Frauenfeld hat genug Krippen

FRAUENFELD. Ob es in der Schweiz genug Krippenplätze gibt, ist im Abstimmungskampf über den Familienartikel umstritten. In Frauenfeld ist das Angebot in den letzten Jahren ausgebaut worden. Nur für die Jüngsten sind Plätze noch rar.

Severin Schwendener
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Im Kindertageshort Kurzdorf hat es freie Plätze, wie in den meisten Frauenfelder Krippen. (Bild: Nana do Carmo)

Im Kindertageshort Kurzdorf hat es freie Plätze, wie in den meisten Frauenfelder Krippen. (Bild: Nana do Carmo)

Am 3. März wird das Schweizer Stimmvolk über den Bundesbeschluss über die Familienpolitik abstimmen. Dieser soll Bund und Kantone verpflichten, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit sowie von Familie und Ausbildung zu fördern. Vor allem um Krippenplätze sind im Vorfeld heftige Diskussionen entbrannt.

Die Befürworter der Vorlage orten in einem mangelnden Betreuungsangebot die Hauptursache für die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf; sie betonen jedoch gleichzeitig, der Verfassungsartikel fördere kein flächendeckendes Angebot und konkrete Massnahmen würden erst in einem späteren Gesetz beschlossen. Die Gegner dagegen warnen vor horrenden Kosten und monieren, es habe bereits genügend Krippenplätze in der Schweiz, was viele freie Plätze belegen würden.

Angebot wurde ausgebaut

Doch so schwarz/weiss ist die Situation nicht, wie das Beispiel Frauenfeld zeigt. «Gemeinsam mit der Primarschulgemeinde hat die Stadt Frauenfeld in den vergangenen sieben Jahren das Angebot an Krippenplätzen und schulergänzenden Betreuungsplätzen ausgebaut», sagt Christa Thorner, Vizeammann und Vorsteherin der Abteilung Soziales. «Vor zwei Jahren hatten wir noch 180 bewilligte Plätze, heute sind es 230.»

Entsprechend sei das Angebot für Krippenplätze heute ausreichend, während es für Kinder im Alter von 3 bis 18 Monaten weiterhin Engpässe gebe. Diese Einschätzung bestätigt sich in den Kindertagesstätten (KiTa), die in der Regel von privaten Vereinen getragen werden. So haben die KiTa Oberkirch und die KiTa Villa Kunterbund erst vor einem Jahr eröffnet und entsprechend Plätze frei.

«Wir sind noch am Auffüllen», sagt Monika Akeret von der KiTa Oberkirch. «Allerdings sind die Babyplätze bis auf einen bereits alle weg.»

Gleich tönt es in der Villa Kunterbund. «Unsere drei KiTas in Braunau, Eschlikon und Frauenfeld entwickeln sich gut», sagt Leiterin Tina Licata. «Einen eigentlichen Boom hatten wir aber nie.»

Nachfrage schwankt stark

Allerdings ist ein freier Platz nicht gleich ein freier Platz: die Nachfrage ist stark Wochentag- und Tageszeit-abhängig. «Es gibt Zeiten, da haben wir noch was frei», sagt Nicole Brüschweiler von der KiTa Zihlacker. «Gleichzeitig haben wir aber auch eine Warteliste.»

Tina Licata von der Villa Kunterbund präzisiert: «In allen drei KiTas beobachten wir, dass sich die Dienstage und die Donnerstage am besten füllen, gefolgt vom Mittwoch. Wenig Nachfrage besteht an Montagen, und am wenigsten werden die KiTas am Freitag beansprucht.» Ein freier Platz am Freitag garantiert also noch lange nicht, dass nicht gleichzeitig für den Dienstag eine Warteliste besteht. Auch ist es möglich, dass Eltern für eine ganztägige Betreuung auf die Warteliste kommen, wohingegen ein Platz für einen halben Tag verfügbar wäre.

Nicht nur Krippen sind wichtig

Allerdings braucht es für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur Krippenplätze, sondern auch geeignete Arbeitsplätze. «Die Stadt bietet familienfreundliche Arbeitsplätze», erläutert Christa Thorner die Möglichkeiten der Stadt. «Das bedeutet die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit auch für Kaderleute, aber auch die Möglichkeit, gewisse Arbeiten von zu Hause aus zu erledigen.» Ein Engagement, das mittlerweile honoriert wurde. Frauenfeld wurde als erster Kantonshauptort mit dem Unicef-Label «kinderfreundliche Gemeinde» ausgezeichnet. kanton thurgau 35