FRAUENFELD: Faszination des Experimentierens

Der neunzehnte Band der Reihe Denkmalpflege im Thurgau stellt drei Bungalows vor, die zwischen 1910 und 1970 entstanden sind.

Manuela Olgiati
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Die Schönheit sei relativ, ein solch seltener Metall-Systembau von 1970 jedoch einmalig, heisst es im neunzehnten Band, welchen die Denkmalpflege Thurgau und der Schwabe Verlag Basel ­herausgegeben haben. Interessiert hörten 100 Gäste an der Buchvernissage in der Aula der Kantonsschule über die Bedeutung solcher Konstruktionen. Viele besichtigten vor der Feier, die musikalisch von Schülern der Kantons- und Musikschule Frauenfeld umrahmt wurde, den Bungalow im Park der Villa Sonnenberg.

Im Thurgau habe sie zuvor kaum an Bungalows gedacht, solche eher mit einem Ferienort verbunden, sagte Regierungspräsidentin Carmen Haag, Chefin Departement für Bau und Umwelt, am Freitagabend in ihrer Ansprache. Der Band zeige den Charakter von solchen Gebäuden und biete wertvolle Unterlagen.

Als bekannt wurde, dass das von Heinrich Eugen Tuchschmid erbaute Wohnhaus 2012 am Franzosenweg abgerissen werden sollte, intervenierten Stahlbaufachleute und Historiker bei der kantonalen Denkmalpflege. Da der Stahlbau eine Tradition hat, entschloss sich das Amt für Denkmalpflege, den Bungalow mit Unterstützung des kantonalen Hochbauamtes abbauen zu lassen.

Astrid Staufer, Architektin und Professorin an der Technischen Universität in Wien und am Institut Konstruktives Entwerfen an der ZHAW in Winterthur sowie Partnerin des Architekturbüros Staufer & Hasler, Frauenfeld, sprach vom Unmöglichen, das im Thurgau möglich wurde. Die Bauweise des Hoesch-Bungalows sei für Europa zukunftsweisend. Entdeckt wurden ausgeklügelte Lösungen. Der Anspruch solcher Systeme liege in der einfachen und schnellen Montierbarkeit, einem Ziel, das enorme strategische und experimentelle Vorarbeit nötig mache. Architekturstudenten dienten solche Objekte zur weiteren beruflichen Entwicklung.

Der Zeitzeuge hat als Wohnhaus ausgedient

Die drei im neuen Band vorgestellten Leichtbauten lenken den Blick auf ortsansässige Unternehmerfamilien, die sich in ihrer Zeit mit internationalen industriellen Entwicklungen auseinandersetzten.

Die Beispiele zeigen ein breites Spektrum auf, das vom Experiment eines Tüftlers, dem Schädler-Prototyp bis hin zur architektonisch erprobten industriellen Bauweise der Saurer-Kantine in Arbon. «Die Faszination des konstruktiven Experimentierens wird deutlich spürbar», sagte Bettina Hedinger, stellvertretende Amtsleiterin der Denkmalpflege. Heute erscheinen manch einem eingeschossige Bungalows, Metall- und Holzsystembauten aus den letzten achtzig Jahren kurios.

Als Wohnhaus hat dieser Zeitzeuge zwar ausgedient, weil er energetisch kaum den gesetzlichen Anforderungen entspreche. Laut Ruedi Elser, dem kantonalen Denkmalpfleger, ermöglichte die Konstruktionsweise einen unkomplizierten Wiederaufbau. Raum, der von der Denkpflege genutzt werden kann.

Manuela Olgiati

thurgau@thurgauerzeitung.ch