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FRAUENFELD: Ein Schwan kommt selten allein

In Ermatingen verdrecken sie Badewiesen und die Strassen, bei den Seebachtaler-Seen liegt der Kot auf den Futterwiesen. Dennoch will im Thurgau niemand, dass der Schwan zum Abschuss freigegeben wird.
Michèle Vaterlaus
Der Schwan: geliebt wegen seines majestätischen Auftritts und gehasst wegen seines stinkenden Kots. (Archivbild: Susann Basler)

Der Schwan: geliebt wegen seines majestätischen Auftritts und gehasst wegen seines stinkenden Kots. (Archivbild: Susann Basler)

FRAUENFELD. Sie sind stolz. Sie sind schön. Sie sind majestätisch. Der Höckerschwan ist beliebt. Auch Martin Stuber, Gemeindepräsident von Ermatingen, schaut sich die Tiere gerne an. Nur gibt es da ein Aber. Die Schwäne vermehren sich und werden immer mehr, denn sie sind geschützt und haben keine natürlichen Feinde. In Ermatingen gibt es deshalb mittlerweile so viele Schwäne, dass sie zur Plage geworden sind. Sie verkoten das Ufer und die Badeplätze. «Die Bewohner kommen aus der Haustüre und treten direkt in die Schwanenkacke», sagt Stuber. «Das Ganze ist nicht nur eine hygienische Frage. Je nach Wasserstand stinkt es auch barbarisch.» Stuber ist deshalb froh, dass der Schutz der Schwäne gelockert werden soll.

«Humane Geburtenkontrolle»

Eine entsprechende Motion hat der Nationalrat am Mittwoch diskutiert. Dieser will zwar, im Gegensatz zum Bundesrat und Ständerat, die Schwäne nicht zum Abschuss freigeben, aber er will den Schutz so lockern, dass die Eier gestochen oder geschüttelt werden können, damit die Schwäne weniger Nachwuchs bekommen (Ausgabe vom Mittwoch). Diese «humane Geburtenkontrolle» findet der Ermatinger Gemeindepräsident eine gute Lösung. «Einen Abschuss würde ich nicht begrüssen.»

Dieser würde auch nichts bringen, wie Roman Kistler, Jagd- und Fischereiaufseher des Kantons Thurgau, sagt. Vor einigen Jahren habe der Thurgau nämlich eine Bewilligung für den Abschuss von Schwänen am Untersee bekommen. «Wir hofften auf einen Vergrämungseffekt, wenn wir ein paar wenige Tiere schiessen», sagt er. «Aber das hat nichts genützt.» Wolle man eine Wirkung erzielen, müsste man zu viele Tiere töten. «Das würde von der Bevölkerung sicher nicht goutiert und ja, es käme einem Massaker gleich.» Deshalb hält auch er den Ansatz, dass beim Schwanen-Nachwuchs angesetzt wird, um die Populationen zu regulieren, für eine gute Lösung – auch wenn sie erst langfristig greife.

Kistler wurde auch schon mit Reklamationen wegen Schwänen konfrontiert, die Wiesen rund um die Seebachtaler-Seen verkoten. «Dort sind natürlich die Bauern betroffen», sagt Kistler. Das verursache einen wirtschaftlichen Schaden. Denn das Gras könne nicht mehr als Futter verwendet werden – zu gross sei das Risiko von Krankheiten. «Doch der wirtschaftliche Schaden wird nicht entschädigt.»

Der Vogel macht, was er will

Beim Vogelschutz Thurgau will man nicht in Abrede stellen, dass es Probleme mit Schwänen gibt, und ist offen für Gespräche. «Man kann das punktuell anschauen», sagt Co-Präsident Beat Leuch. Abschiessen kommt für ihn aber nicht in Frage. «Man weiss nicht, ob man ein Männchen oder ein Weibchen schiesst. Und vielleicht trennt man durch den Abschuss Paare. Schwäne bleiben ein Leben lang zusammen.» Leuch betont des Weiteren: «Es stört mich, dass gleich ein Geschrei losgeht, wenn sich ein Tier vermehrt. Dann heisst es immer, es sei nicht mehr tragbar.» Leuch stört sich auch ob dem Argument, der Schwan sei hier nicht heimisch. «Was bedeutet denn heimisch?», fragt er. Die Natur mache, was sie wolle, Tiere kämen her und gingen auch wieder. «Der Vogel macht, was er will.»

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