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FRAUENFELD: Eine Chance für die Chancenlosen

Die Abschaffung der Anlehre hinterlässt eine Lücke in der Berufsbildung. Diese will der Thurgau mit einer eigenen Lösung stopfen. Nach anfänglichem Widerstand des Bundes könnte der Vorschlag nun nationale Signalwirkung haben.
Silvan Meile
Ein niederschwelliges Angebot soll lernschwachen Jugendlichen mit einer eigenen Ausbildung den Schritt in den Arbeitsmarkt ermöglichen. (Bild: Reto Martin)

Ein niederschwelliges Angebot soll lernschwachen Jugendlichen mit einer eigenen Ausbildung den Schritt in den Arbeitsmarkt ermöglichen. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Regierungsrat hat die Weichen für den Thurgauer Sonderzug doch noch gestellt. In einer revidierten Botschaft an den Grossen Rat schlägt er eine Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen vor. So soll im Kanton Thurgau nun das einst von Kantonsrat Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) in einer Motion geforderte zusätzliche berufliche Ausbildungsangebot für leistungsschwache Jugendliche in einem zweiten Anlauf geschaffen werden.

Keine Abschlussprüfung

Nachdem die Begriffe «Anlehre» und «Attest» in diesem Zusammenhang im Grossen Rat wie auch beim Sekretariat für Bildung, Forschung und Innovation des Bundes für Verwirrung sorgten, wird in der überarbeiteten Botschaft auf eine explizite Namensnennung verzichtet. Die Stossrichtung des Angebots bleibt aber unverändert: Für jene Jugendliche, die den Anforderungen für eine zweijährige berufliche Grundausbildung (EBA) nicht gerecht werden, jedoch auch nicht in eine geschützte Werkstatt für geistig Behinderte passen, soll in einem neuen Anlauf ein «niederschwelliges Ausbildungsangebot» geschaffen werden. Jährlich 20 bis 40 Jugendlichen könnte auf diesem Weg der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt doch noch ermöglicht werden. «Der Grund zur Schaffung eines solchen Angebots ist der Mangel an geeigneten Ausbildungsmöglichkeiten für schwächere Schülerinnen und Schüler», schreibt der Regierungsrat. Diese Angebotslücke entstand durch die schweizweite Abschaffung der Anlehre. Das nun vorgeschlagene niederschwellige zweijährige Angebot soll diese Lücke stopfen. Grundlage ist eine Anstellung in einem Lehrbetrieb. Erst so besteht Anspruch auf einen Tag Berufsfachschule pro Woche. Eine Schlussprüfung mit Prüfungsexperten gibt es nicht.

Landesweite Signalwirkung?

Roland A. Huber zeigte sich gestern zufrieden über die neue Botschaft des Regierungsrates. «Mir war es immer ein Anliegen, dass chancenlose Jugendliche eine Chance erhalten», sagt er. Die nun vorgeschlagene Thurgauer Lösung könne für andere Kantone gar eine Signalwirkung haben. Denn andere Landesteile haben in der Berufsbildung durch die Abschaffung der Anlehre dasselbe Problem. «Vielleicht braucht es das Thurgauer Angebot nur als Übergangslösung, bis der Bund eine solche Ausbildung landesweit schafft», sagt Huber.

Nun gefällt die Idee auch in Bern

Ob das neue Angebot der Berufsbildung im Thurgau aufgenommen wird, muss schliesslich der Grosse Rat entscheiden. Ihm wird der Regierungsrat die vorgeschlagene Gesetzesänderung unterbreiten. In der ersten Lesung zu diesem Geschäft war der Rat zunächst so geteilt, dass erst der Stichentscheid des Grossratspräsidenten ein Nein hervorbrachte. Statt nochmals darüber abzustimmen, wies das Kantonsparlament die Vorlage in der zweiten Lesung wegen zu vieler offenen Fragen an den Regierungsrat zurück.

Die nun überarbeitete Version könnte auf mehr Wohlwollen stossen. Zumindest die Reaktion des Bundes lässt darauf deuten. Noch im Frühling intervenierte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation in einem Brief an den Kanton Thurgau. In einem kantonalen Alleingang sah das Staatssekretariat sogar einen Verstoss gegen die Bundesverfassung. Auch auf die nun vorliegende Version des geplanten Thurgauer Ausbildungsangebots reagierte das Staatssekretariat: «Die Ausgestaltung des niederschwelligen Ausbildungsangebots erscheint uns in der gemäss der Botschaftsergänzung erläuterten Form als valables Instrument, das Vorhaben einer möglichen Integration von Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt anzugehen. Es würde sich mit Blick auf eine Reihe bereits bestehender kantonaler Angebote in die schweizerische Bildungssystematik einbetten», heisst es nun aus Bern.

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