FRAUENFELD: Heute ist es ruhiger

Gerberei, Bleiche, ja sogar das Spital war früher im industriellen Stadtteil Ergaten-Talbach einquartiert. Nun ist weniger los, Jung und Alt schätzt den familiengerechten Wohnraum mit ruhiger Atmosphäre.

Géraldine Bohne
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Quartiervereinspräsident Fredy Meier im Schollenholz oberhalb der Bruder-Klaus-Kapelle. (Bild: Andrea Stalder)

Quartiervereinspräsident Fredy Meier im Schollenholz oberhalb der Bruder-Klaus-Kapelle. (Bild: Andrea Stalder)

Ganz in der Nähe, wo der Talbach wahrscheinlich dereinst geplätschert hat, qualmte es aus den hohen Kaminen. Eine Mühle klapperte am westlichen Murgrand vor sich hin, von der Gerberei her roch es nach Chemikalien und verrottendem Fleisch. Auch eine Bleiche, dort, wo heute der Schlosspark steht, und eine der grössten Textilfabriken hatten ihren Standort im Quartier. Es gab Zeiten, da war das Quartier Ergaten-Talbach industriell sehr wichtig für die Stadt Frauenfeld.

Die Fabriken reihten sich in «Vor-Ergeten» aneinander, an der Grenze zur Vorstadt. Viele nutzten die Wasserkraft der Murg oder der beiden abzweigenden Kanäle. «Dem Fluss entlang waren unter anderem eine Stickerei und eine Blechwerkstatt», sagt Lokalhistoriker Angelus Hux. Der erste grosse Handwerksbetrieb, eine «Harnischwerkstatt», war in der Baliere. «Auch Nestlé und die Firma Tuchschmid hatten ihren Sitz dereinst im Süd-westen der Stadt», sagt Hux. Doch irgendwann seien die Betriebe ausgesiedelt, da sie mehr Platz brauchten.

Auch durch den Spitalbau 1897 habe das Quartier im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen. «Dort, wo heute das Alterszentrum Park steht, war dereinst das städtische und danach kantonale Krankenhaus», sagt er. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts sei das Spital dann aber abgerissen und durch das Alterszentrum ersetzt worden. «Ansonsten war Ergaten-Talbach schon immer eher ein Wohngebiet», sagt Hux. Den Dorfkern bildete der Kreuzplatz mit dem Hotel und Restaurant Goldenes Kreuz. Die Gaststätte muss in früheren Zeiten ein bedeutendes Haus gewesen sein, der Tafelinschrift ist zu entnehmen, dass am 3. Dezember 1779 gar der Herzog von Weimar und Johann Wolfgang von Goethe dort abgestiegen waren.

Kindergerecht und altersfreundlich
«Heute ist es ein ruhiges Quartier, und es boomt nicht mehr», sagt Quartiervereinspräsident Fredy Meier. Das einst industriell wichtige Walzmühle-Areal zum Beispiel ist nun mit Lofts und Gewerbe besetzt. Trotz des heutigen eher ruhigen Charakters fahren auf der Zürcherstrasse haufenweise Lastwagen vorbei. Auf den Nebenstrassen ist es ruhig. Jung und Alt spaziert durch die Strassen. «Durch das Alterszentrum Park und die altersgerechten Wohnungen leben hier viele ältere Leute», sagt Meier. Aber auch viele Kinder spielen vor den Einfamilienhäusern, die in Richtung Gerlikon erweitert werden. Andere gehen von der Schule nach Hause, teils in kleinen Gruppen. Im Gebiet befinden sich zwei Schulanlagen und viele Spielplätze. «Das Quartier ist sehr alters- und kindergerecht», sagt Meier, Vater von zwei Töchtern. Gar zwei Kreisel an der Bahnhofstrasse wurden von Kindern des Quartiers gestaltet. «Das war ein Schulprojekt im vergangenen Jahr», sagt er, «die Schüler haben die verschiedenen Figuren auf den Kreiseln entworfen und hergestellt.» Es sind Menschen und Insekten aus verrostetem Metall. Kreisel sind allgemein ein Markenzeichen für Ergaten-Talbach. Der «berühmte» Talbachkreisel ist für Fredy Meier das «Herz und Zentrum des Quartiers». Auch befindet sich dort der Quartiertreffpunkt, wo fast jeden Tag etwas los ist. Von der Bibliothek der Kulturen über den Strick-Treff bis hin zu Konversationsgruppen ist alles dort anzufinden. «Der Quartiertreff gehört zu den Besonderheiten», sagt er.

Und auch die Bruder-Klaus-Kapelle auf einer Anhöhe zwischen der Strasse nach Gerlikon und dem Schollenholz sei etwas Besonderes. «Hier gehe ich gerne mit meinem Hund spazieren. Die Aussicht ist wunderbar.» Für die Bewohner befinde sich da das Naherholungsgebiet von Ergaten-Talbach. Alles in allem findet Meier: «Wir sind kein spektakuläres, dafür ein schönes und liebenswertes Quartier.»