FRAUENFELD: Heisse Marroni und lange Finger

Der Weihnachtsmarkt in der Altstadt vermochte am Wochenende zahlreiche Besucher anzulocken. An 166 Marktständen gab es Kreatives und Nützliches zu entdecken.

Hugo Berger
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Der Klassiker schlechthin in der kalten Jahreszeit: Ein Standbetreiber am Frauenfelder Weihnachtsmarkt brät Marroni. (Bild: Andrea Stalder)

Der Klassiker schlechthin in der kalten Jahreszeit: Ein Standbetreiber am Frauenfelder Weihnachtsmarkt brät Marroni. (Bild: Andrea Stalder)

Hugo Berger

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

«Der Frauenfelder Weihnachtsmarkt ist mit seiner Kulisse in der Altstadt einer der schönsten Märkte weit und breit», sagt ein Ehepaar aus St. Gallen. Dieser Meinung sind wohl viele der rund 35000 Besucher, die am Wochenende zwischen den Marktständen flanierten.

Die Standbetreiber haben sich alle Mühe gegeben. Die 166 kleinen Holzhäuschen sind mit Sternen, Lichterketten und Tannenzweigen geschmückt; das vielfältige Angebot wird anschaulich präsentiert. Es riecht nach Bratwürsten, Glühwein und Weihrauch. Für den grossen und kleinen Hunger ist gesorgt. So gibt es am Stand von Ngo Sambath feine Frühlingsrollen und chinesische Nudeln. Er habe kein eigenes Restaurant, sondern ziehe von Markt zu Markt. «Frauenfeld ist eine wunderschöne Stadt, die Schweiz ist ein Paradies», schwärmt Sambath, der vor gut dreissig Jahren als Flüchtling in die Schweiz kam.

Eine Krippe mit Schafen, Ziegen und den beiden Eseln Nora und Xenia zieht die Kinder an. Ein Schaf lässt sich von einem Dreikäsehoch geduldig streicheln. «Schau Mami, es mag mich», freut sich der Bub und will sich gar nicht mehr trennen von seinem neuen Freund.

Wer auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist, hat die Qual der Wahl. Nebst traditionellen Produkten gibt es in den Auslagen auch Aussergewöhnliches zu entdecken. So etwa beweist Jasmin Matzinger, dass man mit alten Schallplatten mehr als nur Musik abspielen kann. In ihrer Werkstatt in Ottikon entstehen aus den Vinylstücken Handtaschen, Lampenschirme und Gefässe aller Art. «Auf 80 Grad erwärmt, lassen sich die Platten in die gewünschte Form biegen», verrät die Handarbeitslehrerin. Ebenfalls mit Recyclingmaterial arbeitet Christian Baumgartner. Aus alten Veloschläuchen stellt er Hosengürtel her.

Für Strassenkinder in Simbabwe

Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, was hinter den Produkten steckt, die Melanie und Bothwell Makuroma-Bodmer anbieten: Die aus Cola-Büchsen gefertigten Wildtiere wie Tiger, Elefanten und Giraffen werden von Waisenkindern in Simbabwe hergestellt. Mit dem Erlös soll den Kindern eine Schulbildung ermöglicht werden. «Wir kennen die Verhältnisse vor Ort, da unser Schwiegersohn aus Simbabwe stammt», erzählt Melanie Makuroma. Ihr Mann ergänzt: «Der Erlös kommt zu 100 Prozent den Kindern zugute. Mit 1000 Franken kann man in Simbabwe schon recht viel bewegen.»

Das Interesse der Besucher vermag auch Hansruedi Jakob zu wecken. Mit einer Kreissäge schneidet er eine sogenannte Geode auf. Dieser graue, kokosnussgrosse Stein, der auf ein Alter von über 40 Millionen Jahre geschätzt wird, birgt in seinem Hohlraum Mineralien.

Der Markt mit den vielen Lichtern bietet beim Eindunkeln eine ganz besondere Stimmung. Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Für Esther Forster, die an ihrem Stand Dekos und Accessoires anbietet, wird die Ausstellung einen bitteren Geschmack hinterlassen: Ihr wurde der Geldbeutel mit 1000 Franken gestohlen. «Ich trat nur kurz vor den Stand, um einige Sachen zu platzieren. In dieser Zeit muss der Dieb durch die Seitentüre eingetreten sein. Dort lag auf dem Tisch das Portemonnaie.»