FRAUENFELD: Gachnang sucht Anschluss

Die westliche Nachbargemeinde strebt ab 2017 eine neue Pensionskassenlösung an. Eine Option ist der Einkauf in die Vorsorgeeinrichtung der Stadt. Das muss aber der Frauenfelder Gemeinderat bewilligen.

Mathias Frei
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Das Gachnanger Gemeindehaus. Für die Gemeindeangestellten gibt es auf Anfang 2017 Veränderungen bei der Pensionskasse. (Bild: Andrea Stalder)

Das Gachnanger Gemeindehaus. Für die Gemeindeangestellten gibt es auf Anfang 2017 Veränderungen bei der Pensionskasse. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Gachnang ist für die zweite Säule auf Brautschau. Ins Visier geraten ist auch die Pensionskasse (PK) der Stadt Frauenfeld. Wobei es in diesem Fall unpassend wäre, von einer Heirat zu sprechen. Denn die Politische Gemeinde Gachnang umfasst inklusive der Mitarbeiter der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gerade einmal 20 Einzahler sowie einen Rentner. Demgegenüber umfasst die PK der Stadt 883 Destinatäre, also Einzahler und Bezüger.

Politisch-Gachnang sei bis Ende 2016 bei einer Sammelstiftung angeschlossen, heisst es in der Botschaft des PK-Stiftungsrats an den Frauenfelder Gemeinderat. Deshalb habe Gachnang eine Anfrage betreffend Anschluss getätigt. Parallel prüfe die Gachnanger Gemeindebehörde weitere Angebote anderer Vorsorgeeinrichtungen. «Der Stiftungsrat hat sich einstimmig für einen Anschluss der Politischen Gemeinde Gachnang ausgesprochen», ist in der Botschaft festgehalten. Dafür braucht es aber die Zustimmung des Gemeinderats.

Neues Risikoprofil ist nicht anders

Für den Stiftungsrat steht im Vordergrund, dass sich die Situation für die bestehenden Einzahler und Bezüger nicht zu ihren Ungunsten verändert. «Das Risikoprofil der neuen Destinatäre ist mit demjenigen der Pensionskasse der Stadt Frauenfeld vergleichbar», ist in der Botschaft zu lesen. Die Rechte und Pflichten der bestehenden PK-Einzahler und -Bezüger sollen nicht angetastet werden. Die neuen Destinatäre sollen dieselben Rechte und Pflichten haben. Die Anschlussbedingungen mit Gachnang sehen gleich aus wie die bestehenden mit den Schulen Frauenfeld und dem regionalen ARA-Verband. Gachnang muss seine Verpflichtungen und Altersguthaben zu hundert Prozent ausfinanzieren. Zudem muss die anschlusswillige Gemeinde auch ihren Teil der Staatsgarantie dazu beisteuern. Konkret ist das die Differenz zwischen dem Ausgangsdeckungsgrad bei Verselbständigung der Frauenfelder PK – 70,4 Prozent – und dem Deckungsgrad per Ende 2016. Per 31. Dezember 2015 betrug dieser 85,3 Prozent. Auf den Umfang und die Zusammensetzung des Stiftungsrats hätte der Gachnanger Anschluss keine Auswirkungen. Auch würde ein möglicher Austritt Gachnangs aus der Frauenfelder PK kein Teilliquidationsverfahren zur Folge haben. Denn die nicht einmal zwei Dutzend Gachnanger Versicherten und Rentner entsprechen ungefähr der jährlichen Bestandesveränderung in Frauenfeld.

In Gachnang entscheidet laut Botschaft die Gemeindebehörde beziehungsweise die Gemeindeversammlung, je nach finanzieller Tragweite des Anschlusses.

Vorteil: Bessere Kosteneffizienz

Die Frauenfelder PK sei die grösste vollautonome Vorsorgeeinrichtung einer Thurgauer Gemeinde. Die Anzahl Einzahler und Bezüger stelle Stiftungsrat und Geschäftsführung vor Herausforderungen. Jedoch könne die PK besser und kosteneffizienter geführt werden, wenn die Zahl der Destinatäre erhöht werde. Und «inneres Wachstum» durch die aktuell angeschlossenen Arbeitgeber sei nicht in demselben Umfang zu erwarten.

Mit der vorliegenden Anschlussofferte sei die Grundlage geschaffen worden, um in Zukunft weitere Arbeitgeber zu den gleichen Bedingungen in die PK zu integrieren, schreibt der Stiftungsrat. Denn der Anschluss an eine öffentlich-rechtliche Stiftung sei eine interessante Alternative zu Sammelstiftungen.