FRAUENFELD: Ferien gegen den Kollaps

Das Alterszentrum Park der Stadt Frauenfeld bietet Ferienzimmer für Personen an, die sonst daheim von Verwandten oder Nachbarn betreut werden. Das entlastet die Angehörigen, und sie können sich selber mal wieder erholen.

Mathias Frei
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Fast wie im Hotel: Alterszentrumsleiter Bernhard Liepelt und Stadträtin Elsbeth Aepli im Ferienzimmer von Haus Ergaten. (Bild: Reto Martin)

Fast wie im Hotel: Alterszentrumsleiter Bernhard Liepelt und Stadträtin Elsbeth Aepli im Ferienzimmer von Haus Ergaten. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Wenn der Rollstuhl und das höhenverstellbare Bett nicht wären, könnte man an ein Hotelzimmer denken. Am Mittag zieht ein älterer Herr in dieses Zimmer ein. Ein Feriengast, der zwei Wochen bleibt, wie Bernhard Liepelt erzählt. Das Alterszentrum Park (AZP), das Liepelt leitet, hat zwei fixe Einzelzimmer, die als Ferienzimmer betrieben werden. Die beiden Zimmer sind für Personen gedacht, die durchs Jahr von Verwandten und Nachbarn daheim betreut oder gepflegt werden. Damit diese Angehörigen auch einmal entlastet werden, Ferien machen und Kraft tanken können. «Wenn man einmal schöne Ferien verbracht hat, geht man gerne wieder in dasselbe Hotel», sagt Stadträtin Elsbeth Aepli, die dem Departement für Alter und Gesundheit vorsteht. Das ist im AZP nicht anders. «Wir haben viele Gäste, die jedes Jahr für ein, zwei Wochen zu uns kommen», sagt Liepelt.

Das Zimmer im ersten Stock von Haus Ergaten ist einfach, aber zweckmässig eingerichtet. An der Wand hängt eine Ansicht von Stein am Rhein, auf dem Tisch steht neben den frischen Blumen ein Flasche Mineralwasser. Im Haus Talbach gibt es ein weiteres Einzelzimmer für Feriengäste. Ein Ferientag kommt für Frauenfelder auf 133 Franken Hotelleriekosten, Betreuung und Pflege wird separat und nach Pflegestufe verrechnet.

Flexibilität statt Warteliste

Das Ferienzimmerangebot gibt es im AZP schon seit vielen Jahren. Je nach Auslastung des stationären Betriebs hat es weitere Ferienbetten in Einer- und Zweierzimmern. In der Regel bleiben Feriengäste eine Woche oder länger. Ab einem Monat ist es formell eine stationäre Aufnahme. In diesem Fall beträgt die Kündigungsfrist zehn Tage. Stadträtin Aepli appelliert an Angehörige: «Rufen Sie im AZP an, wir sind sehr flexibel.»

Angebote wie das Ferienzimmer würden das Bild einer Alterseinrichtung verändern, sagt Zentrumsleiter Liepelt. Was er damit meint: Man geht nicht mehr ins Altersheim und bleibt dort bis zum Lebensende, sondern man macht dort Ferien vom Alltag und kehrt danach wieder nach Hause zurück. «Mit solchen Angeboten tragen wir dazu bei, dass ältere Menschen, die daheim gesund sind, auch daheim gesund bleiben», sagt Stadträtin Elsbeth Aepli dazu. Das folgt auch den Bestrebungen des Kantons und der Stadt Frauenfeld, die ambulante Betreuung und Pflege gegenüber den stationären Angeboten zu stärken. Das Älterwerden im Quartier und daheim sowie die Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen sind nicht zuletzt auch in den aktuellen Legislaturschwerpunkten des Stadtrats festgehalten.

Erholung nach dem Spital

Weiter bietet sich das AZP auch für Aufenthalte nach dem Spital an. Man tritt stationär ein, der Austritt erfolgt dann, wenn es der Gesundheitszustand wieder zulässt. Dieses Angebot ist auch darum beliebt, weil eine Physiotherapiepraxis im AZP vorhanden ist. Diese Form des stationären Aufenthalts ist aber nicht gleichzusetzen mit einem ärztlich verordneten Akut- und Übergangspflegeaufenthalt.

Braucht ein betreuender Angehöriger mal einen Tag Entlastung oder auch jobbedingt zum Beispiel regelmässig zwei Tage pro Woche, gibt es die Möglichkeit von Tagesaufenthalten in einer Wohngruppe. Dafür stehen täglich acht Plätze zur Verfügung. Der Tag im AZP beginnt um 9 und endet um 17.30 Uhr. Eine Aufnahme sei jederzeit möglich, sagt Zentrumsleiter Liepelt. Angeboten wird auch ein kostenloser Schnuppertag. Ein solcher Aufenthalt kostet abhängig von der Anzahl Tage pro Woche zwischen 65 und 85 Franken an Hotellerie.

Übernachten im Tageszentrum

Für Menschen mit Demenz gibt es auf dem AZP-Areal ein spezielles Tageszentrum. Es ist werktags offen und bietet von 9 bis 17.30 Uhr bis zu acht Personen einen aktivierenden Tagesablauf und entsprechende Betreuung. Dank Unterstützung der Dora-Gubler-Stiftung kostet ein Tag Hotellerie zwischen 50 und 70 Franken. Neu ist im Tageszentrum auch eine Übernachtung von Donnerstag auf Freitag möglich. Es hat vier Plätze für Personen, die am Donnerstagmorgen ins Tageszentrum kommen und am Freitagabend wieder abgeholt werden. Ziel sei es, Angehörige auch einmal an einem Abend zu entlasten, sagt Zentrumsleiter Liepelt.