FRAUENFELD: Eine Kabine für Leseratten

Das städtische Kulturamt hat die ehemalige Telefonzelle vor dem Schlosspark in einen Bücherschrank verwandelt. Begeisterte Leser dürfen Bücher mitbringen und von dort mitnehmen.

Géraldine Bohne
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Buchhändlerin Marianne Sax bestückt den offenen Bücherschrank mit aktueller Literatur, im Hintergrund der städtische Kulturbeauftragte Christof Stillhard. (Bild: Mathias Frei)

Buchhändlerin Marianne Sax bestückt den offenen Bücherschrank mit aktueller Literatur, im Hintergrund der städtische Kulturbeauftragte Christof Stillhard. (Bild: Mathias Frei)

Géraldine Bohne

geraldine.bohne

@thurgauerzeitung.ch

Eine kleine gläserne Kabine steht an der Bushaltestelle des Schlossparks. Bei näherem Hinblicken sieht man, dass es sich hier um keine normale Telefonzelle handelt. Im Innern des kleinen Häuschens stehen hölzerne Regale, gefüllt mit farbigen Büchern. Von aussen prangt in gelber Aufschrift «Offener Bücherschrank». Das Prinzip ist ganz einfach: Bücherfreunde dürfen sich ein Buch ­ausborgen, dieses behalten oder gelesene Bücher von zu Hause mitbringen.

Der «offene Bücherschrank» ist ein Projekt der Kulturförderung Frauenfeld. «Ende Januar kam von einem Literaturfreund aus Weinfelden ein Mail mit ­dieser Idee, und jetzt ist unser Schrank bereits offen», sagt Kulturamtsleiter Christof Stillhard. In Weinfelden gibt es den «offenen Bücherschrank» schon seit 2015 auf dem Marktplatz. Auch andere Städte der Schweiz haben sich dieses Projekts angenommen. «Es stecken minimale Kosten und kaum Aufwand dahinter», sagt Stillhard.

Nach Eingang der Idee wurde sofort abgeklärt, wo der Schrank aufgebaut werden kann. Es sei schnell klar gewesen, das die alte Telefonkabine beim Bleicheareal ideal für das Kulturprojekt sei. Nach dem Einverständnis der Stadtbus-Verwaltung baute der Werkhof Regale ein, und Licht wurde von den Werkbetrieben montiert. Buchhändlerin Marianne Sax brachte die ersten Bücher mit, und das Amt für Kultur ergänzte das Angebot mit Frauenfelder Werken von Angelus Hux oder Roger Gonzenbach. «Meine Lieblingsbücher hier drin sind ‹Ich, Eleanor, Oliphant› und ‹Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten›», sagt Sax. Erstes ist noch nicht im Handel, es sei ein Leseexemplar. Nebst diesem ­exklusiven Buch stehen auch bereits Singbücher mit integrierter Elektronik, Krimis, Garten- und Kinderbücher in den Regalen.

Gewünscht sind Lieblingsbücher

Auf der Türe sind die Regeln des öffentlichen Bücherschranks auf gelber Farbe aufgelistet. «Der Schrank ist keine Entsorgungsstelle, wir möchten keine dreckigen Bücher», sagt Stillhard. Gewünscht seien Bücher in einem guten Zustand, vielleicht gar Lieblingsbücher. Auch Widmungen oder Gedanken dürfen in die literarischen Werke hineingeschrieben werden.

Der Schrank steht täglich 24 Stunden offen. Jede Woche kontrolliert das Amt für Kultur den Zustand des kleinen Häuschens. «Sobald nicht mehr Sorge getragen wird, können wir auch ein Schloss anlegen», sagt Stillhard. Wenn das Projekt gut laufe, habe er einen weiteren Standort bereits im Kopf. Dort, wo die Oberkirchstrasse von der Zürcherstrasse abzweigt, habe es eine weitere Telefonkabine. Nur sei an jenem Ort der Personenverkehr nicht so gross wie am jetzigen Standort, dem Einkaufszentrum Schlosspark. Die Stadt wolle auf jeden Fall schon jetzt die Idee an Mitgliedergemeinden weitergeben und zur Nachahmung weiterempfehlen. «Ich weiss nicht, ob es ein Brüller wird, aber ich bin optimistisch», sagt Stillhard.