Stadt Frauenfeld bewilligt das Open Air jedes Jahr aufs Neue

Die Stadt Frauenfeld will Bewilligungen für kulturelle Grossanlässe nicht an sakrosankte Regeln binden. Jedes Jahr neu beurteilt sie, ob und wie Festivals wie das Open Air auf der Allmend oder das «Out in the Green Garden» im Murg-Auen-Park möglich sind.

Samuel Koch
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Der Zeltplatz für die Open-Air-Besucher verläuft am Nordrand exakt entlang der Grenze zur Naturschutzzone. (Bild: Olaf Kühne, 7. Juli 2017)

Der Zeltplatz für die Open-Air-Besucher verläuft am Nordrand exakt entlang der Grenze zur Naturschutzzone. (Bild: Olaf Kühne, 7. Juli 2017)

Grau ist ein Gemisch aus Schwarz und Weiss, die bekanntlich keine Farben sind. Die Stadt bekennt paradoxerweise genau mit Grau Farbe, wenn es um die Bewilligung von kulturellen Veranstaltungen geht. Sie macht sich stark dafür, dass es in den Bewilligungsverfahren für grössere Anlässe wie dem Open Air Frauenfeld auf der Allmend weder Schwarz noch Weiss gibt. «Es hat keinen Zweck, Grenzen im Voraus allzu eng zu stecken», sagt Christof Stillhard. Die Stadt will jedes Gesuch einzeln genau prüfen und dann im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten entschieden. «Das ist aufwendig, aber man wird den Gesuchstellern gerechter als mit Standard-Entscheiden», meint der Leiter des städtischen Amtes für Kultur.

Sämtliche Gesuche für kulturelle Anlässe auf Stadtgebiet gehen über das Pult von Christof Stillhard. Letztendlich segnet der Stadtrat die Veranstaltungsgesuche ab. «Der Stadtrat bewilligt oder lehnt die Gesuche für ein Musikfestival ab und schafft bei einer Bewilligung die Rahmenbedingungen», sagt er. Ob und in welchen Grössen etwa im Murg-Auen-Park temporäre Bauten wie Bühnen für das «Out in the Green Garden» aufgebaut werden dürfen, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. «Beim ‹Out in the Green Garden› definiert der Stadtrat vor allem die Spielzeiten, die Schallgrenzwerte, die Dauer des Auf- und Abbaus, die Besucherzahlen oder die Benutzungsflächen», sagt Stillhard. Weitere Regeln für den Murg-Auen-Park, der in der sogenannten «Freihaltezone Siedlung» liegt, sind in einer Verordnung festgesetzt.

Umfangreiches Handbuch nach grossen Sitzungen

Eine komplett andere Ausgangslage als beim «Out in the Green Garden» mit rund tausend Besuchern liegt beim grossen Bruder vor – dem Open Air Frauenfeld. «Beim Open Air haben wir es mit einem Sonderfall zu tun», sagt Stillhard. Zwar müsse der Stadtrat auch für das grösste Hip-Hop-Festival mit täglich 50000 Besuchern eine Veranstaltungsbewilligung erteilen. «Das Open Air geht aber auf der Waffenplatzzone und damit auf dem Areal der Armasuisse über die Bühne», sagt er. Und nicht in der Landwirtschafszone wie etwa die kontroverse Motocross-WM in Niederwil. Faktisch liegt die Bewilligung des Stadtrates für das diesjährige Open Air Anfangs Juli noch nicht vor, auch wenn der Veranstalter dank des Line-ups mit Eminem längst ausverkauftes Haus meldet. «Die noch ausstehende Bewilligung ist nur der formelle Abschluss einer permanenten, ganzjährigen Zusammenarbeit», sagt Stillhard. Mit der neuen Benutzerordnung habe die Armasuisse (Bundesamt für Rüstung) festgelegt, wie die Allmend für das Volk zugänglich sein soll, wobei sie als Grundeigentümerin eine Nutzungsbewilligung erteilt. «Der Austausch zwischen Stadt, Armasuisse, Waffenplatz und den Veranstaltern ist das ganze Jahr hindurch sehr eng», sagt er.

«An diesen Gesprächen werden Rahmenbedingungen vereinbart und in einem 30 Seiten umfassenden Handbuch festgehalten. Der Stadtrat bewilligt schliesslich dieses Handbuch.»
Christof Stillhard, städtischer Kulturbeauftragter

An den jährlich zwei grossen Sitzungen mit den Veranstaltern nehmen nebst Bundesvertretern auch Behördenmitglieder von Stadt, Kanton und Blaulichtorganisationen sowie Naturschutzvertreter teil. «An diesen Gesprächen werden Rahmenbedingungen vereinbart und in einem 30 Seiten umfassenden Handbuch festgehalten. Der Stadtrat bewilligt schliesslich dieses Handbuch.» Themenpunkte sind unter anderem Verkehr, Infrastruktur, Sicherheit, Flächennutzung, Festivalablauf, Bewilligungszeiten mit maximalen Lautstärken sowie Ökologie und Recycling. «Es handelt sich jeweils um gute Gespräche, bei welchen alle Parteien ihre Interessen vertreten», sagt Stillhard. Ehe der Stadtrat grünes Licht erteilt, schickt er die Veranstaltungsbewilligung noch an die beteiligten städtischen Ämter zur Vernehmlassung.

Breite Akzeptanz in der Bevölkerung

Der Open-Air-Veranstalter hat sich an die Regeln im Handbuch zu halten, wie Mediensprecher Joachim Bodmer sagt. Für einen reibungslosen Ablauf, auch mit möglichem Widerstand aus der Bevölkerung, setzt der Veranstalter zusammen mit der Stadt auf «gute Kommunikation und Information» im Vorfeld des Events. «Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst», sagt Bodmer. Das Open Air Frauenfeld habe sich zuletzt jedoch etabliert und stosse mittlerweile auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Übrigens: Mit der letztjährigen Übernahme des US-Unterhaltungskonzerns Live-Nation habe sich bei der Bewilligungspraxis nichts verändert.

Trump-Hasser Eminem komplettiert das Line-Up am «Frauenfelder»

Die Herzen tausender Rap-Fans schlagen höher. Im Sommer gastiert US-Rapper Eminem erneut am grössten Hip-Hop-Festival Europas auf der Frauenfelder Allmend. Der Veranstalter führt den Top-Act auch auf die neue Zusammenarbeit mit dem Unterhaltungsriesen Live-Nation zurück.
Samuel Koch