FRAUENFELD: Geschrien wird hier nicht

Die Kunden kommen trotz Regen und Kälte. Was sie anlockt, sind die frischen Produkte am Wochen- und Fischmarkt. Das entspannte Ambiente schätzen auch die Standbetreiber. Eine Kundin sagt gar, der Markt sei das Beste an der Hauptstadt.

Rahel Haag
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Frühmorgens: Werner und Verena Diener warten auf Kunden. (Bilder: Andrea Stalder)

Frühmorgens: Werner und Verena Diener warten auf Kunden. (Bilder: Andrea Stalder)

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch

6.30 Uhr – an der Promenadenstrasse herrscht beinahe Weltuntergangsstimmung. Es ist düster, Regen fällt, und die Kälte kriecht langsam, aber unaufhaltsam in die Knochen. Zu entdecken ist erst eine Standbetreiberin, die für den Markt aufbaut.

«Wir kommen seit rund 25 Jahren an den Markt», sagt Werner Diener vom Lindenhof in Altishausen. Während er den Fischwagen in die Lücke gegenüber einweist, erzählt seine Frau Verena, dass sich ihre Beeren grundsätzlich gut verkaufen. «Doch wenn es regnet, kauft kaum einer Beeren», fügt sie an. Um 7.09 Uhr bedienen die beiden ihre erste Kundin. Und siehe da: Sie entscheidet sich doch für Beeren – und das nicht zu knapp. Zwei Schälchen Himbeeren, je ein Schälchen Erd- sowie Preiselbeeren. «Der Markt ist das Beste an Frauenfeld», sagt die 56-jährige Judith Biber. Hier bekomme man alles. «Vorausgesetzt, man ist früh dran.» In ihrer Tasche steckt ein Brot und Milch. «Die Blumen hole ich am Schluss.» Auch gegenüber wird bedient. «Einmal pro Woche kommt bei mir Fisch auf den Teller», sagt der 62-jährige Reto Altwegg. Er ist auf dem Weg zur Arbeit. «Dort kommt der Lachs in den Kühlschrank.»

«Die Stände stehen nah beieinander»

Klein ist der Markt, an diesem Mittwoch gibt es rund zehn Stände. Einige Standbetreiber seien in den Ferien. Für Blumenhändlerin Sonja Rufer ist der Sommer «ferientechnisch tabu». Schliesslich gebe es kein Mittel, um die Blumen vom Wachsen abzuhalten. Sie lächelt. «Dafür machen wir eine Winterpause.» In ihrer Gärtnerei in Hefenhofen hätten sie mehrere Treibhäuser. Dort würden vor allem die Rosen gedeihen. Vieles wachse aber im Freiland. Mit der Kälte habe sie kein Problem. Doch es gibt etwas, das sie am Markt stört: Es ist eng. «Die Stände stehen nah beieinander», sagt sie. Eine ihrer regelmässigen Kundinnen ist die 63-jährige Florentina Wohnlich. Meistens komme sie am Mittwoch und meistens kaufe sie Blumen. «Der Name verpflichtet fast», sagt sie und lacht. Am Samstag habe sie einen Strauss gekauft, «dann ging es mit dem Zug Richtung Bern, wo er abgeliefert wurde.» Sie seien speziell schön «und halten lange».

Am Käsestand von Susanne Tritten aus Buch bei Frauenfeld kauft gerade Ruth Gamper ein. «Sie kennt meinen Geschmack», sagt die 60-jährige Frauenfel­derin. Bei ihr müsse der Käse rezent sein, und sie nehme immer «rechte Stücke». Zudem gefalle ihr das Ambiente am Markt. «Man merkt, dass es die Standbetreiber gut miteinander haben.» Sie würden etwa miteinander plaudern oder gegenseitig beieinander einkaufen. Auch die Standbetreiberin schwärmt von der Atmosphäre. «Hier kommt man dem Kunden näher», sagt Susanne Tritten. Gleichzeitig sei es eine Herausforderung, zu spüren, was der Kunde möchte. Wenn jemand immer denselben Käse kaufe, versuche sie ihn «aus dem Trott zu bringen», indem sie ihm etwas Neues empfehle.

Erst seit einem Jahr ist das Kornhaus am Markt vertreten. «Frauenfeld ist kein Schreimarkt», sagt Verkäufer Hans Rubin. Die Leute würden es nicht mögen, wenn man seine Produkte zu stark bewerbe. «Dafür sind die Stammkunden pickelhart.» Einige kämen bei jedem Wetter mit dem Velo.

Wochen- und Fischmarkt

Mittwoch und Samstag während des ganzen Jahres jeweils von

7 bis 12 Uhr an der Promenadenstrasse.