FRAUENFELD: Eine Woche als Obdachloser

Absolventen des Bildungszentrums für Technik in Frauenfeld leisten Aussergewöhnliches: Ein Elektroniker lässt sich wie ein Hund chippen, ein Sanitär rappt, ein anderer Sanitär gründet eine Firma.

Margrith Pfister-Kübler
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Die fünf Preisträger: Nicola Gerig, Gérard Sandmayr, Florian Vogl, Soan Tuzi und Stefan Mihajlovic. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die fünf Preisträger: Nicola Gerig, Gérard Sandmayr, Florian Vogl, Soan Tuzi und Stefan Mihajlovic. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

FRAUENFELD. Staunen ist programmiert an der Preisverleihung der Stiftung Jugendförderung Thurgau für die besten Vertiefungsarbeiten. So auch diesmal in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula des Bildungszentrums für Technik in Frauenfeld. Alle 30 eingereichten Arbeiten seien hervorragend, sagte Prorektor Matthias Mosimann und lobte die Feier am Donnerstagabend. Die Jury habe fünf davon hervorgehoben.

Firma gegründet

Nicola Gerig, Metallbauer, Wil (Tuchschmid AG, Frauenfeld) hat sich mit dem Thema «Das Geld und das Glück» befasst. Damit er das richtige Gschpüri bekommt, hat er in Bern während einer Woche als Obdachloser gelebt und mit Strassenmusik etwas dazuverdient. Das Erlebte sei seiner Lebensplanung sehr förderlich, sagte er. Im August geht er auf Weltreise.

Gérard Sandmayr, Sanitärinstallateur, aus Diessenhofen (Lehrbetrieb Breitler, Diessenhofen) entdeckte beim Überbrücken von Wartezeiten bei Schweissarbeiten Verpackungskanthölzer, er machte daraus eine Sitzbank. Das war der Kick; dazu gesellte sich ein Freund, der Schreiner Fabian Stahel. Die beiden gründeten die Firma Stahel & Sandmayr – Design und Fertigung. Die ersten Massanfertigungen lassen eine gute Zukunft voraussagen.

Florian Vogl, Elektroniker, Eschenz (Baumer Electric Frauenfeld), ging der Frage nach, welche Möglichkeiten die Technik bietet, wenn man sich einen RFID-Chip (radio-frequency identification) unter die Haut transplantieren lässt. Dazu machte er einen Selbstversuch mit einem Schlafphasenwecker, der aufgrund der Schlafphasenmeldung entscheidet, welches der günstigste Weckzeitpunkt ist.

Soan Tuzi, Sanitärinstallateur, Stammheim (Lehrbetrieb: Schäfli + Dietrich AG, Frauenfeld), zeigte auf, wie er mit selbstgeschriebenem Rap schwierige Lebenssituationen überwunden hat, wie Rap ihn zum Nachdenken ermutigte und Musik ihm half, auf einen guten Weg zu kommen.

Stefan Mihajlovic, Informatiker, Kreuzlingen (Novalink GmbH, Frauenfeld), ein Literaturfan, hat im Genre bekannter Fiction einen Roman unter dem Titel «Fan-Fiction» geschrieben, um digitalen Medien, die Printmedien verdrängen, ein Schnippchen zu schlagen.

Gechipt geschlafen

Alle Gewinner erhielten nicht nur ein Diplom von Matthias Hotz, Präsident der Stiftung Jugendförderung Thurgau, überreicht, sondern dazu auch einen finanziellen Zustupf – 500 Franken für jeden.