FRAUENFELD: Flucht vor der Abrissbirne

Am Valentinstag öffnet die Stiftung Wetterbaum den neuen Standort an der Breitenstrasse. Doch bis dann gibt es im einstigen Stammhaus der Konservenfabrik noch den einen oder anderen Nagel einzuschlagen.

Stefan Hilzinger
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Die Geschäftsführer Stefan Eggimann und Michael Hodel besprechen die anstehenden Arbeiten am neuen Standort. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Geschäftsführer Stefan Eggimann und Michael Hodel besprechen die anstehenden Arbeiten am neuen Standort. (Bild: Stefan Hilzinger)

Der Wetterbaum hat einen neuen Unterschlupf. In kaum einer Woche verlässt er den Schweizerhof und damit die Räumlichkeiten der einstigen landwirtschaftlichen Genossenschaft Frauenfeld. Dort schlägt wegen der anstehenden Neuüberbauung schon bald die Abrissbirne zu. Die neue Heimat der Frauenfelder Sozialfirma (siehe Kasten) liegt für die nächsten Jahre an

der Breitenstrasse 2c – und sie hat ebenfalls einen geschichtlichen Bezug zur Landwirtschaft: Der Bau aus dem Jahr 1871 ist das Stammhaus der einstigen Konservenfabrik Frauenfeld, ab 1908 Konservenfabrik Hero.
Als Mieter der Teigwarenfabrik Pasta Premium reparieren Mitarbeiter des Wetterbaums in der hohen Fabrikhalle schon bald Kaffeemaschinen oder waschen, flicken und bügeln Hosen und Hemden. Doch bis es am kommenden Valentinstag so weit ist, müssen in dem historischen Fabrikgebäude noch manche Arbeiten erledigt werden, das zeigt sich bei einem Rundgang mit Co-Geschäftsführer Stefan Eggimann. Umbau und Renovation der neuen Räume haben die Wetterbaum-Leute stärker beschäftigt als der eigentliche Umzug gegen Ende dieser Woche.

Umbau mit Eigenleistung und Wiederverwertung
«Wir sind hier seit Herbst am Werk», sagt Eggimann. Die Umbauarbeiten führen die Mitarbeiter der Firma nach Möglichkeit selbst aus. Man habe dazu die externen Aufträge etwas zurückgefahren. In der Mitte teilt eine von hohen Fenstern durchbrochene Wand den Raum. In vorderem Teil ist der Kleiderservice untergebracht, im hinteren befinden sich die Arbeitsplätze der Kaffeemaschinenreparateure. Die hohen Fenster stammen von einer anderen Baustelle in Frauenfeld: vom Neubauprojekt an der Schlossmühle, wo bis vor wenigen Wochen noch kantonale Ämter einquartiert waren. «Unsere Leute haben dort beim Abbrechen geholfen. So sind wir auf die Fenster gestossen.»

Vier von zehn schaffen den Absprung
Die Mitarbeiter des Wetterbaums sind in der Regel ausgesteuerte Langzeitarbeitslose, mit wenig oder gar keiner Ausbildung. Die Firma bietet ihnen Arbeit und ein soziales Umfeld. Ziel sei es, die Menschen möglichst fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, sagt Eggimann. «Bei zwei Fünfteln gelingt es, auch dank der Hilfe unseres Jobcoaches.» Als Beispiel nennt er etwa einen bereits 25-jährigen Mann, der in diesem Sommer eine Ausbildung als Fachmann Betriebsunterhalt beginne. Obwohl der Wetterbaum eine Stiftung ist und als Sozialfirma gilt, stammen aktuell lediglich 15 Prozent der Einnahmen von der öffentlichen Hand.
Weitere Informationen: www.wetterbaum.ch