FRAUENFELD: «Ein Herantasten an die Praxis»

Landwirte müssen Flächen und Nutzungen für die Direktzahlungen bis spätestens Ende 2019 in einem digitalen Informationssystem erfassen. Etliche Bauern werden dafür auf Hilfe angewiesen sein.

Kurt Peter
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Kurt Peter

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Im kommenden Jahr stellt der Kanton Thurgau für die Landwirtschaft auf die vom Bund verlangte Flächenerfassung mittels eines geografischen Informationssystems (GIS) um. Dies sei vom GEO-Informationsgesetz gefordert, erklärt Thomas Fröhlich, Projektleiter in der Abteilung Direktzahlungen und Kontrollwesen im kantonalen Landwirtschaftsamt.

Solche Geodatensätze sind auch in anderen Bereichen bekannt, beispielsweise in der Amtlichen Vermessung. «Für den Bereich der Landwirtschaft hat der Bund ein Datenmodell erarbeitet, in dem die gewünschten Informationen zusammengestellt sind und ausgetauscht werden können», erklärt Thomas Fröhlich. Diese Arbeit sei 2012 vom Bund, zusammen mit den Kantonen, durchgeführt worden. Die vollständigen Geodaten sind bis Ende 2019 an den Bund abzu­liefern.

Der Kanton streicht die Vorteile hervor

Das im Thurgau eingesetzte GIS-basierte EDV-System mit der Bezeichnung «LAGIS», konnte im 2017 erstmals von den Gemeindestellen eingesetzt und so erste Erfahrungen gesammelt werden. «Damit wurden zusätzlich zu den vorhandenen Grundlagedaten weitere 15 Prozent der Landwirtschaftsfläche im System erfasst und für die Direktzahlungen 2017 abgerechnet», sagt Fröhlich. Das Landwirtschaftsamt sei zurzeit intensiv daran, die Flächendeklaration vom Jahr 2017 für das Beitragsjahr 2018 vorzuerfassen.

Die Bauern müssten 2018 im LAGIS nur Änderungen erfassen oder Korrekturen vornehmen. Im Idealfall sei der Anpassungs- oder Ergänzungsaufwand für den Landwirt geringer als in den Vorjahren.

«Bisher wurden die Kulturen pro Grundbuchparzelle erfasst. Neu kann der Landwirt angrenzende Grundbuchparzellen auch zu einer grösseren Bewirtschaftungseinheit zusammenfassen», erklärt Fröhlich weiter. Die Deklaration der Kulturen können jederzeit als Plan ausgedruckt werden, was für die Landwirte und auch für die Amtsstellen ein Vorteil sei. Als weiteren Vorteil nennt Fröhlich, dass zum Beispiel die Hangbeiträge für die Direktzahlungen bei Veränderungen der Kulturabgrenzungen automatisch im Hintergrund neu gerechnet werden.

Das LAGIS wird auch für die Thurgauer Viehzuchtbetriebe eingesetzt. DieBetriebsstandorte mit den verschiedenen Tierhaltungen wurden bisher als Koordinaten erfasst und werden im neuen System geografisch dargestellt.

Das habe im Fall von Tierseuchen Vorteile, weil die in der Umgebung liegenden Betriebe schnell über die notwendigen Massnahmen informiert werden könnten. «Das war 2016 bei der Vogelgrippe am Bodensee beispielsweise der Fall», blickt Fröhlich zurück.

«Jährlich aufwendig nachjustieren»

«Der praktische Landwirt wurde etwas vergessen», meint Markus Hausammann, Präsident des Thurgauer Landwirtschaftsverbandes, zum System. Er schätzt, dass etliche Bauern auf Hilfe angewiesen sein werden, wahrscheinlich auf Jahre hinaus. Das System wäre perfekt, wenn die Parzellen und Schläge jährlich gleich gross bleiben würden. Das sei aber in der Praxis oft nicht der Fall.

Es komme vor, dass Grünland zur Wiesenerneuerung vorübergehend in die Fruchtfolge einbezogen werden muss. Fruchtfolgeflächenanpassungen oder Landabtausch führten aber dazu, dass die Bauern das System jährlich aufwendig nachjustieren müssten. Es gehe darum, wie man mit diesen praktisch verursachten Ungenauigkeiten umgehe. «Es wird ein Herantasten an die Praxis geben», ist sich Hausammann gewiss. Andererseits mache der Kanton nur, was der Bund vor­gebe.

Die «Vorteile» des Systems sieht der Bauernpräsident «in der Vereinfachung der Kontrolle beim Vollzug, das «darf aber nicht zu Lasten der Landwirte passieren».