FRAUENFELD: "Gelegentlich die Hand ausgerutscht"

Weil er seine Ex-Partnerinnen schwer misshandelt hat, ist ein 30-jähriger Mann zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Das Thurgauer Obergericht hat zudem eine stationären Massnahme angeordnet.

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Die Frauen hätten sich gegen den Beschuldigten verschworen, sagte der Verteidiger an der Gerichtsverhandlung von Ende Juni. (Bild: Chris Mansfield)

Die Frauen hätten sich gegen den Beschuldigten verschworen, sagte der Verteidiger an der Gerichtsverhandlung von Ende Juni. (Bild: Chris Mansfield)

Aufgeflogen war der Beschuldigte, nachdem ihn seine Ex-Frau wenige Monate nach der Heirat angezeigt hatte. Sie gab an, er habe sie geschlagen, gewürgt und mit dem Tod bedroht und zudem gezwungen, 250'000 Franken vom Bankkonto ihrer Kinder (4 und 12) abzuheben. Erst während der Strafuntersuchung kam heraus, dass der Beschuldigte auch gegenüber drei Ex-Partnerinnen massive physische, psychische und sexuelle Gewalt ausgeübt hatte.

Zwar hatte Beschuldigte vor dem Thurgauer Obergericht zugegeben, dass ihm gelegentlich die Hand ausgerutscht sei. Der stark tätowierte Heavy-Metal-Fan sei kein Engel, aber auch kein Monster, sagte sein Verteidiger. Die drogensüchtige Frau habe ihren Ex-Mann angeschwärzt und die andern Frauen zu Falschaussagen angestiftet. Die Mutter habe das Vermögen ihrer Kinder selbst verprasst und wolle ihrem Ex-Mann die Schuld in die Schuhe schieben.

Die Frauen hätten sich gegen den Beschuldigten verschworen, sagte der Verteidiger an der Gerichtsverhandlung von Ende Juni. Es gebe keine Beweise für die angeblichen Gewaltexzesse. Eine Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten sei genug. Statt einer stationären brauche der Mann eine ambulante Psychotherapie.


Keine Verschwörung

Zwar sei es merkwürdig, dass die Frauen den Mann trotz Todesdrohungen nicht bereits früher angezeigt hätten, hatte die Anklage eingeräumt. Ein ambivalentes Verhalten in Liebesbeziehungen sei jedoch häufig.

Auch die Richter glaubten nicht an eine Verschwörungstheorie, sondern folgten grösstenteils den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Wie das Thurgauer Obergericht am Donnerstag mitteilte, schützte es das Urteil des Bezirksgerichts Münchwilen vom Herbst 2016 und sprach den Schweizer wegen mehrfacher Körperverletzung, Drohung, Vergewaltigung, Schändung, Gefährdung des Lebens, Erpressung und weiterer Delikte schuldig.


Mann braucht Psychotherapie

Der 30-Jährige wird zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wird zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben, wie es die Anklage verlangt hatte. Der Beschuldigte brauche eine Psychotherapie, damit er sein Problemverhalten in den Griff bekomme.

An drei der vier Opfer muss der Mann gemäss dem Gerichtsurteil Genugtuungen zwischen 15'000 und 40'000 Franken bezahlen. Die Kinder erhalten Schadenersatz in der Höhe von 48'000 Franken. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (sda)