FRAUENFELD: Entsorgung mit Erlebnisfaktor

Die Firmen Tricycling Mittelthurgau AG und die Hugelshofer Recycling AG legen ihr Geschäft mit Wertstoffen in einem Joint-Venture zusammen. Geschäfts- und Privatkunden liefern im Juch ab sofort an getrennten Orten an.

Stefan Hilzinger
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Tricycling-VR-Präsident Stefan Geiges steht mit Betriebsleiter Werner Stiefel und Hugelshofer-CEO Martin Lörtscher bei einer Mulde voller Karton. (Bild: Donato Caspari)

Tricycling-VR-Präsident Stefan Geiges steht mit Betriebsleiter Werner Stiefel und Hugelshofer-CEO Martin Lörtscher bei einer Mulde voller Karton. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Stefan Geiges hatte nur eine Wahl: «Entweder wagen wir den Schulterschluss oder wir überlassen das Geschäft einem lachenden Dritten». Doch für den Verwaltungsratspräsidenten der Tricycling Mittelthurgau AG kam letzteres nicht in Frage. Die Firma betreibt seit 1990 das Regionale Annahmezentrum (RAZ) im Frauenfelder Industriegebiet Juch. So setzte sich Geiges mit den Verantwortlichen der Hugelshofer Recycling AG zusammen, die in unmittelbarer Nachbarschaft des RAZ ein vergleichbares Wertstoffgeschäft betreibt. Künftig trägt ein Joint-Venture der beiden Firmen das Annahmezentrum. Heute Mittag eröffnet Regierungsrätin Carmen Haag das Regionale Annahmezentrum offiziell.

KVA verlangte Entflechtung

Doch nicht nur in der Trägerschaft gab es Änderungen, sondern auch baulich und organisatorisch ist seit Anfang dieses Jahres einiges gegangen. «Wir haben 850 000 Franken ins neue RAZ investiert», sagt Stefan Geiges. Bisher lieferten Privat- und Geschäftskunden die zu entsorgende Ware am gleichen Ort an. Bei bis zu 500 Anlieferungen pro Tag kam es gelegentlich zu chaotischen Zuständen auf dem Areal. «Wir können von Glück reden, dass nie etwas passiert ist», sagt Geiges. Die Tricycling AG betreibt das RAZ im Auftrag der KVA Thurgau (siehe Kasten). Die KVA Thurgau habe verlangt, dass bei der Sicherheit für die Anlieferer etwas geschehe. Ab sofort liefern Geschäftskunden und Private ihre Ware vom Altglas bis zu Zementresten an getrennten Orten an: Geschäftskunden beim bisherigen RAZ, Privatkunden in der bisherigen Halle der Hugelshofer Recycling, wenige hundert Meter westlich davon. Schon diese Woche war die Halle provisorisch im Betrieb, was wegen der Sanierung der Juchstrasse in dem Abschnitt für gelegentliche Verwirrung sorgte. «Beschilderung und Beschriftung helfen bei der Orientierung», sagt Stefan Geiges, und auch die Tage der Strassenbaustelle seien gezählt.

Überdachte Drive-in-Anlage

Für Private, die PET, Papier oder Karton loswerden wollen, ist die sogenannte Einwurfwand an der Westseite der Annahmehalle die augenfälligste Neuerung. Es handelt sich hier um 18 überdimensionale Einwürfe, bei denen die Kunden die Wertstoffe sortiert einwerfen können. Die Ware fällt im Innern in metallene Behälter. Die Anlieferer können mit dem Auto bis vor die Einwürfe fahren und unter einem Vordach abladen.

«Man spricht heute ja bereits von <Entsorgungserlebnis>», sagt Martin Lörtscher, CEO der Hugelshofer Gruppe. Entsorgung sei im neuen RAZ Frauenfeld angenehm, sauber und ohne Risiko. In der ersten Zeit werde das Personal die Anlieferer einweisen und zur Hand gehen. «Doch die Sache wird rasch selbst erklärend», sagt Lörtscher. Für Kostenpflichtiges wie grössere Mengen Bauschutt oder nicht sortierten Hausrat etc. bezahlen die Kunden wie bisher eine Gebühr nach Gewicht.

Es hat noch Platz für mehr

Laut Lörtscher ist das RAZ im Juch das grösste in der Ostschweiz. Die Betreiber rechnen jährlich mit 60 000 Anlieferungen mit einer Menge von 25 000 Tonnen (Privat und Geschäft). Stefan Geiges bezifferte den Umsatz auf vier Millionen Franken. «Das neue Zentrum hat noch Kapazitätsreserven», sagt Geiges. Doch die bekanntlich gute Schweizer Recycling-Mentalität stimmt ihn optimistisch. «Hierzulande sind ja alle auf dem Sortiertrip.»