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FRAUENFELD: Frauenfelder zahlen weniger für Strom dank dem Bund

Ab 2020 speichert der Bund sensible Daten im neuen Rechenzentrum in der Allmend. Die Energie dafür bezieht er über das Netz der städtischen Werkbetriebe, mit Folgen für die Frauenfelder Haushalte.
Samuel Koch
Die Visualisierung zeigt die Dimensionen der ersten Etappe des Rechenzentrums Campus an der Militärstrasse. (Bild: PD/Armasuisse)

Die Visualisierung zeigt die Dimensionen der ersten Etappe des Rechenzentrums Campus an der Militärstrasse. (Bild: PD/Armasuisse)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Stromtarife schwanken, so auch in Frauenfeld. Je nach Höhe der Spannung, der Tarifzeit oder auch der Jahreszeit variieren die Strompreise für die Frauenfelder Haushalte sowie für Gewerbe und Industrie. Weil aber die Rechnungen der Werkbetriebe Frauenfeld quartalsweise und zusammen mit Gas und Wasser abgerechnet in den Briefkasten flattern, nimmt man die Preisveränderungen kaum wahr, obwohl die Tarife per Anfang 2018 für alle Bezüger leicht gestiegen sind.

Spätestens ab 2020 dürften die Tarife aber wieder sinken, denn einer der Grosskunden steigert seinen Strombedarf markant. Derzeit baut das Bundesamt für Rüstung Armasuisse im Auftrag des Bundes in der Allmend das Rechenzentrum «Campus», worin sensible Daten sowohl der Schweizer Armee als auch von Bundesverwaltungen gespeichert werden sollen. «Frauenfeld wird vom Ausbau der Armee profitieren», sagt Ernst Haas, Direktor der Werkbetriebe Frauenfeld. Zwar sei der Bund mit den bisherigen Infrastrukturen bereits ein Grosskunde, mit dem Betrieb des Rechenzentrums dürfe aber jährlich mit zusätzlichem Energiebedarf von 10 bis 20 Gigawattstunden gerechnet werden. «Das entspricht etwa einem Zehntel der aktuellen Gesamtenergie der Stadt», sagt Haas, der gleichzeitig präzisiert, dass zwischen Netz und Energie differenziert wird. Den Strom kaufe der Bund nicht direkt bei den Werkbetrieben ein. «Weil aber derartige Mengen an Leistung über das Netz der Werkbetriebe bezogen werden, werden die Netzkosten für alle sinken», sagt Haas. Als realistisch bezeichnet er eine Kostensenkung von jährlich fünf Prozent fürs lokale Stromnetz.

Und sollte der Bund wie in Plänen vorgesehen in vier Etappen weitere Rechenzentren bauen, dürften die Frauenfelder Strompreise bis im Jahr 2039 weiter fallen. «Kommt der Endausbau zustande, bezieht das Rechenzentrum dieselbe Menge Energie wie die gesamte Stadt Frauenfeld», sagt Haas. Die Summe der aktuellen Gesamtenergie liegt bei rund 150 Gigawattstunden.

Mit dem Bohrkopf unter der Autobahn hindurch

Voraussetzung für den Anschluss des Rechenzentrums ans Frauenfelder Netz ist die Erschliessung, die derzeit für rund 1,3 Millionen Franken vonstattengeht. Mitarbeiter der Werkbetriebe ziehen eine neue Mittelspannungsleitung von der Messstation Kurzdorf an der Galgenholzstrasse über die Kleine Allmend bis zur Militärstrasse. «Speziell sind sicher die Bohrungen unter der Autobahn hindurch», sagt Ernst Haas. Geht alles nach Plan, gehen diese mit Startpunkt beim Skaterpark zwischen März und Mitte April über die Bühne.

Rund zwei Drittel der Erschliessungskosten bezahlt die Armasuisse. Die Übernahme der restlichen Kosten hat der Frauenfelder Stadtrat kürzlich beschlossen.

Für sämtliche Arbeiten mussten sich alle involvierten Mitarbeiter der städtischen Werkbetriebe einer sogenannten Personensicherheitsprüfung der Abteilung Informations- und Objektsicherheit des Departements für Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterziehen. Auf seiner Internetseite schreibt das VBS: «Die Personensicherheitsprüfung stellt eine präventive Massnahme zur Wahrung der inneren Sicherheit der Schweiz sowie zum Schutz ihrer Bevölkerung dar.»

Hochhaus für geheime Daten des Bundes im Umfang von Petabytes

Der Bundesrat hat 2014 beschlossen, dass die Zahl der Rechenzentren für die Bundesverwaltung auf lediglich noch vier Standorte zu reduzieren sei. Eines der Zentren baut das Bundesamt für Rüstung armasuisse im Auftrag des Bundes an der Militärstrasse in Frauenfeld in unmittelbarer Nähe zur Kaserne Auenfeld, die bis im Jahr 2027 ebenfalls einen Ausbau erfährt.

Der Bau des neuen Rechenzentrums «Campus» kostet 136 Millionen Franken. Darin sollen nach der Fertigstellung sowohl militärische als auch zivile Daten gespeichert werden. Mieter sind nebst dem Departement für Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) etwa auch das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) und das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Welche Dateninhalte genau auf den Servern gespeichert werden, bleibt geheim. Die Grössenordnung der Datenmenge reicht bis zu Petabytes. Ein Pegabyte entspricht einer Million Gigabytes.

Das Gebäude des Rechenzentrums umfasst eine Höhe von 30 Metern, weshalb es als Hochhaus bezeichnet werden kann. Die Grundfläche erstreckt sich über eine Fläche von 64 Metern Länge und 27 Metern Breite. Sollten die vier weiteren, bis 2039 geplanten Etappen folgen, entstehen weitere identische Gebäude südlich des jetzigen Baus. «Die Realisierung weiterer Ausbauetappen wird frühestens ab 2025 beantragt», heisst es beim Mediendienst der armasuisse.

Das Rechenzentrum «Campus» soll jedenfalls bis im Herbst 2019 fertiggestellt sein. Die Datenmigration mit Kosten in Höhe von knapp 42 Millionen Franken, welche sowohl National- als auch Ständerat durchwinkten, soll bis im Jahr 2024 abgeschlossen sein. (sko)

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