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FRAUENFELD: Frauenfelder Zuckerfabrik orientiert sich neu

Ostschweizer Pflanzer haben weniger Interesse an der Zuckerrübe. Vermehrter Rübenimport ist die Antwort, um das Werk auszulasten. Ausserdem hat die Fabrik die Schnitzel als Rohstoff entdeckt.
Stefan Hilzinger
Berge von Rüben lagen während der Kampagne auf dem Anfuhrplatz bei der Zuckerfabrik. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Berge von Rüben lagen während der Kampagne auf dem Anfuhrplatz bei der Zuckerfabrik. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Um halb fünf morgens am Stephanstag war Schluss. Nach 94 Tagen und 810000 Tonnen verarbeiteten Rüben stellte die Zuckerfabrik Frauenfeld die Rübenverarbeitung 2017 ein. 125000 Tonnen Zucker hat das Werk Frauenfeld in den rund drei Monaten produziert. Im Vorjahr waren es während lediglich 77 Tagen 109000 Tonnen Zucker.

«An Tag vor Heiligabend noch war der Anfuhrplatz so voll wie nur möglich. Wir wollten verhindern, dass die Bauern auch über die Festtage Rüben anliefern müssen», sagt Werkleiter Joachim Pfauntsch. Das Ziel habe erreicht werden können, gut zwei Tage später war der grosse Platz wieder leer. Eine durchaus zufriedenstellende, wenn auch turbulente Kampagne, war zu Ende.

Aufregend war vor allem der Start der Kampagne im September. Die Anlieferung der Bio-Rüben aus Deutschland verzögerte sich, weil die Eisenbahnlinie im Rheintal bei Rastatt bis Anfang Oktober unterbrochen war. «Wir mussten Rübenzüge umleiten und kurzfristig einen Teil der Lieferungen auf Strassenanfuhr umstellen», sagt Pfauntsch. In der Folge zog sich die Verarbeitung der importierten Bio-Rüben um mehr als drei Tage in die Länge. Die Schweizer Rübenpflanzer standen in den Startlöchern und mussten hingehalten werden. «Das kam bei den Bauern nicht so gut an», sagt Pfauntsch. Der Rückstand konnte nicht mehr aufgeholt werden, weshalb sich die Verarbeitung bis über Weihnachten hinzog.

Nach der Kampagne ist vor der Kampagne

Ein ständiges Problem der Schweizer Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld ist das abnehmende Interesse der Pflanzer am Rübenanbau. Der Zuckerpreis ist weltweit unter Druck und damit sinkt auch der Rübenpreis und die Marge, trotz Optimierungen bei Anbau und Anfuhr. Landwirte stellen vermehrt auf Kulturen mit höherer Wertschöpfung um, zum Beispiel auf Gemüse, oder auf Bio-Landbau . «Wir spüren den Trend in der Ostschweiz stärker als in der Westschweiz», sagt Pfauntsch. Ein Lichtblick sind inländische Biorüben, von denen in der vergangenen Kampagne in Frauenfeld seit längerem wieder mehr als 1000 Tonnen angeliefert wurden.

Abhilfe verschafft sich die Frauenfelder Fabrik seit längerem mit der Einfuhr von Zuckerrüben, zuerst von Rüben aus biologischem Anbau und seit wenigen Jahren aus konventionellem Anbau. Der Rohstoff stammt aus Deutschland und Österreich. Während der vergangenen Kampagne waren dies in Frauenfeld knapp 129000 Tonnen, was 16 Prozent der verarbeiteten Menge entspricht. «Allein Dank der Importrüben aus konventionellem Anbau konnten wir die Auslastung um immerhin elf Prozent steigern», sagt Pfauntsch. Das werde wohl auch in Zukunft so sein müssen. «Unser Rübenbüro ist in Kontakt mit deutschen Pflanzerorganisationen, um auch in der nächsten Kampagne wieder Rüben einführen zu können.»

Pektinproduktion als neues Standbein

Doch nicht nur die vermehrte Einfuhr von Rohstoff soll die Zukunft des Werkes sichern, sondern auch die Diversifizierung. So hat die Fabrik die Pressschnitzel als Rohstoff für weitere Produkte entdeckt. Pressschnitzel entstehen aus den geschnittenen Rüben durch Extraktion des Zuckers und anschliessendem Abpressen, daher der Name. Schnitzel dienen in der Hauptsache als Viehfutter. In diesem Sommer startet das Frauenfelder Werk mit der Produktion von Pektin aus Rübenschnitzeln. Eine entsprechende Anlage wird derzeit gebaut. Rübenpektin ist ein Verdickungsmittel und kann in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt werden.

Auffallend sind auch die vielen grünen eingewickelten Ballen mit Pressschnitzeln, die derzeit noch auf dem Gelände der «Zuckeri» stehen. Diese sind für einen externen Kunden bestimmt. «Die Firma stellt daraus Nahrungsergänzungsfasern her.»

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