FRAUENFELD: Eine Wanne voll Ökosystem

Ein spezieller Umzug. Wegen der Schulhaus-Auen-Sanierung werden Teile der Schul-Teichanlage rund drei Monate lang in einer riesigen Wanne zwischengelagert. Im November werden sie ins neue Biotop eingesetzt.

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Knietief im Wasser: Biologielehrer Ruedi Fürst in «seinem» Biotop. (Bilder: Mathias Frei)

Knietief im Wasser: Biologielehrer Ruedi Fürst in «seinem» Biotop. (Bilder: Mathias Frei)

Der Wasserschlauch und seine Freunde bekommen auf dem Auen-Schulareal ein neues Daheim. Gestern sind sie in ihre temporäre Unterkunft gezügelt. In rund drei Monaten geht’s in den Neubau. Beim alten respektive neuen Zuhause handelt es sich aber nicht um ein Haus, sondern um eine Biotop-Anlage. Und der Wasserschlauch ist eine fleischfressende Pflanze.

Am 21. August ist Spatenstich der Auen-Gesamtsanierung. Anfang September beginnen die Erdsonden-Bohrungen: Dort, wo sich derzeit noch das Schul-Biotop befindet. Dieses muss weichen, es wird einige Meter weiter östlich neu gebaut. Deshalb sind gestern Teile des Biotops – Kleintiere und Wasserpflanzen – in Kesseln und mit der Baggerschaufel in eine Wanne gezügelt worden, die in nächster Nähe steht. Das temporäre Daheim fasst 60 Kubikmeter und besteht aus Schalelementen, die mit Folie ausgekleidet sind. Die Wanne wird mit einem Schatten spendenden Netz abgedeckt. Es gibt einen Ausgang für Amphibien. Roland Grandits ist Bauleiter der Auen-Gesamtsanierung. Er hat noch nie eine Biotop-Züglete in diesem Ausmass erlebt. «Aber die Massnahme zeigt eben auch den Wert dieses Ökosystems.»

Ruedi Fürst ist langjähriger Biologielehrer im Auen. Auf Ende Juli geht er in Pension. Das Biotop kennt er wie seine Hosentasche. Zusammen mit der Fachbegleiterin Regula Müller vom Zürcher Ökologiebüro Topos Marti & Müller AG sammelt er die seltene Art des Wasserschlauchs mit einem Sieb ein. Diese Pflanze hat winzige Fangblasen, die eine Unterdruckfalle mit Verdauungsenzym darstellen. Der Wasserschlauch sei ein wichtiger Indikator für ein gut funktionierendes Biotop wie dieses. Daneben gebe es hier aber noch viele wertvolle Kleintiere und Wasserpflanzen. Doch auch das neue Biotop funktioniere nur dann, solange niemand auf die Idee komme, Goldfische oder Schildkröten auszusetzen. Denn die seien einem solchen Ökosystem gar nicht dienlich.

 

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch