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FRAUENFELD: Die Strategie der Schnecke

Fast 20 Jahre stand das Holzhaus an der Kanzlerstrasse 1. Sein Besitzer Peuss Hürlimann versetzt es nun nach Brügg bei Biel. Dort findet der Prototyp eine definitive Bleibe.
Stefan Hilzinger
Peuss Hürlimann plant den Umzug seines Hauses am Zeichentisch. (Bild: Andrea Stalder)

Peuss Hürlimann plant den Umzug seines Hauses am Zeichentisch. (Bild: Andrea Stalder)

Das Haus wie in den USA auf einen Tieflader zu stellen und wegzufahren, geht nicht. «Die Strassen sind in der Schweiz zu eng und zu schmal», sagt Peuss Hürlimann. «Ein Zeppelin wäre die Lösung gewesen, das Haus am Stück zu versetzen», sagt der Eigentümer des Holzhauses an der Kanzlerstrasse 1 in Frauenfeld. Doch die Firma Cargolifter ging vor einigen Jahren Konkurs. So funktioniert die Hauszüglete wie der Aufbau vor 18 Jahren halt einfach rückwärts. «Das ist gar nicht so ohne, denn wir machen alles zum ersten Mal», sagt der 55-jährige Zimmermeister.
Noch wenige Wochen wohnt Hürlimann in Frauenfeld, dann zieht er samt Haus nach Brügg bei Biel um. Das Haus oberhalb des Schulhauses Langdorf gleicht einer Baustelle. Es ist eingerüstet. Auf dem Bett in der Stube liegen Pläne. Hürlimann führt sie am Zeichentisch nach, damit beim Wiederaufbau im Berner Seeland dann auch alles klappt. Erzählt er von der Geschichte des Hauses, leuchten die Augen des Holzbauprofis, zwischendurch schüttelt er dennoch leicht den Kopf. «Wir sind halt keine Schnecken, die ihr Haus so einfach mitnehmen können.» Doch schliesslich sei das Haus dafür konstruiert worden, um versetzt zu werden.

Ein Prototyp mit Verbesserungspotenzial

Damals, vor knapp zwanzig Jahren, suchten er und seine damalige Frau nach mehr Wohnraum für sich und die beiden Kinder. In der Wohnung wenige Häuser weiter oben an der Strasse war es eng geworden. Doch da ist diese freie Parzelle der Kirchgemeinde. So kommt Hürlimann auf die Idee, ein zerlegbares Holzhaus auf Zeit zu errichten, etwas, das es so nicht gab. «Es ist ein Prototyp, zwar praktisch und mit eigenem Charme. Aber da und dort zeigen sich auch Nachteile.» Ein einziger Ofen sorgt im Winter für Wärme. «Ein Holzhaus hat nur wenig Masse, was die Wärmeregulierung sehr schwierig gestaltet.» Den Ofen zügelt Hürlimann zwar, doch am neuen Standort erhält das Haus eine deutlich dickere Isolationsschicht und bessere Fenster, zudem statt des einfachen Wellblechdaches ein begrüntes. Deswegen muss die Konstruktion verstärkt werden.
Buchstäblich eher Nasszelle als Wellnessbereich ist das Bad. Hier soll am neuen Standort etwas mehr Behaglichkeit einkehren. Das sei auch ein Wunsch seiner neuen Partnerin, deretwegen er umzieht.

Frauenfeld TG - Ein Haus zieht um. Peuss Hürlimann verschiebt sein Holzhaus nach 18 Jahren nach Biel. (Bild: Andrea Stalder)

Frauenfeld TG - Ein Haus zieht um. Peuss Hürlimann verschiebt sein Holzhaus nach 18 Jahren nach Biel. (Bild: Andrea Stalder)

In Brügg wird derzeit der Bauplatz vorbereitet, die Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser gelegt. Mitte Mai, so rechnet Hürlimann, wird dann das Haus in Frauenfeld von oben nach unten schichtweise abgetragen. Die Holzelemente kommen auf Lastwagenpritschen und werden zwischengelagert. Beim Rückbau und beim Wiederaufbau zeigt sich, wie gut die Elemente sich lösen und wieder ineinanderfügen lassen. Eine Herausforderung, die der Seele des Zimmermanns durchaus entspricht.

Im Baurecht auf Land der Evangelischen Kirche

Die Parzelle an der Ecke Hörnlistrasse/Kanzlerstrasse gehört der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld. Peuss Hürlimann und seine Familie schlossen im Jahr 1999 mit der Kirche einen Baurechtsvertrag über 15 Jahre ab. Die Vorsteherschaft verlängerte den Vertrag auf Zusehen, bis Hürlimann die Züglete organisierte hatte. Nun wird die Parzelle im Laufe dieses Jahres wieder frei. Doch die Kirche hat bereits neue Pläne, wie Kirchenpfleger Wolfgang Ackerknecht auf Nachfrage sagt. Im Januar 2024 geht Pfarrer Andreas Bänziger in Pension. Für die Zeit danach gibt es nun im Pfarrkreis Langdorf Bedarf für ein Pfarrhaus oder eine Pfarrwohnung. Die benachbarte Parzelle an der Oberkirchstrase 19 gehört ebenfalls der Kirche. Das Haus dort ist derzeit vermietet. «Die Vorsteherschaft wird sich schon bald mit der Neugestaltung dieser beiden Parzellen befassen», sagt Ackerknecht. Darauf wäre dann auch Platz für eine Wohnung für den zukünftigen Pfarrer oder die Pfarrerin samt Familie. (hil)

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