FRAUENFELD: Grandseigneurs und Gebrüder

Neun Künstler spielen an neun Abenden unter Kastanien: Das ist das bewährte Konzept der Sommerloch-Reihe der Eisenbeiz. Heuer bittet nebst Pop, Funk, Blues und Hip-Hop auch der Berner Mundartrock-Pionier Hanery Amman am Klavier zum Tanz.

Mathias Frei
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Das Duo Steiner & Madlaina. (Bild: PD)

Das Duo Steiner & Madlaina. (Bild: PD)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Hanery Amman ist kein Frühaufsteher. Am liebsten telefoniert er nachts um 2 Uhr. Gefühlte 566-mal hatte Karin Gubler den bekannten Berner Musiker am Hörer – bis es geklappt hat, bis sich nun endlich ein Termin gefunden hat für ein Konzert in der Sommerloch-Reihe der Eisenbeiz. Am Samstag, 19. August, gastiert Amman – Mitbegründer der legendären Rumpelstilz – zum Abschluss unter den Kastanienbäumen vor dem Eisenwerk. Das Klavier, an dem er spielen wird, bringt er mit. Ebenfalls im Gepäck: Gitarrist Maegy Koch.

Amman: Das ist der Mann, der für Polo Hofer die Musik zu Evergreens wie «Alperose», «D’Rosmarie und I» oder «Stets i Truure» geschrieben hat, der einen Platz in der Schweizer Singer/Songwriter-Hall of Fame auf sicher hätte und der mit der rauchigen Stimme, der in gut drei Monaten ins AHV-Alter kommt.

Fünf Köpfe hinter dem Programm

«Seit drei Jahren bin ich an Hanery dran. Toll, dass er dieses Jahr zugesagt hat», sagt Karin Gubler. Sie gehört dem mittlerweile fünfköpfigen Sommerloch-Programmteam an. Amman finde kleine, stimmungsvolle Konzertorte lässig, erzählt sie. Der intime Rahmen der Eisenbeiz-Gartenwirtschaft kommt an. Auch schon kamen 300 Zuschauer an einem Abend, zuletzt zum Beispiel bei Lina Button.

Auch das heurige Programm mit der Eisenbeiz und dem Verein Kultur im Eisenwerk als Trägerschaft hat Potenzial für gut Publikum, allen voran die Abende mit lokal und regional bekannten Musikern. Da wäre zum Beispiel das Quartett Dave From Hollywood. Namensgeber Dave Kerman kommt wirklich aus Hollywood und ist trotz seiner bald 58 Jahre immer noch ein wilder Hund. In den USA, Belgien und Israel sass er bei Experimental-Rockbands am Schlagzeug. Mit der Schweizer Kunst-Riot-Girl-Band Les Reines Prochaines ging er als einziger Mann auf Europatour. Und als Dave From Hollywood in Wien Songs aufnahmen, ging Kerman ab und zu verloren. Nicht weniger schillernd ist der in Basel wohnhafte Heimweh-Frauenfelder Sebastian Bolli (Gesang, Gitarre), bekannt von der skandalösen Tanzkapelle Dexter Doom & the Loveboat Orchestra. Vor vielen Jahren spielten Bolli und Jonathan Gubler in der Frauenfelder Rock-Boygroup Dow Jones. Nun stehen sie wieder gemeinsam auf der Bühne. Gubler war Teil der bekannten Zürcher Folk-Rock-Truppe Strozzini. Heute spielt er bei den Barkin’ Birds die Gitarre und gibt sich bei Dave From Hollywood dem aufregenden Roadmovie-Rock ’n’ Roll hin.

Zwei Söhne von Komponist Frédéric Bolli

Ein weiterer Publikumsmagnet dürfte die achtköpfige Frauenfelder Formation Jamco sein. In der altersmässig durchmischten Truppe – zum Beispiel mit Jögg Egli von den Frischen Fischen – zeichnet Moritz Bolli für den Lead-Gesang verantwortlich. Er ist Sebastian Bollis jüngerer Bruder. Sie sind Söhne von Komponist Frédéric Bolli. Jamcos Pressetext verspricht auf jeden Fall einen «einzigartigen Trip irgendwo zwischen The Roots, Bob Marley, James Brown und Pink Floyd».

Local Heros sind auch The Soul Twins. Das ist ein Projekt von Pat Kasper und Dominik Rüegg, der laut Karin Gubler «vermutlich einer der besten Frauenfelder Gitarristen» ist. Kasper und Rüegg stehen schon seit über 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne, nämlich bei der Coverband Noise Brothers. Kasper ist Sänger, Rüegg Gitarrist. Als The Soul Twins konzentrieren sie sich auf Interpretationen aus Soul, R ’n’ B, Funk und Rock ’n’ Roll im Elvis-Presley-Stil. Ebenfalls dem Fifties-Groove frönen die Basler von Little Chevy mit Frontfrau Evelyne Péquignot. Da trifft Blues auf Honky-Tonk-Country, Jazz auf Rockabilly. Ebenfalls nichts zum Stillsitzen ist die junge Bluegrass-Combo Pickheads. Umso bekannter sind die Gesichter dahinter, es sind Musiker aus der Band von Baschi, von Heinz de Specht, Myron oder dem Saloniki Express.

Und dann ist da noch das Zürcher Duo Steiner & Madlaina, also Nora Steiner und Madlaina Pollina. Ihre Pop- und Folk-Musik ist wunderschön einfach, luftig aber trotzdem immer ein wenig traurig. Zwei junge Frauen, liebevoll und rebellisch zugleich. Und Madlaina Pollina entstammt einer bekannten Musikerfamilie. Ihr Vater ist der Cantautore Pippo Pollina, ihr Bruder Julian macht derzeit im deutschsprachigen Raum als Singer/Songwriter Faber Furore.