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FRAUENFELD: Für das gute Gefühl

Polizisten sind sie nicht, aber sie helfen gerne: am Billettautomaten oder bei der Suche nach Schlüssel. 2008 standen erstmals Bahnhofpaten auf dem SBB-Areal im Einsatz. Am Donnerstag feierten sie Jubiläum.
Christine Luley
Bahnhofpate Ruedi Ambühl verteilt Passanten und ÖV-Passagieren am Bahnhof Giveaways in Form von Seifen und Bonbons. (Bild: Andrea Stalder)

Bahnhofpate Ruedi Ambühl verteilt Passanten und ÖV-Passagieren am Bahnhof Giveaways in Form von Seifen und Bonbons. (Bild: Andrea Stalder)

Christine Luley

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Kalt und windig ist es am Bahnhof. Eine Frau tippt frustriert auf Touchscreen des Billettautomaten herum. Aber es will einfach nicht. Sie wendet sich Hilfe suchend an zwei Männer in dunkelblauen Parkas mit dem Logo «RailFair» auf dem Rücken. «Solche Situationen erleben wir oft», erzählen Richard Baumann und Albert Isler. Die beiden sind als Bahnhofpaten auf Diensttour auf dem SBB-Areal und helfen der Kundin gerne, die gewünschte Mehrfahrkarte zu lösen.

Aktuell engagieren sich am Standort Frauenfeld 14 Freiwillige als Bahnhofpaten. Heidi Aggeler ist seit neun Jahren im Team und fände es wünschenswert, wenn weitere Frauen mitmachen würden. Sie hat während ihren Einsätzen viel erlebt und erzählt, wie sie einmal von einem Jugendlichen angepöbelt wurde. Doch seine Kollegen schlugen sich auf ihre Seite und meinten: «So nicht!» Richard Baumann steuert auch ein Müsterli bei. Ihm ist eine Frau in lebhafter Erinnerung, die ratlos mit ihrer Tochter vor dem parkierten Auto stand. Ihr Mann hatte den Schlüssel zur Abholung versteckt und war telefonisch nicht erreichbar. Die Freude der beiden Suchenden war riesengross, als der Bahnhofpate den Schlüssel fand.

Sie bekommen «He, Opa, sei ruhig» zu hören

Auf dem Bahnareal herrscht Fahrverbot, was aber Velo-, Trottinett- und Rollbrettfahrer kaum kümmert. Wenn die Bahnhofpaten sie darauf ansprechen, müssen sich öfters ein «He, Opa, sei ruhig» anhören. Es gebe Kinder, die sorglos mit ihren Velos auf dem Perron herumkurvten und auf Bitten, das zu unterlassen, nicht reagieren. Und Eltern, die einfach zusehen würden.

Die Paten waren schon mit im Wartehäuschen sitzenden Asylbewerbern konfrontiert, die auch nach 22 Uhr – nach Lichtlöschung und automatischer Türschliessung – die Räumlichkeit nicht verlassen wollten. Immer wieder stellen Baumann, Isler und Aggeler auch fest, dass am Wochenende der Abfallkübel im Warteraum überquillt und unzählige Bierdosen am Boden herumliegen. Oft werde das Türschloss ausgehebelt, und Cliquen nutzten den Raum zum Feiern. Aber die Paten sind keine Polizisten, sie beobachten nur. Und wenn die Situation eskaliert, rufen sie die Polizei um Hilfe.

Sie seien gerne Bahnhofpaten und schätzten die persönlichen Kontakte. «Immer wieder kommen Leute auf uns zu und wollen wissen, was wir machen», sagt Heidi Aggeler. Die Paten erhalten viele Komplimente und erleben, dass ihr Einsatz von den Reisenden und Passanten positiv wahrgenommen wird. Stadtpräsident Anders Stokholm schliesst sich dieser Wahrnehmung an: «Die Bahnhofpaten sind präsent, geben freundlich Auskunft, gehen auf solche zu, die Hilfe benötigen, und schaffen so eine Atmosphäre der Akzeptanz und des Respekts. Im Namen der Stadt und ihrer Bevölkerung danke ich den Bahnhofpatinnen und -paten für ihren unermüdlichen freiwilligen Einsatz zu Gunsten aller.»

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