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FRAUENFELD: Für ein selbstbestimmtes Leben

Sieben Personen mit einer Behinderung profitieren im Thurgau vom neu geschaffenen Assistenzbudget. Sie können zu Hause wohnen und der Kanton muss nicht für den Heimaufenthalt aufkommen.
Christoph Heer
Olaf Köhler kann dank finanzieller Unterstützung zu Hause leben. (Bild: Christoph Heer)

Olaf Köhler kann dank finanzieller Unterstützung zu Hause leben. (Bild: Christoph Heer)

FRAUENFELD. Da sitzt er. In seinem High-Tech- Rollstuhl, vor seinem Computer, welchen er mit der Mundmaus bedient. Soeben hat er das E-Paper der Thurgauer Zeitung angewählt und liest sich durch die Seiten, er freut sich an den Bildern und Texten und erklärt, wie er mit seinem Kopf die Maus bewegt, sein Handy bedient und die Türen seines Hauses öffnet. Olaf Köhler stand mit beiden Beinen voll im Leben – bis zu dem tragischen Skiunfall im Jahr 2012. «In den Skiferien mit meiner Ehefrau passierte es. Ich befand mich auf der Piste und beschleunigte die Fahrt. Das nächste, was ich weiss ist, wie der Rettungshubschrauber nebenan gelandet ist.»

Es war ein schlimmer Unfall, welcher den Musikdozenten in den Rollstuhl beförderte. Er war nahe dem Tod und wusste nicht, ob er überhaupt jemals wieder aufrecht sitzen wird. Olaf Köhler meistert sein Leben trotzdem; seine starke Persönlichkeit ist ihm geblieben, auch wenn es schlechte Tage mit vielen Tiefs gegeben habe.

Nach Klinikaufenthalt vor dem Nichts

Der 62jährige Köhler lebt heute mit einer kompletten Tetraplegie; heisst, alle vier Gliedmassen – also Beine und Arme – sind von dieser Form der Querschnittlähmung betroffen. Nach jahrelangen Aufenthalten in Kliniken und Institutionen kam er nach Hause und stand vor dem Nichts. Wie soll es weitergehen? Wer kümmert sich um ihn? Wer bezahlt die hohen Kosten der umfangreichen und intensiven Pflege? Fragen über Fragen tauchten auf und wollten beantwortet sein – was im Fall Köhler gelang. Auch dank der umsichtigen Hilfe seiner Ehefrau, von Bekannten, Verwandten und Freunden. Und jetzt auch dank des Assistenzbudgets des Kantons. Denn während Olaf Köhlers Aufenthalt im Paraplegikerzentrum Nottwil wurde er ein erstes Mal auf diese neue Möglichkeit der finanziellen Unterstützung aufmerksam. «Intensiv damit befasst haben wir uns dann, nachdem wir uns in der Zeitschrift <Paracontact> über das Assistenzbudget informiert haben», erzählt Köhlers Ehefrau.

Aktuell sind es sieben Teilnehmer

Nach einer längeren Projektphase – sie begann bereits 2011 – gibt es seit September im Kanton Thurgau definitiv ein Assistenzbudget. «Unser Ziel ist klar definiert. Menschen zwischen 18 und 65 Jahren und mit einer bestimmten Voraussetzung sollen dank diesem Finanzierungsmodell statt in einem Wohnheim mit Behinderteneinrichtung zu Hause leben können», erklärt Michèle Frei vom kantonalen Sozialamt.

Der Thurgau nimmt somit eine Vorreiterrolle in bezug auf die finanzielle Unterstützung beeinträchtigter Menschen ein. «Der Kanton Bern befindet sich noch in einem Pilotversuch, wir handeln bereits definitiv», sagt Markus Mühlemann, stellvertretender Leiter des Sozialamts. Momentan werden im Kanton sieben Personen unterstützt, diese wurden spezifisch aufgrund ihrer Beeinträchtigung eingestuft. «Der Aufwand an Pflege, Unterstützung und Begleitung durchfliesst eine genaue Berechnung, für welche der Verein <Assistenzbüro ABü> in Biel zuständig ist», erklärt Alex Metzger von dessen Geschäftsstelle.

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