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FRAUENFELD: Ein Reformator für alle Fälle

Der Vortrag zur Reformation im Thurgau war gut besucht. Zwinglis Ideen würden in Reden oft missbraucht, um eigene Anliegen zu rechtfertigen, sagte der Referent und Historiker André Holenstein.
Zwingli-Experte André Holenstein. (Bild: Hugo Berger)

Zwingli-Experte André Holenstein. (Bild: Hugo Berger)

Es gibt wohl keinen passenderen Ort, um einen Vortrag über die Reformation im Thurgau zu halten, als den Gerichtssaal im Schloss Frauenfeld, der damals Sitz des Landvogtes und des Landgerichts war. Der Einladung des Historischen Museums Thurgau folgten am Mittwoch zahlreiche Besucher und füllten den Saal bis auf den letzten Platz; wer spät kam, musste den Vortrag vom Korridor aus verfolgen.

Das grosse Interesse lag wohl nicht zuletzt am Referenten, gilt der Berner Historiker André Holenstein doch als Zwingli-Experte. Das Besondere an seinem Vortrag war vor allem seine kritische Sicht auf die Art und Weise, wie die Ereignisse von damals heute interpretiert werden. Sein Fazit: Die Reformation werde von Politikern und Interessenvertretern in den Jubiläumsreden für die Unterstützung eigener Ziele und Vorstellungen missbraucht.

Seit Jahresbeginn riefen die Medien in Erinnerung, dass im Oktober 1517 ein Mönch namens Martin Luther Thesen gegen den Ablass der römischen Kirche veröffentlicht habe. Wie jedes Jubiläum habe das Reformationsjubiläum mehr mit der Gegenwart als mit der Vergangenheit zu tun. Um Ziele und Botschaften zu rechtfertigen, würden an Reden Bilder und Vorstellungen kolportiert, die mit der Vergangenheit nur bedingt zu tun hätten.

Dies habe sich insbesondere an der offiziellen Feier am 5. Januar in Zürich gezeigt. So habe die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) die «soziale Dimension» der Reform hervorgehoben, andere Redner hätten betont, die Reformation habe die Gesellschaft gerechter und demokratischer gemacht. Wieder andere präsentierten eine weichgespülte Reformation, der man alle Zähne gezogen habe. Man bringe die Reformation mit fast allen kulturellen Errungenschaften der Moderne in Verbindung – mit Freiheit, Demokratie, dem Sozialstaat, Gerechtigkeit und Wohlstand.

Die Aktualisierung auf die Spitze getrieben habe Roger Köppel. Der Verleger und Chefredaktor der Weltwoche benutze Zwingli als Vorzeigepatrioten und bezeichne den Reformator als «Rebellen nach Schweizer Art». Aus seiner Feder stamme auch der Satz, der im Januar in der Weltwoche zu lesen war: «Ersetzt man die Worte «Söldner» und «Frankreich» durch «bilateral» und «Brüssel», sind wir in der Gegenwart angekommen.»

Die Kritik an Köppel stiess einem Besucher offenbar sauer auf. Später fragte er den Referenten: «Haben Sie etwas gegen Köppel?» Und zitierte Bruder Klaus von der Flüe: «Mischt euch nicht in fremde Händel ein.» Was Bruder Klaus gesagt habe, wisse man heute auch nicht mehr so genau, entgegnete Holenstein. «Sicher ist: man hat auch ihm da und dort die eigene Meinung in den Mund gelegt.»

Hugo Berger

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

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