FRAUENFELD: Helfen einfach gemacht

Seit zehn Jahren vermittelt der Dachverband für Freiwilligenarbeit Menschen für ehrenamtliche Tätigkeiten. Dabei setzt er auf persönliche Gespräche und klare Regeln.

Donat Beerli
Merken
Drucken
Teilen
Sonja Rickenbach ( r. mit Gitarre) singt mit Senioren im Alterszentrum Park. (Bild: Reto Martin)

Sonja Rickenbach ( r. mit Gitarre) singt mit Senioren im Alterszentrum Park. (Bild: Reto Martin)

Donat Beerli

donat.beerli@thurgauerzeitung.ch

«Ich bin so aufgewachsen», sagt Sonja Rickenbach. Ihre Mutter habe ihr Leben lang Freiwilligenarbeit gemacht, «das gehört bei unserer Familie dazu.» Jeden Montagnachmittag sorgt die 39-Jährige und ein Dutzend andere Freiwillige für musikalische Unterhaltung im Alterszentrum Park. «Die Bewohner freuen sich immer», sagt die ausgebildete Primarlehrerin, die das Gesangensemble seit einem Jahr auf der Gitarre begleitet. Freiwilligenarbeit sei enorm wichtig – ohne sie könne eine Gesellschaft nicht funktionieren.

Rickenbach ist eine von 104 Personen, die der Dachverband für Freiwilligenarbeit im sozialen Bereich (DaFa) im vergangenen Jahr an Frauenfelder Heime, Schulen und gemeinnützige Organisationen vermittelt hat. Dafür zuständig ist Evelyne Hagen. Montag und Donnerstag sitzt sie im Büro des Rathauses und vernetzt Freiwillige mit den verschiedenen Institutionen. «Das persönliche Gespräch mit den Interessenten ist am wichtigsten», sagt Hagen. Herausfinden, was eine Person gerne machen würde und was sie ihr zutraut. «Ich muss rausspüren, wo jemand am besten aufgehoben ist.»

Mehr jüngere Menschen ansprechen

Der DaFa vermittelt nicht nur, er bietet den Institutionen auch Hilfestellung im Umgang mit den Freiwilligen. Zum Beispiel wenn es darum geht, in welcher Form die geleistete Arbeit dokumentiert werden soll. Konkret: eine Bestätigung, die später auch einer Bewerbung beigelegt werden kann. «Das ist in den vergangenen Jahren viel wichtiger geworden», sagt Hagen.

Etwas liegt der Geschäftsstellenleiterin besonders am Herzen: mehr jüngere Menschen anzusprechen. Auch deshalb hat der Verband in den letzten Jahren in seinen Webauftritt investiert. Die Seite sieht heute moderner aus, zudem können Interessierte ­Stellenangebote direkt auf der Homepage einsehen.

Wichtig dafür ist die Partnerschaft mit benevol-jobs.ch, der bekanntesten Freiwilligenbörse im Land. Die Angebote in Frauenfeld erscheinen auch auf deren Webseite. Die Jüngeren würden sich vorgängig im Internet informieren, «darum müssen wir dort einfach präsent sein», meint ­Hagen.

Die Massnahmen zahlen sich aus: «Wir haben deutlich mehr junge Freiwillige als vorher», sagt Hagen. Den Vorwurf, dass die Jungen keine ehrenamtliche Arbeit mehr leisten, will sie denn auch nicht gelten lassen.

«Nicht mit dem Arbeitsmarkt konkurrenzieren»

45 Mitglieder sind Teil des Verbands. 45 Institutionen, die mangels Ressourcen auf freiwillige Helfer angewiesen sind. Für 100 Franken Jahresbeitrag müssen sie sich dafür nicht selbst ums Anwerben neuer Freiwilliger kümmern. «Unsere Arbeit ist eine Dienstleistung», sagt Paul Gruber, Präsident von DaFa. «Eine Dienstleistung, die von den Mitgliedern geschätzt wird.» Nicht im Sinne des Verbands sei die Konkurrenzierung mit dem ersten Arbeitsmarkt. Im Alterszentrum Park zum Beispiel jassen oder spielen die Freiwilligen mit den Bewohnern – der Einsatz im Pflegebereich ist aber ausgeschlossen. Auch dürfe ein Freiwilliger nicht mehr als sechs Stunden pro Wochen arbeiten. «Es ist wichtig, dass sie nicht ausgenützt werden.»

Stellen für Freiwillige

www. dafa-frauenfeld.ch