FRAUENFELD: Für Menschenfreunde

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie geehrt werden sollten. Gestern Abend nun erhielten die Abendmusiken und Solinetz-Gründerin Irma Stämpfli den städtischen Anerkennungspreis überreicht.

Mathias Frei
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Die beiden Preisträger Irma Stämpfli und Jürg Buchegger mit den roten Urkunden im Kreise ihrer Mitstreiter und zusammen mit den städtischen Würdenträger. (Bild: Andrea Stalder)

Die beiden Preisträger Irma Stämpfli und Jürg Buchegger mit den roten Urkunden im Kreise ihrer Mitstreiter und zusammen mit den städtischen Würdenträger. (Bild: Andrea Stalder)

Eigentlich müssten andere im Rampenlicht stehen, diese Aufmerksamkeit bekommen, Flüchtlinge zum Beispiel. Irma Stämpfli sagt das, ihre Urkunde zum städtischen Anerkennungspreis 2016 liegt auf dem Rednerpult, an dem sie spricht. Die Gründerin des Solinetz Frauenfeld, das Asylsuchende mit Schweizern zusammenbringt, ist gerührt. Der Bürgersaal ist voll von Menschen, Frauenfelds höchste Würdenträger sind anwesend. Sie habe nicht begriffen, wieso sie diesen Preis bekomme, sagt Stämpfli. «Denn es ist nicht so, dass ich die bin, die alles organisiert.»

Natürlich hat Irma Stämpfli das verdient – genauso wie das die Frauenfelder Abendmusiken verdient haben. Weil sie schon in der 50. Saison eine hochwertige E-Musik-Reihe veranstalten. Laut Stadtpräsident Anders Stokholm bekamen den Preis bislang 52 Einzelpersonen und 40 Institutionen. Weil sie «verdeckt oder offensichtlich eine Sonderleistung» vollbrachten. Irma Stämpfli und die Abendmusiken tun den Menschen direkt oder indirekt etwas Gutes. Es sind Menschenfreunde, die gestern Abend Preise bekommen haben.

Schon 550mal Musik fürs Gemüt

Vom Beschwingt-Sein, von Himmelreichen und Klangschmäusen zitiert Urs Fankhauser aus Zeitungen über die Abendmusiken. Laudator Fankhauser war langjähriger Präsident der Konzertgemeinde. «Wie viele Besucher gingen bereichert nach Hause, wie viele waren erfüllt?» Schon 1650 habe es in der Hansestadt Lübeck Abendmusiken gegeben «zur Zeitverkürzung», organisiert von einem Organisten. «1967 tat sich hier in Frauenfeld Ähnliches wie damals in Lübeck.» Gegen 550 Konzerte seien es nun wohl schon gewesen. Und trotz Klagen über finanzielle Nöte sei es gelungen, international bedeutende Künstler zu verpflichten, vor allem Organisten. Jürg Buchegger, Präsident der Musikkommission der Abendmusiken verspricht: «Wir werden weitermachen, weil wir Freude daran haben, die Stadt mit Musik zu bereichern.»

Der Wunsch, anderen zu helfen, und die Meinung, dass Helfen auch die Rolle der Schweiz sei, kam Irma Stämpfli, als sie in der dritten Klasse war. In dem Jahr ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Vreni Dietemann erzählt als Laudatorin aus Stämpflis Leben und Wirken. Dietemann ist von der evangelisch-methodistischen Kirche. Dort finden die Solinetz-Treffen statt. «Frau Irma ist immer da.» Und wenn die wöchentlichen Solinetz-Abende für fast alle zu Ende seien, wenn bis zu 70 Menschen gegessen, gelacht, miteinander gesprochen hätten, genau dann würden zum Beispiel noch zwei Afghanen auf Stämpfli warten. «Sie brauchen Hilfe, und nur Frau Irma kann das Problem lösen.» Als sich Irma Stämpfli bedankt, sagt sie: «Wir haben viel zu tun.» Recht hat sie.