FRAUENFELD: Grüner Garten hat ausgeblüht

2017 findet definitiv kein «Out in the Green Garden» statt. Mit dem Entscheid reagiert das OK auf neue Regeln für Anlässe im Murg-Auen-Park, welche die Stadt nach Lärmklagen erlassen hat. Der Stadtrat bedauert den Entscheid, weist Vorwürfe aber von sich.

Samuel Koch
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2016 ist das «Out in the Green Garden» erstmals im Murg-Auen-Park durchgeführt worden. (Bild: David Hauser (6. August 2016))

2016 ist das «Out in the Green Garden» erstmals im Murg-Auen-Park durchgeführt worden. (Bild: David Hauser (6. August 2016))

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Es fällt definitiv ins Wasser, das «Out in the Green Garden», Ausgabe 2017. Damit ziehen die OK-Mitglieder die Konsequenzen aus den neuen Leitplanken des Stadtrates für die Bewilligung von Sonderveranstaltungen im Murg-Auen-Park. Im vergangenen Jahr ist das Festival erstmals im Naherholungsgebiet nördlich des Bahnhofs über die Bühne gegangen, zu welchem über 3000 Besucher strömten. Direkten Anwohnern wiederum war das des Guten zu viel, weshalb sie sich wegen Lärmbelästigungen zur Wehr setzten.

Das Festival-OK bedauert den «bewussten Entscheid des Stadtrates, das Freiluftkulturfestival im Murg-Auen-Park zu verunmöglichen», wie es mitteilt. «Wir sind vom Entscheid des Stadtrates enttäuscht», sagt David Nägeli als Presseverantwortlicher des «Out in the Green ­Garden». Das Open Air sei fester Bestandteil des Kulturlebens in Frauenfeld geworden. Aufgrund von einzelnen kritischen Stimmen und einer Anfrage im Gemeinderat habe der Stadtrat «in einem Präzedenzentscheid» das Auflagenkorsett straffer gezogen, was eine erneute Austragung verhindere, meint Nägeli. Die Begrenzung der Aufbauarbeiten auf drei Tage etwa mache ein Festival mit ausschliesslich ehrenamt­lichen Helfern kaum mehr möglich. «Wenn wir professionelle Firmen engagieren, sprengt das unser Budget.» Zudem befriedige auch die Beschränkung der Zuschauerzahl weder sie noch die Anwohner. Und auch die strikten Nachtruhezeiten seien störend, denn «damit gehen uns die umsatzstärksten Stunden verloren, mit denen wir notwendige Ausgaben decken konnten».

Kritik gilt auch der Kommunikation

Gleichzeitig soll das «Out in the Green Garden» für jedermann erschwinglich sein, weshalb sich das OK weigert, eine Bezahlpflicht einzuführen oder die Konsumationspreise zu erhöhen. «So sind wir gezwungen, in diesem Jahr auf eine Austragung zu verzichten», sagt Nägeli, obwohl der Murg-Auen-Park für die Grösse des Festivals perfekt schien. Weiter kritisiert er den Stadtrat auch für dessen Vorgehensweise. «Wir haben nach dem Knatsch um die Lärmbelästigungen Mindestanforderungen kommuniziert», sagt er. Zudem habe das OK den Stadtrat um ein Gespräch gebeten. «Darauf folgte keine Einladung, sondern direkt die neuen Auflagen», sagt Nägeli, der damals überrascht und erschrocken reagierte. Er könne nicht verstehen, weshalb der Stadtrat so entschieden habe. So würde er doch falsche Signale aussenden – und gar das Frauenfelder Kulturleben gefährden, womit schliesslich auch die Standortqualität leide. «Wir wollen Frauenfeld nicht als Schlafstadt, sondern als bunte und lebenswerte Kantonshauptstadt», sagt er. Deshalb fordert er vom Stadtrat mehr Mut.

Ein endgültiges Todesurteil für das «Out in the Green Garden» ist die Absage für 2017 nicht. «Wir führen Gespräche mit Politikern und Kulturvertretern, können aber noch nichts Stichfestes mitteilen», meint Nägeli. Für eine Austragung des Festivals 2018 zeigt er sich optimistisch, «sonst droht die Motivation verloren zu gehen, uns für die Kultur in Frauenfeld einzusetzen».

Stadtrat bietet Hand für Lösungssuche

Der Stadtrat seinerseits bedauert den Entscheid der Festivalverantwortlichen, wie er auf An­frage schriftlich mitteilen lässt. Grundsätzlich unterstütze der Stadtrat das kulturelle Engagement, so wie er das auch bei beim «Out in the Green Garden» getan habe. Wegen dessen Ausmass vom Vorjahr hält der Stadtrat aber daran fest, dass der Murg-Auen-Park aufgrund der Nähe zum Wohnquartier, der Ausgestaltung als naturnaher Park mit zahlreichen geschützten Tierarten sowie seiner Kleinräumigkeit ungeeignet sei.

Vom Vorwurf und «der Unterstellung», grundsätzlich Kultur zu verhindern, will der Stadtrat nichts wissen. Er hofft, dass die Organisatoren Lösungen finden» – sei es durch eine Verkleinerung des Festivals oder sei es durch einen neuen Standort. Dazu biete er den Organisatoren Hand.