FRAUENFELD: Diese Reparatur ist gratis

Bei einer Tasse Kaffee das Lieblingsobjekt flicken lassen: Das konnte man am Samstag im Quartiertreff Talbach. Wer wollte, stiftete einen Beitrag.

Judith Meyer
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Im Repair-Café herrscht Hochbetrieb: Kaputte Geräte und Kleider werden hier wiederhergestellt. (Bild: Reto Martin)

Im Repair-Café herrscht Hochbetrieb: Kaputte Geräte und Kleider werden hier wiederhergestellt. (Bild: Reto Martin)

Judith Meyer

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Brockenhäuser, Tauschbörsen und Repair Cafés liegen im Trend. Genau auf diesen Trend sind Otto Wieland, Christian Rzesnik und andere Helfer vom Quartiertreffpunkt Talbach beim Talbachkreisel in Frauenfeld mit ihrem Repair Café aufgesprungen. Den ganzen Samstag konnte man seine Lieblingsobjekte kostenfrei mit der Hilfe von Profis ­reparieren lassen oder zusammen bei der Reparatur anpacken und dabei noch was lernen.

Schon der Empfang war freundlich, Amalu (13), Aaron (10) und Tim (8) wiesen die Gäste auf dem Parkplatz professionell ein. Auch der kleine Fabio (6) half Silvia Seward im Café kräftig mit und trug Kaffeetassen von Tisch zu Tisch. Wer wollte, konnte einen kleinen Beitrag sowohl für den Kaffee als auch für die ­Reparaturen in den aufgestellten Kässeli hinterlegen. Wer etwas zu reparieren hatte, musste sich am roten Tisch anstellen und ein Formular ausfüllen, dann wog Rzesnik den Gegenstand auf einer Waage und gab dem Besitzer die Abholzeit bekannt. «Heute ist nationaler Reparaturtag. Die Stiftung Konsumentenschutz, die unseren Anlass unterstützt, sammelt die Daten, um zu zeigen, wie viel Kilogramm Schrott nicht produziert wurde durch die Repair-Aktion», verriet Rzesnik.

Doch nicht jeder kann seinen Gegenstand repariert abholen, manche Dinge sind einfach nicht mehr zu reparieren. Wer mochte, konnte Ersatzteile kaufen, aber das Entsorgen der Ware war ­Sache der Besucher. «Es kam auch schon vor, dass jemand seine Sachen nicht abgeholt hat, aber ich denke, eher unabsichtlich», sagte Rzesnik. Dieses Jahr gab es allerdings lange Wartezeiten, und kaum einer blieb und ­reparierte zusammen mit den Profis die Gegenstände, was die eigentliche Idee war. «Jetzt komm ich mit dem Schlitten, denn der Schnee kommt», rief Marianne Hagen aus Frauenfeld fröhlich in die Runde. Sofort berieten sich die Handwerkprofis, wie sie den alten Davoser wieder fahrtüchtig machen könnten. «Ich möchte ihn meiner Tochter schenken, es war ihrer früher; nun hat sie selber Kinder, aber kaputt nützt er niemandem etwas», so Hagen.

Buchbinder zeigt sein Handwerk

Zwei Jungs und ein Mann betraten interessiert das Café. Sie gaben nicht nur etwas zum Reparieren ab, sondern blieben lange bei den Handwerksständen stehen. «Mir ist wichtig, dass Kinder wissen, woher die Dinge kommen und wie sie gemacht werden», schilderte Michael Pöll seine Beweggründe, das Repair Café zusammen mit Julius (9) und Benedikt (8) zu besuchen.

Franz Prassl, ein pensionierter Buchbinder, zeigte den Besuchern seine Handwerkskunst und sagte lächelnd: «Ich bin hier und helfe, weil es mir Spass macht.»