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FRAUENFELD: Grosses Glück im Grünen

Von der Werkstatt ins Postauto: 28 Jahre lang chauffierte der ehemalige Landmaschinenmechaniker Ruedi Oberholzer seine Fahrgäste quer durch den Thurgau. Gestern trat er seine letzte Fahrt an.
Désirée Wenger
Ruedi Oberholzer vor seiner letzten Fahrt vor dem mit Blumen geschmückten Gefährt. (Bild: Andrea Stalder)

Ruedi Oberholzer vor seiner letzten Fahrt vor dem mit Blumen geschmückten Gefährt. (Bild: Andrea Stalder)

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch

Nun ist es fast vorbei. Es ist kurz vor 15 Uhr, Ruedi Oberholzer sitzt gelassen hinter dem Steuer des mit Blumen geschmückten Postautos. 28 Jahre lang fuhr der gebürtige St. Galler das Postauto auf allen möglichen Strecken durch den Kanton. Bevor er in die Pension geht, fährt er ein letztes Mal die 826er-Linie von Frauenfeld nach Steckborn, wo er mit einem Apéro verabschiedet wird. Von Aufregung keine Spur. Ganz so gelassen war er allerdings nicht den ganzen Tag. «Am Morgen war ich schon ein bisschen nervös. Aber jetzt ist alles gut», sagt der Chauffeur. Ob es am Blumenschmuck vorne auf dem Postauto liegt? «Das Bouquet ist erst seit elf Uhr dran», erklärt Oberholzer. Bei aller Gelassenheit ist dies dennoch eine besondere Fahrt für ihn: «Schliesslich beginnt ab morgen ein ganz neuer Lebensabschnitt. Eine Ära geht zu Ende.»

Vom Mechaniker zum Chauffeur

Er wollte raus. Nicht aus dem Thurgau, sondern aus der Werkstatt. «Ich wollte nicht immer in einem Büro oder in einer Werkstatt sitzen, sondern die Landschaft sehen, draussen sein. Unterwegs zu sein, reizte mich», erklärt der gelernte Schmid und Landmaschinenmechaniker.

Doch nicht nur das Bedürfnis nach mehr Abwechslung bewog ihn zur Entscheidung, das Fahren zu seinem Beruf zu machen. «Mich interessierten auch die Menschen, ihre kleinen und ­grösseren Anliegen. Das war immer sehr spannend». Bevor er als Postauto-Chauffeur tätig wurde, arbeitete Oberholzer als Last­wagen- und Carfahrer.

Unfallfrei mit netten Fahrgästen

Obwohl ihm auch diese Be­rufe gefielen, wechselte der in Felben-Wellhausen wohnhafte Chauffeur zum Postauto. Ein Grund dafür ist unschwer zu finden. «Der Thurgau hat einfach schöne Strecken. Ob ich nach, Steckborn, Diessenhofen oder Stein am Rhein fahre, die Gegend ist einmalig. Das habe ich sehr genossen.» Seine Arbeit wurde ihm in den 28 Jahren auch nie leid. Abwechslungsreich sei seine Tätigkeit gewesen, da er jeden Tag andere Strecken fuhr. Eine Lieblingsstrecke ist hingegen schwierig zu küren, kann er doch allen Routen etwas Schönes abgewinnen. «Sehr gerne mag ich die Fahrt von Weinfelden nach Frauenfeld. Da sieht man bei ­gutem Wetter die Berge.»

Schauergeschichten von nörgelnden Fahrgästen oder Not­fällen mitten auf der Strecke gibt es keine. «Ich hatte Glück. Alles war immer tipptopp. Die Leute waren wirklich freundlich und ich kann mich an kein schlechtes Ereignis erinnern», sagt Oberholzer zufrieden. In seiner gesamten Karriere bei Postauto blieb der Chauffeur unfallfrei und brachte Millionen von Fahrgästen an ihr Ziel. Besonders geschätzt an seiner Arbeit habe er auch die Eigenständigkeit: «Man ist Chef über sein Fahrzeug und somit auch über sich selbst.»

Kein endgültiger Abschied

Auf seinen Ruhestand freut sich Oberholzer sehr. Er werde nun mehr Zeit für Haus und Garten haben. Die Gartenarbeit ist eines seiner Hobbys, dem er nun nebst Spaziergängen mehr Zeit widmen kann. Mit seiner Frau Lucia möchte er spontane Tagesausflüge unternehmen. Auch eine Reise nach Brasilien, Lucia Oberholzers Heimatland, ist geplant.

Nach seiner Pensionierung werde er das tägliche Fahren bestimmt ein wenig vermissen, besonders der schönen Landschaft wegen. Jedoch ist er auch weiterhin mobil unterwegs. «Aber mit einem sehr viel kleineren Auto. Ich fahre einen Subaru Justy.»

Ganz verabschieden müssen sich die Passagiere aber nicht von Ruedi Oberholzer. Er wird weiterhin mit 20 Prozent als Aushilfe arbeiten. So kann er die grüne Thurgauer Landschaft von seinem gelben Postauto aus, wenn auch in kleineren Dosen, weiterhin geniessen.

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