FRAUENFELD: Farben der Nächstenliebe

Das Begegnungszentrum Viva der evangelischen Kirchgemeinde ist auch ein Kunstort. Die Malerin und Gestalterin Veronika Bischoff hat ein Bibelzitat umgesetzt, das der Architektur des Neubaus entspricht.

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Künstlerin Veronika Bischoff und Ursula Bollack von der Kunstkommission sehen sich zwei der drei Exponate an. (Bild: Mathias Frei)

Künstlerin Veronika Bischoff und Ursula Bollack von der Kunstkommission sehen sich zwei der drei Exponate an. (Bild: Mathias Frei)

Die drei länglichen Farbtafeln fallen auf, aber sie erschliessen sich einem nicht auf den ersten Blick. Eine hängt im Foyer des Begegnungszentrum Viva, zwei schmücken den Saal. Rot, Gelb und Blau. Diese Farben waren Veronika Bischoff für das Kunst-am-Bau-Projekt vorgegeben. Rot stehe für das Leben, Gelb für das Licht, Blau für die Tiefe, erklärt Ursula Bollack. Das Konzept für das Projekt stammt von ihr als Präsidentin der Kunstkommission der Evangelischen Kirchgemeinde, die hinter dem Neubau am Schaffhauserplatz steht.

Die Umsetzung der in Frauenfeld wohnhaften Malerin und Gestalterin ist auf porösen Zellulosetafeln erfolgt – «in Einklang mit der Architektur der lichtdurchfluteten Räume», wie Veronika Bischoff sagt. Die Farbtafeln sind nicht monochrom, sondern weisen Farbverläufe auf, haben zum Beispiel durch eingearbeiteten Sand Struktur und Tiefe bekommen. Bischoff hat die Farben – Öl, Acryl und Pigment – direkt auf den Tafeln angemischt. So sind Schichten entstanden. Für Bischoff, die seit 40 Jahren als Kunstschaffende tätig ist, muss Kunst am Bau für sich sprechen – wie eben beim vorliegenden Projekt. Mit dem Umstand, dass es eine Farbvorgabe gab, hatte sie keine Mühe. Sie ist sich als Textildesignerin gewohnt, nach Vorgaben zu arbeiten. Letztlich zählt das Resultat. Und in diesem Fall ist Bischoff eine eigenständige Arbeit gelungen.

Basis des dreiteiligen Projekts und damit der drei Farben ist das Gebot der Nächstenliebe, das verschiedentlich in der Bibel auftaucht. Das heisst: Es gilt, den Nächsten, also auch Gott, zu lieben, wie man sich selbst liebt. Jeder Farbtafel ist eine Tafel mit Wortassoziationen zur Seite gestellt. Dort stehen Begriffe, welche die eigene Wahrnehmung einer Fremdwahrnehmung gegenüberstellen.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch