenliteratur kommt grösstenteils ins Magazin.

Bereits heute gehen einzelne Sprachencafés in der Kantonsbibliothek über die Bühne. In Zukunft werden möglichst viele Anlässe des Vereins an der Promenade ein neues Daheim finden, ähnlich wie etwa die Veranstaltungen der Volkshochschule.

Neue Nutzergruppen für die Kantonsbibliothek

Derzeit kann man für einen Fünfliber im Jahr als Einzelperson Bücher in der BdK ausleihen. In der Kantonsbibliothek kostet die Jahresgebühr 30 Franken. Der BdK-Vorstand will diesen Unterschied in der Gebührenhöhe für bisherige Bdk-Nutzer etwas entschärfen und arbeitet an einer geeigneten Lösung. Abgesehen davon sieht Hefti aber für beide Seiten nur Vorteile. BdK-Nutzern stehe neu ein ungleich grösserer Bestand zur Verfügung. Und dann die Öffnungszeiten: «Die BdK hatte bislang sechs Stunden pro Woche offen, die Kantonsbibliothek dagegen ist 44 Stunden geöffnet», sagt Hefti. Die Kantonsbibliothek wiederum kann auf einmal ein beachtliches Portfolio an fremdsprachiger Literatur übernehmen. Das eröffnet neuen Nutzergruppen den Zugang. Möglicherweise werde das interkulturelle Angebot sogar noch ausgebaut. Man werde die Nutzung beobachten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen, erklärt Hefti.

Und das nächste freudige Ereignis folgt bei Fuss. Denn im Herbst wird das zehnjährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Letzter Ausleihtag im Quartiertreff Talbach: 20. Januar; Wiedereröffnung in der Kantons- bibliothek: 3. April. www.bibliothekderkulturen.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.