FRAUENFELD: Gut und günstig eingekauft

Die Energiepreise steigen, bei den Werkbetrieben kostet der Strom 2018 aber nur unwesentlich mehr. Denn sie kaufen Strom gestaffelt ein und halten sich an eine bewährte Beschaffungsstrategie.

Mathias Frei
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Hier fliesst Energie: Strommasten im Mittelland. (Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus)

Hier fliesst Energie: Strommasten im Mittelland. (Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Eine Überraschung. Ende August kam die Mitteilung: Herr und Frau Frauenfelder zahlen zwar kommendes Jahr minim mehr für den Strom. Der Grund für die Preiserhöhung liegt aber bei der Erhöhung der gesetzlichen Abgabe zur Förderung von Erneuer­baren Energien (KEV). Dagegen bleibt der Preis für die Tarifkomponente Energie gegenüber dem laufenden Jahr unverändert. Zudem konnten die Werkbetriebe die KEV-Erhöhung durch Kostenoptimierungen im eigenen Netz und tieferen Netzkosten der Vorliegernetze zu einem grossen Teil kompensieren.

Der Strompreis für den Endverbraucher setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Die Werkbetriebe haben weder Einfluss auf die Kosten der vorgelagerten Netze noch auf gesetzliche Abgaben wie die KEV. Die ­Tarifkomponente Energie haben sie in den eigenen Händen. Und dieser Faktor hängt mit dem Einkaufspreis zusammen, den die Werke zahlen. Offenbar haben die Werkbetriebe also einen guten Einkaufspreis ausgehandelt, wenn der Verkaufspreis nicht steigt – dies trotz starkem Anstieg der Handelspreise für elektrische Energie (siehe Kurve).

Frauenfeld bezieht von zwei Händlern Energie

Viele Schweizer Energieversorger unterhalten eigene Handelsabteilungen, die Energie an den Handelsmärkten kaufen und verkaufen – und damit Geld verdienen. Aufgrund der fehlenden ­Infrastruktur und Ressourcen ­wickeln die Werke den Einkauf nicht selber ab, sondern lassen den Strom einkaufen, wie David Dünnenberger, Leiter Energiemarkt bei den Werkbetrieben, erklärt. Dabei arbeitet man mit zwei externen Handelspartnern zusammen, die direkten Zugriff auf die Handelsmärkte haben und für Frauenfeld gemäss einer vorgeschriebenen Beschaffungsstrategie einkaufen. Wie Dünnenberger sagt, ist diese Beschaffungsstrategie 2015 erarbeitet worden und seit 2016 wirksam. Bei einer strukturierten Beschaffung gilt: Energie wird gestaffelt eingekauft, in vier bis zwölf Teilmengen, verteilt auf drei Jahre. Das heisst: Der Frauenfelder Strom für 2018 respektive das Recht auf Strombezug zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2018 wird seit 2015 eingekauft.

Der Zeitpunkt macht es aus. So hat sich der Marktpreis für ein auch in Frauenfeld erhältliches Stromprodukt zwischen April 2015 und Oktober 2017 zwischen 2,57 und 4,93 Rappen pro Kilowattstunde bewegt (siehe Kurve). Bei einem Jahresbedarf der Werkbetriebe für grundversorgte Kunden von aktuell 100 Gigawattstunden besteht so eine finanzielle Differenz von 2,35 Millionen Franken zwischen bestem und schlechtestem Einkaufspreis. Zur eigenen Beschaffungsstrategie sagt Dünnenberger: «Der allerbeste Preis, den man hätte erzielen können, ist erst rückblickend ersichtlich. Diesen Zeitpunkt zu treffen, gleicht einer Lotterie.» Viel wichtiger sei es, anhand einer definierten Strategie einen nachvollziehbaren sowie gemittelten Einkaufspreis zu erzielen.

Damit Tiefpreisphasen systematisch genutzt werden können, wird der Beschaffungszeitpunkt mit einer sogenannten Limitenüberwachung gesteuert. Das heisst: Es wird eine Beschaffung ausgelöst, wenn nach Erreichen eines preislichen Tiefpunktes diese vordefinierte Limite überschritten wird. «So treffen wir nie den allerbesten Preis, erreichen aber trotzdem über den gesamten Beschaffungszeitraum betrachtet einen überdurchschnittlich guten Einkaufspreis», sagt Dünnenberger.

Die Handelspreise für elektrische Energie für Schweizer Energieversorger haben sich laut Dünnenberger seit Frühling 2016 praktisch verdoppelt. Das liege an steigenden Preisen für Kohle und Öl. Weitere Gründe seien bei den wiederholten Ausfällen von Kernkraftwerken in Frankreich und beim erstarkten Schweizer Franken gegenüber dem Euro zu suchen. Eine Trendwende zu tieferen Preisen sei derzeit eher ­unwahrscheinlich.