Frauenfeld geht ein neues Licht auf

Die goldenen Engel, Hirten, Schafe und Kamele, die in der Frauenfelder Altstadt über den Köpfen der Menschenmenge schweben, ziehen bereits neugierige Blicke auf sich.

Aylin Erol
Drucken
Teilen
Auch Schloss Frauenfeld ist Teil der neuen Weihnachtsbeleuchtung. (Bild: Donato Caspari)

Auch Schloss Frauenfeld ist Teil der neuen Weihnachtsbeleuchtung. (Bild: Donato Caspari)

Die goldenen Engel, Hirten, Schafe und Kamele, die in der Frauenfelder Altstadt über den Köpfen der Menschenmenge schweben, ziehen bereits neugierige Blicke auf sich. «Wo sind denn die Lichterketten? Was soll denn nachher leuchten?», fragen sich nicht nur die Kinder, kurz bevor am Freitag um 18 Uhr die evangelische Kirchenglocke die Einweihung der neuen Weihnachtsbeleuchtung einläutet.

Die Hände am wärmenden Glühwein, bestaunen die vor der Kirche versammelten Frauenfelder die umliegenden Hausfassaden, welche jedoch noch genauso aussehen wie immer, während die Stadtmusik Frauenfeld auf den Abend einstimmt. Manche wissen schon Bescheid: «Ich hab's auf Facebook gesehen. Sieht aus wie ein Appenzeller Scherenschnitt.» Wer diese Bilder noch nicht gesehen hat, muss sich hingegen noch etwas gedulden, bis die «GeschichtenLichter» angestellt werden. Passend zum Namen der neuen Beleuchtung wird eine verkürzte Fassung der Weihnachtsgeschichte vor der Kirche vorgelesen. Dem einen oder anderen Kind steht beim angestrengten Lauschen der Mund offen, und wieder wandert ein Blick nach dem anderen hoch in die Luft zu den goldenen Engeln, die jedoch weder leuchten noch glitzern. Wo sind denn nun die Lämpchen?

«Mami, ein Engel!»

«Unsere neue Beleuchtung ist eine Symbiose von Altem und Neuem. In der ganzen Altstadt verteilte Projektoren werden in Zukunft an Weihnachten die Weihnachtsgeschichte an die Hausfassaden projizieren», erklärt Stadtpräsident Anders Stokholm. Dann ist es soweit; Stokholm und Christian Wälchli von der IG Fit führen die Stecker zusammen. Trommelwirbel! Und? Nichts? Wo sind denn die Lichter? Nervöses Gelächter schallt durch die Menge. «Mami, ein Engel!» ruft ein kleines Mädchen und lässt vor Überraschung beinahe sein Plüschtier zu Boden fallen.

Und tatsächlich, es manifestieren sich langsam Schatten- und Lichtbilder auf der Fassade der evangelischen Kirche. Kein Funkeln, kein grelles Licht, dafür aber die Weihnachtsgeschichte, mit Jesus in der Krippe im Zentrum, umgeben von Hirten, Engeln und Sternen. Applaus. Stokholm strahlt übers ganze Gesicht.

Gratis Rotwein und Guezli vom Stand vor der evangelischen Kirche halten die Interessierten warm, während sie sich nun in unterschiedliche Richtungen und mit einem «GeschichtenLichter»-Plan ausgestattet auf den Weg durch die Altstadt machen, um alle zehn Bilder zu entdecken. «Die neue Beleuchtung ist wunderschön. Sie passt wunderbar zu uns Frauenfeldern, weil sie dezent, einfach und trotzdem einzigartig und aussagekräftig ist. Als Frauenfelderin macht mich das sehr stolz», sagt Barbara Reinhart. Die Thurgauer müssten sich eben nicht so hervorheben, sondern seien bescheiden. «Es ist schön, aber mir fehlen ein wenig die traditionellen Lichter», meint hingegen Regula Badertscher. Allgemein scheinen die neuen Lichter jedoch gut anzukommen.

Die Hirten gehen zur Krippe

«Zuerst, als ich die goldenen Engel sah, war ich ein wenig enttäuscht. Aber diese Geschichten aus Schatten und Licht machen das wieder wett», sagt Thomas Koller. Auch seine Kinder können den Blick nicht mehr von den Bildern abwenden. Und dann entdecken sie hinter jeder Ecke auch gleich wieder ein weiteres. Das Luzernerhaus etwa strahlt durch Engel, die sich dem goldenen Thurgauer Wappen zuwenden. An anderen Stellen machen sich Hirten mit ihren Schafen auf den Weg zur Kirche und somit zur Krippe. «Die Idee ist einfach, aber wunderschön. Die schönste Projektion ist aber der Stern von Bethlehem, der gross und eindrücklich über die Hausecke des Restaurants La Terrasse leuchtet», sagen Fredi und Susi Scheifele. Die Altstadt strahlt in neuem Licht.